DARKWELL - Moloch

Artikel-Bild
VÖ: 23.09.2016
Bandinfo: DARKWELL
Genre: Gothic Metal
Label: Massacre Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

DARKWELL, von jeher umstritten (siehe dazu auch das Review vom 2004er Album "Metat(r)on"), beehren uns nach zwölfjähriger (!) Schaffenspause mit einem neuen Album. Wer möchte da nicht – ganz in der Tradition des beliebten österreichischen Volkssports "Landsleute-Bashen" (beim Fußball sind wir ja bekanntermaßen nur Mittelmaß) – einen Verriss schreiben? Freudig hat Mr. Critical diese ehrbare Mission für Stormbringer übernommen.

Doch gleich vorneweg: Geht es nach dem Captain, so gehört DARKWELLs Debut-Album "Suspiria" (2000) zu den absoluten Klassikern des Gothic Metal-Genres. Die heimelige, melancholische Düsternis dieses Albums haben nur wenige erreicht, auch DARKWELL selbst ist dies nie mehr gelungen. Aber Schwamm drüber, viel interessanter ist bekanntlich die Gegenwart, und in dieser hat sich Alexandra Pittracher wieder beim Innsbrucker Quintett eingefunden (nachdem sie 2003 ausgestiegen war, wurde "Metat(r)on" von Stephanie Luzie eingesungen, was wahrlich keine Verbesserung darstellte). Die Tiroler Drum-Legende Moritz Neuner ist zwar nicht mehr dabei, doch der Stamm der Band ist gleichgeblieben. Was erwartet uns also auf "Moloch"? Ein Back-to-the-roots-Trip oder vielleicht doch eine Reise zu neuen Ufern? Wird es der geplante Verriss oder doch eine Offenbarung?

 

Dem Opener und Titelsong nach wird’s eher ein Back-to-the-roots-Trip, natürlich mit zeitgemäßer Produktion. Nicht schlecht, aber leider etwas drucklos und daher kein idealer Einstieg. Weiter geht es im Namen der Schlange – "In Nomine Serpentis". Und da sind sie, die alten Stärken von DARKWELL: Melodien voll Melancholie, wunderschön mehrstimmige Gesangslinien und die richtige Power an den richtigen Stellen – natürlich mit Doublebass-Begleitung. Absolut catchy!

Mit "Yoshiwara" geht der Trip dann noch weiter zurück, nämlich nach Metropolis ins Jahr 1927 (die Reise ist verfilmt worden – siehe Videoclip unten). Für alle jene, denen der Clip gefällt: Yoshiwara war vom 17. bis zum 19. Jahrhundert das einzige lizenzierte Bordellviertel in der Hauptstadt Japans und ist auch der Name eines verruchten Etablissements im Buch und Film Metropolis, einem monumentalen Stummfilm des deutschen Expressionismus von Fritz Lang. Dieser Science-Fiction-Film war der erste seines Genres in Spielfilmlänge und gilt als eines der bedeutendsten Werke der Filmgeschichte. Da verbeugen wir uns doch gerne, z.B. mit den Klängen von "Bow Down". Coole Backing-Growls beim Ohrwurm-Refrain ziehen einen magisch in die Düsternis hinein. DARKWELL mögen es aber auch hell: "Im Lichte", der erste auf Deutsch gesungene Song der Band, besticht durch einem hervorragend gesungenen Kanon – wie allerdings soll das Alexandra live umsetzen? Live-tauglicher ist da schon "Golem", ein starker, melancholischer DARKWELL-Song, der auch auf "Suspiria" hätte stehen können. Im Gegensatz dazu hat der Closer des Albums eine sehr poppige Grundstimmung, und der Captain muss seinem Namen gerecht werden: Wie der Opener wieder eine ungünstige Positionierung, "Awakening" ist einfach zu drucklos, um am Ende einen starken bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Doch für all jene, die sich die limitierte Digipak-Version von "Moloch" zulegen, gibt es noch zwei starke Bonus-Tracks: eine Neufassung vom "Metat(r)on"-Song "Hope Unborn" sowie das coole FAITH NO MORE-Cover "Midlife Crisis".

 

Captain’s Fazit:

Mit "Moloch" sprudelt zwar nicht die wundervolle Düsternis von "Suspiria" aus dem DARKWELL heraus, doch zu einem Lichtquell sind die Tiroler beileibe auch nicht mutiert – das Album ist ein absolut gelungenes Comeback mit einigen sehr starken Songs (genauere Infos hierzu gibt's im Interview). Fans können bedenkenlos zugreifen und Freunde von Female-fronted Gothic Metal-Bands sollten auf jeden Fall ein Ohr (oder zwei) riskieren.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Captain Critical (22.09.2016)

WERBUNG: Uzziel
ANZEIGE
WERBUNG: AS I LAY DYING - Shaped By Fire
ANZEIGE