The Agonist - Five

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VÖ: 30.09.2016
Bandinfo: THE AGONIST
Genre: Melodic Death Metal
Label: Napalm Records
Lineup  |  Trackliste

Dass sich bei THE AGONIST nach dem Weggang der „hottest chick in metal”, der damaligen Fronterin Alyssa White-Gluz (seitdem bei ARCH ENEMY) musikalisch einiges ändern würde, lag auf der Hand. Zu unverwechselbar und alles überstrahlend war die Fronthexe Alyssa.

Mit Vicky Psarakis wurde jedoch bald Ersatz gefunden, auf „Eye Of Providence“ schlug sie sich beachtlich – auch die gute Vicky schaffte es, klaren Gesang mit derben Growls in einer Person zu vereinen. Damals zeigte sich auch schon in Ansätzen die Richtung an, die THE AGONIST auf dem aktuellen „Five“ (Preisfrage: das wievielte Album der Kanadier ist das?) einschlagen würden: zwar noch immer verwurzelt im modernen Melo-Death, aber mit stärkerer alternativ-rockiger Tendenz. Zum Großteil weg sind die nervös-prog-metallischen Elemente, die damals noch neu waren (damals war „Djent“ noch nicht einmal ein Wort).

Und THE AGONIST schaffen es, mit diesen unterschiedlichen Einflüssen gekonnt zu spielen. „Five“ fängt noch mit typischen Elementen der Frühzeit an, wie dem Wechsel zwischen ruhigen Momenten und treibendem Metal, vor allem „The Chain“ erinnert noch stark an „Lullabies For The Dormant Mind“ und erweitert das musikalische Spektrum noch um ARCH ENEMY-typische „rebellische“ Shouts. Auch gegen Ende des Albums ist der moderne Death-Anteil hoch (siehe die starken „The Resurrection“, „The Villain“ oder „The Pursuit Of Emptiness“). Am anderen Ende der musikalischen Bandbreite sind dann eher rockige Songs wie „The Game“ oder „The Ocean“. Und dann gibt es die Songs, die wie beim Vorgängeralbum beide Stile vereinen, so wie „The Anchor And The Sail“ oder „The Hunt“.

Wobei sich die Jungs (und das Mädel) anscheinend in allen Stilen wohl fühlen, wie man am symphonisch-instrumentalen „The Wake“ oder vor allem an der genialen Düster-Ballade „Raven Eyes“ merkt.

Und eines konnten THE AGONIST schon immer: sie haben ein echtes Händchen für eingängige Refrains. Das war schon bei „Once Only Imagined“ so und ist heute, fast zehn Jahre später, immer noch der Fall. Beste aktuelle Beispiele: „The Moment“, „The Ocean“, „The Raven Eyes“ oder auch „The Villain“. Was bei „Five” zusätzlich positiv auffällt, ist das starke Drumming von Simon McKay, der stellenweise an den grandiosen Willie Adler von LAMB OF GOD erinnert.

Ein paar kleine Nachteile sind aber auch zu vermerken: wie schon beim Vorgänger kommen die höheren Gesangspassagen nicht ganz so gut rüber, und auch die Coverversion von „Take Me To Church“ (glücklicherweise nur ein Bonustrack) braucht kein Mensch. Seichte Radiohits zu covern geht selten gut, es sei denn man heißt TEN MASKED MEN.

Insgesamt also wieder mal ein starkes Album von THE AGONIST, das gegenüber „Eye Of Providence“ knapp verliert. Denn nachdem sich dieses Album als extrem langlebig und im Nachhinein als zu gering bewertet herausgestellt hat (da hätten ganze fünf Punkte vergeben werden müssen. Böser Reviewer!), kommt „Five“ nicht ganz an die Höchstpunktezahl heran, kann aber zumindest schon aus der Nähe daran riechen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Luka (29.09.2016)

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