Asenblut - Berserker

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VÖ: 19.08.2016
Bandinfo: ASENBLUT
Genre: Black / Thrash Metal
Label: AFM Records
Lineup  |  Trackliste

Kennt ihr sie, diese Kids mit den VARG-Shirts, dem Flaumbartansatz, den Ritterrüstung-Pullis und den Trinkhörnern? Reden vom Christenschlachten, von Ahnenkult und den wahren Göttern, während sie sich selbst als die neuen Wikinger sehen – Wikinger die zu schmächtig sind, um die Doppelaxt zu schwingen, zu pickelig, um von einer Schildmaid zur Paarung auserwählt zu werden und in geistiger Entwicklung noch weit von der moralischen Reife des sich regelmäßig unter der Nase kratzenden Jungwikingers aus Flake entfernt sind. Gehuldigt wird einem zu kommerziellen Zwecken pervertierten Paganismus, ausgelegt darauf, mit einer falsch interpretierten Version des „Ad Fontes Begriffes“ sich seiner Wurzeln zu besinnen, um möglichst viele kindische „Ich saufe in Walhalla“-Shirts, „Odin statt Jesus“- Patches und billige, aus nicht haltbarer Zinnlegierung gefertigte Mjölnir-Anhänger zu verkaufen. Nebenbei liefert sich die Humppa-Pagan-Szene einen Kampf, wer da wohl den degeneriertesten Schwachsinn aus seinen Dudelsäcken presst – „Beer Beer“, „Vodka Vodka“, „Rum Rum“, „Ich mach mich zum Affen und ihr Deppen kauft mir das auch noch ab“, wobei man sich vor Verzweiflung doch die Ohren abschneiden möchte. Bevor jetzt die Lederschurzbewandeten und mit Metflaschen bewaffneten Horden von nordischen Kindersoldaten über den Verfasser herfallen und ihm unterstellen, er hätte doch nur keine Freude am gegenständlichen Subgenre, so sei hinzugefügt: paganistisch geprägtes Hartmetall kann durchaus qualitativ hochwertig sein, man denke an die knallharten UNLEASHED, oder die alle Grenzen sprengenden PRIMORDIAL – „Wield Ligthning To Split The Sun“, was für eine musikalische Intonierung gänsehauterzeugender Atmosphäre!

ASENBLUT hingegen reiht sich in die Reihe VARG, EQUILIBRIUM, KORPIKLAANI und sonstiger semianspruchsvoller Wacken-Pagan-Kids-Unterhalter ein – seichte Unterhaltung zum Schwingen des Trinkhorns und Mitgrölen von Bierzelt-tauglichen, einfach gestrickten Texten, die selbst der 15-jährige Karl-Friedrich (Sohn katholischer Eltern in seiner rebellischen Phase und Mengenrabattbezieher bei Clearasil) nach dem dritten Horn Wikingerblut (Höhö - allein der Name macht das Getränk so ultra-mega-martialisch) noch textsicher mitgrölen kann, während er sich, im Vollsuff, in seine Hugo-Boss-Unterhose (voll "In" bei echten, aufgepumpten, männlichen Viking-Warrior-Pin-Ups!) schifft. Dann fällt er um, in das Gemisch aus Matsch, Bier und Pisse, am „heiligen“ Posergrund von Wacken – so sieht er also aus, der „Berserkerzorn“. Die Rage manifestiert sich als eine lauwarme, drucklose Aneinanderreihung der ewig gleichen Riffs, die zwar treibend sind, jedoch den Spannungsbogen Flach halten und Überraschungen erst gar nicht zulassen. Man denkt sofort an Genregrößen wie AMON AMARTH oder RIGER – eine Mischung von Black und Thrash, wie es die Band selbst betitelt, vermisst man jedoch schmerzlichst, man tendiert hier eher zu Trash und das ganz ohne Pandaattitüde. Schlussendlich sult man sich in fragwürdigen Heldenkult, Kindergartenpaganismus und pseudointellektuellen Lebensratschlägen. Kurz und schmerzlos formuliert: Hier finden VÜRG ihre ebenbürtige Konkurrenz im Phrasendreschen!

Zwischen all dem übertriebenen Heroismus, dem Abbild des stählernen Kriegers als Ideal des auf die Erde gekommenen nordischen Halbgottes – ganzkörpergewachst versteht sich – findet sich der Versuch, sich mit zeitgenössischen Fragestellungen auseinanderzusetzen und verschwindet noch mehr in der argumentativen Seichtigkeit, lyrischer Populismus, wenn auch auf keinen Fall für die rechte Seite, jedoch zu einfach gestrickt – Philosophie in ihrer großen Kunst sieht bei weitem anders aus als diese Malbuchgeschichten für Kinder ab sechs Jahren. Und als eingeschworener Kultist noch eine letzte Bitte am Ende: Lasst einfach die Finger von H.P. Lovecraft – wenn ihr wissen wollt, wie man dem Kult standesgemäß huldigt, so höret und preiset SULPHUR AEON… Fhtagn! „Berserker“ ist Futter für die zahllosen VARG-Kids, braucht demzufolge also kein Mensch, egal ob in Midgard oder Valhalla! Ich schneide mir einen Punkt aus den Rippen und das eigentlich nur für den (Achtung Satire!) "Unterhaltungswert" - Hoch die Hörner! Wir schließen nun mit einem mehr als treffenden Zitat von Abraham Lincoln: „Besser schweigen und als Narr scheinen, als sprechen und jeden Zweifel beseitigen.“



Bewertung: 1.0 / 5.0
Autor: Laichster (12.08.2016)

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