ENCHIRIDION - The Realm of Blackened Perdition

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VÖ: 12.08.2016
Bandinfo: ENCHIRIDION
Genre: Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion
Lineup  |  Trackliste

Es waren einmal fünf Musiker, die sich trafen, um …wer hätte das gedacht: Musik zu machen. Im Gepäck: Virtuoses Können, ausgefeilte Rhythmik, ausgiebige und schnelle Melodielinien und ebensolches Riffing, dazu einen kräftigen Screamer an den Mikros. Kurzum: Melodic Death Metal. Wonach klingt das? Finnland? Nun, nicht ganz. Wir befinden uns in Franken (ja, ich sage absichtlich Franken und nicht Bayern… man nennt ja auch einen Tiroler nicht ungestraft Wiener). Das, was Enchiridion auf ihr Debüt-Album „The Realm Of Blackened Perdition“ knallen, treibt im Kern zwar im Fahrwasser von Genre-Mitstreitern Children of Bodom, Norther und Co. - dies soll nun allerdings nicht heißen, dass die fünf Virtuosen lediglich ein Abklatsch finnischer Klänge seien. Ganz und gar nicht. Auch, wenn sie dieselbe Richtung anstreben, klingt der Sound frisch und kraftvoll: ein neuer Stempel mit gewohnten Klangschattierungen. Führt man sich also ENCHIRIDION zu Gemüte, weiß man woran man ist, während man dann trotzdem wieder überrascht wird. Und dies alles auf hohem musikalischen und qualitativem Niveau. 

Begonnen wird die Scheibe mit dem episch-melancholischen Intro „Garden of Sin“, das gleichermaßen den Kontrast hervorhebt, wenn knapp zwei Minuten später die Post abgeht. Mit „Doomsday“ steigen ENCHIRIDION dann voll in ihr Element ein, werfen eingängige Riffs, eine kraftvolle Stimme, virtuose Melodien und mitreißenden Speed in den Ring. Der Song wird schließlich ausgezeichnet von einem fast schon neo-klassischen Intermezzo, derer es noch ein, zwei weitere auf der Scheibe gibt. „The Martyr“ drischt dann erst einmal alles in den Boden und stellt die hämmernden Drums den tragenden Melodien entgegen, bis sich alles zu einem Klanggewitter vereint. Diese Mischung wird über die ganze Scheibe hinweg beibehalten. Songs, die den Hörer vom ersten Notenschlag an packen, wie „Nevermore“, das rhythmisch mitreißt und unweigerlich dazu zwingt, die Faust zu ballen. Brachial-Hymnen wie „Absent-Minded“, in welcher die Stimmlage mal eben bis in die Fußsohlen sackt oder schließlich Melodic-Riffs, die sich im Gehirn festklammern wie beim Titelgeber „The Realm Of Blackened Perdition“. „Heavy Rain“ fügt sich fast schon unscheinbar in die Riege der bisher erwähnten Stilmittel ein, obwohl das „unscheinbar“ auf sehr hohem Niveau verstanden werden muss. Mit „Resentful Reminisce“ blicken ENCHIRIDION nun ausnahmsweise doch durch den kristallklaren Keyboard-Sound in die Richtung bekannter Genre-Kollegen, doch erneut bleibt jegliche Eigenständigkeit unweigerlich erhalten. Der Schock über „Fallen Eden“ beim ersten Durchhören löste sich schließlich dann auch in Wohlgefallen auf. Erst dachte meinereiner an eine Ballade: schön arrangiert zwar, dennoch kennt so mancher mittlerweile meine zwiegespaltene Meinung über alles, das unter 120 bpm liegt. Schnell wurde aber klar, dass es sich hierbei um ein kleines Intermezzo handelt, das nicht nur durch den melancholisch-schönen Aufbau besticht, sondern auch dadurch, dass sich die Herren ENCHIRIDION hier an einem Dreiertakt (bzw 6/8) vergriffen haben, was schon wieder sehr spannend klingt, weil selten geworden. Musikanalyse beiseite, es warten noch immer Songs, die gehört werden wollen. „Aeon“ nimmt etwas Tempo zurück, beeindruckt aber durch Tempowechsel und eingängige Melodien, und schließlich verabschieden sich ENCHIRIDION mit „The Distress and the Cure“ und werfen noch einmal alles in einen Topf, rühren kräftig um und kleckern ihre musikalischen Ergüsse überallhin. Die Flecken, die zwischen Gehörgang und Gehirn hängen bleiben, gehen nie wieder raus!

Auf „The Realm Of Blackened Perdition“ gibt es zwölf speedige und mit ordentlich Melodie angereicherte Melodic Death-Hämmer auf die Ohren.. ENCHIRIDION schaffen es, durch lückenlose Eigenständigkeit zu überzeugen. Die Herren aus Franken geizen nicht mit gezielten und virtuosen Stilmitteln und zeigen nicht nur ihr individuelles Können an den Instrumenten, sondern auch, dass sie durchwegs wissen, die einzelnen Muster zu einem großartigen Gesamtgefüge zusammenzulöten. „The Realm Of Blackened Perdition“ stellt eine absolute Demonstration aus Macht und Können dar und zwingt mich leider, doch noch einmal volle Punktezahl zu vergeben. 

 



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (02.10.2016)

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