HYPNOS - Cold Winds

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VÖ: 29.04.2016
Bandinfo: HYPNOS
Genre: Rock
Label: Crusher Records
Lineup  |  Trackliste

Es dürfte niemandem entgangen sein, dass die Musik der 60er und 70er-Jahre wieder „in“ ist. Während sich die Gesellschaft immer mehr an der Digitalisierung ebenjener erfreut und man ohne Beteiligung in sozialen Medien oder dem Besitz von relevanten technischen Devices einen gewissen Außenseiterstatus zu akzeptieren hat, scheint diese Zuwendung zu den vergangenen Zeiten eine kleine Rebellion zu sein – meist eher als Hippiekultur light, in der man zwar über ein I-Pad verfügen darf, aber sich dennoch ganz ohne Scham als Blumenkind sieht. Doch warum gibt es nun diesen zugegeben etwas zynischen Exkurs? Ganz einfach: Weil die  Rockmusik mitten in dieser kleinen Rebellion steckt. Und das hat auch ohne einen Hang zum Zynismus einen guten Grund: Die Digitalisierung und die Musik als global verbreitetes Massenmedium führt zu diversen „höher, schneller, weiter“-Auswüchsen, die eine Antithese brauchen. Und diese Antithese findet man in den Retro-Rockern, SABBATH-Jüngern, Woodstock-Sympathisanten und psychedelisch angehauchten Bands, die momentan aus dem „Boden schießen“.

HYPNOS aus Schweden sind eine dieser Bands, die es mit dem Hippietum ernster meinen als viele andere Gruppen aus dieser Riege. “Cold Winds“ klingt sehr locker, bisweilen gar improvisiert und versteht sich als Gegner der konstruierten Musik. Und diesen Status haben sich HYPNOS auch merklich verdient. Denn authentisch klingt “Cold Winds“ auf jeden Fall. Originell ist dies allerdings nur zum Teil. Scheinbar mag man JETHRO TULL, was den Gebrauch der Flöte erklären dürfte. Sonst wildert man quer durch den musikalischen Gemüsegarten zwischen 1968 und 1975, und das gelingt mal mehr und mal weniger gut. Immer dann, wenn HYPNOS eher bescheiden bleiben und die Songs auf den Punkt kommen, können sie auch überzeugen. So zum Beispiel bei “Cold September“ oder dem coolen “Descending Sun“. Wird zu viel improvisiert, werden die Songs etwas unübersichtlich. Da wollen die Schweden vielleicht manchmal etwas zu viel, denn Songs wie “Transylvanian Nightmare“ verlieren sich dann mitunter anstatt auf den Punkt zu kommen. Zudem muss man feststellen, dass die Vocals polarisieren werden. Mitunter ist das schon etwas nölig und quiekend, was Sänger Philip hier abliefert. Wer den Gesang von HORISONT mag, wird sich aber auch an Herrn Lindgrens Stimme erfreuen können.

HYPNOS Trendanbiederung vorzuwerfen, wäre ein Frevel. “Cold Winds” klingt tatsächlich so, als ob man Herzblut in diese Musik gesteckt hätte. Leider schwankt die Qualität des Dargebotenen aber zu stark, um sich von der quantitativ starken Konkurrenz abzuheben. “Descending Sun“, “Cold September“ und “I’m On The Run“ sollte man aber gehört haben, wenn man an dieser Retro-Ausrichtung interessiert ist und etwas “Flower Power“ in seinen Alltag bringen möchte.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: El Greco (29.08.2016)

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