IN THE WOODS... - Pure

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VÖ: 16.09.2016
Bandinfo: IN THE WOODS...
Genre: Avantgarde Metal
Label: Debemur Morti Productions
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Lineup  |  Trackliste

Totgeglaubte leben bekanntlich länger. Oder in diesem Falle: wieder. Monumentale Siebzehn Jahre nach dem überragenden „Strange In Stereo“ (für alle Hardcore-Nostalgiker: ja, das war noch im vorigen Jahrtausend) rücken die Norwegischen Kultmetaller IN THE WOODS… ein neues Langspielalbum rüber, was zwar irgendwo zu erwarten war, dennoch aber nicht ganz unüberraschend kam. Weil bis zum Schluss außer Spekulationen nichts an die Öffentlichkeit gedrungen war, und sich erst in den letzen Monaten abzuzeichnen begann, dass es mit dem simpel „Pure“ betitelten Werk doch noch was werden würde. Größter Faktor der Neuerschaffung war der vakante Sängerposten, der mit dem schrulligen Briten James Fogarty (mit den Bandmitgliedern schon lange befreundet und in diversen Projekten wie JALDABOATH oder EWIGKEIT zugange) passend besetzt wurde, was im Nachhinein sogar wie der einzig logische Schritt erscheint, hört man sich das grandiose Ergebnis an.

Fogartys Gespür für Melodie und Arrangements kollidiert hier wunderbar kreativ mit der songwriterischen Hingabe der Botteri-Brüder, untermauert von Anders Kobro, einem Weltklasse-Drummer, als solidem Fundament. „Pure“ verspricht dann auch nicht zu viel. Anstatt ein konzeptuell auf superduper getrimmtes Ungeheuer zu erschaffen, zelebrieren IN THE WOODS… ihren ureigenen Stil einfach weiter, steigen unverschämt fast da wieder ein, wo sie Ende des letzten Jahrtausends den Zug verlassen hatten, und klingen dabei weder gekünstelt noch gezwungen. Im Gegenteil: die Songs scheinen aus sich selbst zu wachsen, sich selber immerfort zu erschaffen, ein musikalisches Perpetuum Mobile, bei dem vieles vertraut klingt, manches überraschend wirkt, und einen alles in ungläubiges Staunen versetzt. Die Wiedersehensfreude mischt sich unweigerlich mit einer gewissen Melancholie, das wollen IN THE WOODS…  so, denn sie haben die Melancholie im norwegischen Metal ja schon seit jeher für sich gepachtet.

Der eröffnende Titeltrack ist gleich mal pures Gefühlskino: diese eindringlich sonoren Gesangskaskaden gepaart mit dieser unbändigen dunklen Energie! Einfach nur erhaben, und sonst in dieser Intensität allerhöchstens bei MY DYING BRIDE zu hören. „Devil’s At The Door“ aber zum Beispiel beweist, dass die Band auch noch in härtere Gefilde vorzudringen vermag, der Song ist ein perfektes Beispiel für die gekonnte Balance zwischen dem Gefühl und dem Brachial.  Das wunderschöne, getragene „The Recalcitrant Protagonist“ schlägt fast schon ein wenig Richtung PARADISE LOST aus, umschifft deren Hang zum Kommerz aber gekonnt - hier kommt das geballte musikalische Potential der neuen Besetzung zur Gänze zu tragen, in wunderbaren Melodiebögen, nie aufdringlich und trotzdem immer genau unter die Haut. Und zu allem Überfluss kann James auch wirklich singen! Auch in kürzere Tracks wie „The Cave Of Dreams“ schafft es die Band, mannigfaltige Stimmungswechsel einzustreuen, und die Story trotz eines immer erkennbaren roten Fadens niemals auf eine Seite kippen zu lassen.

Bei „Cult Of The Shining Stars“ nähern sich die Norweger dann noch ein wenig den Finsterfürsten von MOONSPELL an, was aber durchaus als positiv gewertet werden darf. Der abschließende Vierfachschlag aus sieben- bis zwölfminütigen Longtracks, bei dem neben dem intensiven Kracher „Towards The Black Surreal“ vor allem der ambient-artige Hypnosetrack „Transmission KRS“ heraussticht, bei dem kaum gesungen wird und der sich langsam in ein grandioses Crescendo steigert, ist nochmal eine Sache für sich. Hier übertreffen IN THE WOODS… dann nochmal sämtliche eh schon längst erfüllten Erwartungen und hinterlassen den verdutzten Hörer mit Tränen in den Augen und Gänsen auf der Haut. Die schönen zweistimmigen Leads von „This Dark Dream“ und das grenzgeniale Finale „Mystery Of The Constellations“ tun dann noch ihr übriges, um die Überraschung „Pure“ rundum perfekt zu machen.

Bleibt neben der enormen Spielzeit von knapp 70 Minuten noch die äußerst gelungene Produktion zu erwähnen, die glasklar und transparent ist, gleichzeitig episch breit und extrem dicht. Die Gitarren rattern so schön, und die hübschen Synthie-Flächen tragen einen einfach davon. Auch das Artwork ist gelungen und passt sich der Stimmung des Albums optimal an. Es ist fein, die Burschen zurück zu haben. Und irgendwie scheint es am Ende auch, als wären sie nie weg gewesen.

 

Hier könnt ihr übrigens unser Interview sehen, das wir mit IN THE WOODS... vor ihrem Wien-Gig im August geführt haben!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (17.09.2016)

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