Sahg - Memento Mori

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VÖ: 23.09.2016
Bandinfo: Sahg
Genre: Doom Metal
Label: Indie Recordings
Lineup  |  Trackliste

Wenn sich das Schicksal manchmal dazu entscheidet, einer Band mal nicht so übel mitspielen zu wollen, können Line-Up-Wechsel hin und wieder tatsächlich auch einen positiven Anstrich erhalten. Genau so ist es um die Norweger SAHG geschehen, die schon weit vor dem aktuellen Retro-Hype Qualitätsware angefertigt und publiziert haben und somit auch ohne größere Promotion o.Ä. zu einer festen Autorität im psychedelischen Doom-/Stoner-Sektor avanciert sind. Mit den beiden Neueinsteigern Ole Walaunet (Gitarre) und Mads Lilletvedt (Drums) will das Quartett auf "Memento Mori" den Hörenden also gleichermaßen mit frischen Ideen und - natürlich - dem gewohnten Bandsound verzaubern und dem ohnehin starken "Delusions Of Grandeur" aus dem Jahre 2013 einen ebenbürtigen Nachfolger bescheren.

Und genau bei dessen Bereitwilligkeit, die üblichen Genregrenzen übersteigen und etwas Eigenständiges auffahren zu wollen, setzt auch das nunmehr fünfte Album von SAHG an, wofür alleine schon das abschließende "Blood Of Oceans" ein Musterbeispiel ist, weil es nicht nur zum ersten Mal in der Historie der Band norwegische Lyrics beinhaltet, sondern durch die Kooperation mit WARDRUNA bzw. Einar Selvik auch von einer besonderen, düsteren Pagan-Atmosphäre umwoben wird, die man in dieser Sparte wohl sonst eher nicht erwarten würde, durch den Überraschungsmoment und die Güte aber vollends aufgehen.

Rollen wir das Ganze aber trotzdem mal vorne, also beim mutigen weil unkonventionellen Opener "Black Unicorn" auf, dessen zunächst unscheinbare, aber durchaus fesselnde Gruppenarbeit aus Effekt-geladenen, flackernd-sphärischen Gitarren und hypnotischen Vocals sich mit einem großen, von gehörig bratenden Riffs unterstützten Refrain munter abwechselt und von abermals gereiftem Songwriting zeugt. Wie man in der Vergangenheit gelernt hat, können SAHG aber auch geradliniger komponieren und belegen das auch im rockigen "Devilspeed", das einen wieder mal wandlungsfähigen Olav Iversen in der Rolle des Veredlers präsentiert, der in den Strophen erst die Rockröhre und im Chorus dann die melodischere Klangfarbe inszeniert.

Dabei ist es aber nicht nur er, der naturgemäß heraussticht, sondern die gesamte musikalische Leistung und der typische Facettenreichtum, die bzw. der auf "Memento Mori" für Wohlgefallen sorgt. Da befährt man in "Take It To The Grave" die ruhigere Psychedelic-Rock-Schiene, auf der man auch ein paar Occult-Rock-Überbleibsel ausfindig machen kann, lässt in "Sanctimony" ein doomig-zähes Biest von der Kette oder bindet im Stoner-lastigen "Silence The Machines" auch mal dezent orientalische Vibes. Das ist nicht nur ungeheuer abwechslungsreich, sondern auch ungeheuer ausgebufft, wodurch man trotz der gehobenen Qualität hier und da etwas die Risikobereitschaft vermisst, die SAHG dafür aber komplett in das düster-balladeske "(Praise The) Electric Sun" gesteckt haben, das lediglich Cleangitarren, atmosphärische Keyboards und ätherischen Gesang benötigt, um sich sofort im Gehörgang einzunisten und sich als eines DER Highlights des Albums zu entpuppen, als solches man auch das direkt folgende "Travellers Of Space And Light" bezeichnen kann, das superb zwischen Rockattitüde und drogigen Ausflüchten hangelt.

Was bleibt, ist also ein durch und durch positiver Gesamteindruck von einer Band, die auf "Memento Mori" noch ein Stück erdiger und "erwachsener" zu Werke geht, sich aber gerne auch mal auf die eigene Abgeklärtheit verlässt. Das kann einen natürlich stören, muss es aber in Anbetracht vieler Songs voller Wiedererkennungswert und Vielschichtigkeit nicht wirklich, denn auch wenn SAHG hier selten volles Risiko gehen, ist "Memento Mori" insgesamt ein klanglich frischer und mehr als nur würdiger Nachfolger für "Delusions Of Grandeur", der durch seine bunte Mische immer noch genügend Entdeckungsspielraum anbietet und dabei zu keinem Zeitpunkt ziellos umherirrt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (25.09.2016)

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