INFANT ANNIHILATOR - The Elysian Grandeval Galeriarch

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VÖ: 29.07.2016
Bandinfo: INFANT ANNIHILATOR
Genre: Deathcore
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Was ist harte Musik? Vielleicht klassischer Death Metal á la CANNIBAL CORPSE? Black Metal wie ihn die schwarz-weiß bemalten BEHEMOTH machen? Oder doch eher Deathcore nach dem Muster von SUICIDE SILENCE, oder WHITECHAPEL als selbsternannte ‚neue Härte‘? Alles falsch. Der Antichrist höchstpersönlich hat sich aus dem tiefsten Kreis der Hölle erhoben und eine Band gegründet, die neue Maßstäbe setzt und Anspruch auf den Thron stellt: INFANT ANNIHILATOR.

Kein Wunder übrigens, dass sich diese überdurchschnittliche Härte innerhalb dieser Bandkonstellation ergibt: INFANT ANNIHILATOR können ihr Line-Up unter anderem mit zwei Ex-Mitgliedern der Downtempo-Deathcore Band BLACK TONGUE zieren, die ja spätestens 2015 mit ihrem Brecher-Release „The Unconquerable Dark“ auf sich aufmerksam gemacht haben dürften. Vier Jahre und einen Sängerwechsel ist es her, dass INFANT ANNIHILATORs Debutalbum „The Palpable Leprosy of Pollution“ das Licht der Welt erblickte und bereits damals einige Szenekenner hellhörig werden ließ: Unerhört schnelle Drums, ein Genickbrecher-Riff nach dem anderen und Songtexte, die genauso gut aus einer satanischen Bibel stammen könnten. Titel wie „Cuntcrusher“ oder „Decapitation Fornication“ schafften es, trotz der zugegebenermaßen schwachen Produktion, in meine persönlichen Genre-Favoriten. Aber was macht „The Elysian Grandeval Galériarch“ anders als das erste Werk der Höllenanwärter Nr.1?

So einiges, und zwar nichts davon schlechter! Es scheint ganz so, als hätten sich INFANT ANNIHILATOR das Image der Antichristen (ich weiß wirklich nicht, wie man es sonst nennen soll) jetzt wirklich groß und breit auf die Fahnen geschrieben, und bringen mit „The Elysian Grandeval Galériarch“ etwas, was schon mehr als Konzeptalbum durchgeht, als als reiner Technical-Deathcore-Release. Die Platte kommt mit insgesamt 11 Songs und einer Spielzeit von ungefähr einer Stunde daher, was damit meilenweit über dem Durchschnitt ihrer Genrekollegen liegt. So ziemlich kein Titel kommt hier auf die Standardlaufzeit von zwei bis vier Minuten; die meisten sind entweder darüber oder darunter. Mit dem fast 18-minütigen (!!!) „Behold the Kingdom of the Wretched Undying“ dürfen sich INFANT ANNIHILATOR wohl ab jetzt mit dem längsten Deathcore-Track aller Zeiten rühmen. Auch musikalisch haben die Jungs aus UK noch ordentlich zugelegt. Für das ganze Album gilt „Harder, Faster, Louder“. Die Riffs sind noch schneller, noch ausgefeilter und wirklich auf den Punkt gebracht. Die Drums klingen immer noch, als wären sie nicht von dieser Welt, sind hier aber wesentlich fetter produziert als auf dem Vorgänger. Was hier wirklich am meisten hervorsticht sind die Vocals. Es gibt einfach aktuell keinen Vergleich für die dermaßen heftigen Töne, die der neue Frontsänger Dickie Allen hier von sich gibt. ‚Unmenschlich‘ trifft es als Umschreibung hier wohl am besten. An einigen Stellen bin ich mir sogar sicher, dass jeder gläubige Christ sofort drei Kreuze schlagen und in die nächstgelegene Kirche flüchten würde. (Anm. d. Lekt.: Klingt gut, wird demnächst auch an den Zeugen Jehovas ausgetestet!)

INFANT ANNIHILATOR liefern mit „ The Elysian Grandeval Galériarch“ ein Werk, dass das Potential hätte, Deathcore für immer zu verändern. Nie dagewesene Härte, kombiniert mit einem unglaublich raffinierten und detailreichen Songwriting, mit eingestreuten Bass und Gitarrensoli, apokalyptischen Samples, die Mischung aus schweren und langsamen Parts á la BLACK TONGUE und übermenschlich schnellen und trotzdem flüssigen und in sich stimmigen Abschnitten, bieten dem aufmerksamen Zuhörer ein wahres unheiliges und höllisches Core-Feuerwerk. Über einzelne Tracks will ich hier gar nicht groß sprechen, da ich die Möglichkeit, „The Elysian Grandeval Galériarch“ als Ganzes zu genießen, nicht zerstören will.

Deathcore hat sich zu lange auf der Stelle bewegt und sich zu lange angepasst. Das Genre braucht Pioniere wie INFANT ANNIHILATOR, die neue Einflüsse einbringen und mit frischen Ideen daher kommen. Das hier ist ein ganz neues Level, und ich halte die Daumen dafür, dass sich etablierte Bands der Szene eine Scheibe von den Newcomern abschneiden. INFANT ANNIHILATOR: Ich ziehe ehrfürchtig meinen Hut.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (31.07.2016)

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