Saint Vitus - Live Vol. 2

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VÖ: 23.09.2016
Bandinfo: Saint Vitus
Genre: Doom Metal
Label: Season of Mist
Lineup  |  Trackliste

Die Doom-Pioniere SAINT VITUS sind angetreten, die jahrmillionenlang praktizierte Rotation des Erdballs zu verlangsamen, dieses Mal in Form von „Live Vol. 2“. Mit der zuletzt (2015) absolvierten Konzertreise hat vorliegender Livedreher allerdings nur bedingt zu tun. Zwar zockte die Tour die (um Drummer Henry Vasquez verstärkte) Kernmannschaft um Dave Chandler und Mark Adams, den Platz am Mikro übernahm dabei allerdings Altsänger Scott Reagers, der mit der Band das 84er Debut, „Hallow's Victim” (1985) und später “Die Healing” (1995) eindoomte und auf der „Return Of The Living Dead“-Tour nach ewigen Zeiten wieder den Frontmann der SloMo-Legende gab. Er hinterließ dabei wahrlich einen guten Eindruck, dennoch ist und bleibt Scott „Wino“ Weinrich (der offiziell aufgrund seiner Reunion-Verpflichtungen von THE OBSESSED nicht „On The Road“ verfügbar war) für die Mehrzahl der Doom-Jünger DER SAINT VITUS-Fronter. Wohl nicht umsonst wurde ein 2013er-Konzertmitschnitt aus dem luxemburgischen Esch-sur-Alzette mit Wino für dieses Livealbum auserwählt.

Vorliegendes Livealbum ist als direkter Nachfolger des 1990 erschienenen, ersten offiziellen Livedrehers zu sehen, der seinerzeit noch mit Ur-Drummer Armando Acosta (im Anfang der 90er legendären Circus Gammelsdorf) mitgeschnitten wurde. Logischerweise waren einige der Titel (legendäre VITUS-Klassiker wie „White Stallions“ oder „Dying Inside“ und die Hymne „Born Too Late“) bereits auf dem Live-Debut vertreten, sind aber schlichtweg State-Of-The-Art im Liveset der Kalifornier und werden naturgemäß wieder auf Tonträger gebannt. Bereichert um drei Tracks vom starken Reunion-Album „Lillie: F-65“ („Let Them Fall“, „The Bleeding Ground“ und „The Waste Of Time“) sowie seltener Gehörtem („Patra“ von „V“) sumpfen die Kult-Doomster ihr Set staubtrocken und behäbig, aber niemals langweilig oder blutleer herunter, man höre etwa das flotte „White Stallions“, wohingegen einem „Let Them Fall“ zermürbend in den Sog einer tiefen Sinnkrise hinabzieht.

Kult-Sixstringer Dave Chandler lässt seine Gitarre röhren, Basser Mark Adams den Viersaiter dröhnen, während Wino über alles sein kratziges Organ legt. Im authentisch-bauchigen, ohrenscheinlich unpolierten Soundkleid betört der Vierer mit behäbigen Lava-Schlurfern (etwa „Patra (Petra)“), weiß aber auch in beschwingterem Tempo („Look Behind You“) zu begeistern. Leider fehlen die gleichanmige Bandhymne oder „I Bleed Black“ - aber „Allen Menschen recht getan, ist ein Kunst, die niemand kann“, so entschied man sich stattdessen für das auch nicht schlechte BLACK FLAG-Cover „Thirsty And Miserable“. Insgesamt gibt es an „Vol. 2“ wenig zu mäkeln, außer dass ein Doppeldecker mit allen Standards der legendären Altherrenriege den Fans die volle Genugtuung gegönnt hätte und dem Schaffen der Doom-Dinosaurier gerechter worden wäre.

 

 



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (23.09.2016)

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