HAMMERSCHMITT - Still On Fire

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VÖ: 26.08.2016
Bandinfo: Hammerschmitt
Genre: Hard Rock
Label: Massacre Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Mit manchen Bands ist es wie mit dem Paarungsverhalten von Nacktmullen – man weiß zwar, dass es existiert, aber genaugenommen weiß man gar nichts darüber. Es sei denn, man beackert ein besonderes Interessensgebiet, dann ist die Chance hoch etwas darüber zu erfahren. So oder so ähnlich könnte man das auch auf HAMMERSCHMITT umlegen, die dem Vertreter der Gattung gemeiner Stormbringer-Schreiberling am Runen der Nacht Festival unversehens in die ausgelegte Radarfalle stolperten. Zugegeben, dieses Herumgeschwurbel von Nacktmullen und so (und fragt mich jetzt bitte nicht, wie ich darauf überhaupt erst gekommen bin!) ist schon ein wenig arg platt und bemüht, aber "Still On Fire" entschädigt dafür. Versprochen.

Die nicht mehr ganz taufrische, fünfköpfige Truppe startete mit deutschen Lyrics im NDH-Bereich und schwenkte zwischenzeitlich auf eher klassischen Rock/Metal und englischsprachige Texte um. Eine Entwicklung, die, wie man zugeben muss, in ihrem Falle wirklich nicht die schlechteste war. So präsentiert sich "Still On Fire" als äußerst mitreißendes Hard Rock- bis klassisches Heavy Metal-Album, das stilistisch irgendwo in der Ecke bei MÖTLEY CRÜE und ALICE COOPER eingeordnet werden kann. Um etwaige Verwirrungen hinsichtlich der Diskografie auszuschließen sei auch noch erwähnt, dass das vorliegende Album bereits im Februar des Jahres in Eigenregie unter dem Titel "United" mit (farblich) leicht verändertem Cover auf den Markt geworfen wurde. Auch die Titelreihenfolge wurde auf dem nunmehr via Massacre Records erschienenen neuen Rundling ein klein wenig verändert, die Songs selbst sind ansonsten aber dieselben.

Was HAMMERSCHMITT dem Hörer kredenzen ist mit Vorwissen über die stilistischen Ursprünge der Band dann durchaus überraschend – aber haut dabei auch so richtig rein. Hard Rock mit phasenweiser Schlagseite in den Heavy Metal bzw. die NWoBHM, mit knackigen Riffs, starken Refrains und einer Portion Stadion-Epik. Dabei bewegt man sich durchaus einmal im Fahrwasser des KISS-Bombasts wie im mächtigen "Rock Steady", oder liebäugelt mit stampfenden Sunset-Strip-Melodien wie in "Shout". Ohrwürmer wie "Metalheadz", der Titeltrack "Still On Fire" oder "Mean Streak" scheinen wie prädestiniert für die Live-Situation, und man kann direkt schon die in die Höhe gereckten Fäuste der mitgrölenden Besucher vor dem inneren Auge sehen. Etwas sanftere Töne schlagen HAMMERSCHMITT bei "Crazy World" an, das gesanglich prägnant einher kommt, auf allzu weinerliches Genöle verzichtet und sich damit als bockstarker Titel entpuppt, der dem zweifelhaften Attribut "Quotenballade" fern bleibt. Hier werden die Feuerzeuge ausgepackt!

Die starke Trackliste erweitert man dann auch noch um zwei Coverversionen – in der Mitte des Albums wurde THE CRANBERRIES' "Zombie" eingepflanzt, das als äußerst gelungen bewertet werden darf, sich nahe ans Original hält und durch die angenehme Stimmcouleur sehr eindringlich wirkt. Vermutet man hinter "Killed By Death" zunächst ein MOTÖRHEAD-Cover, so wird man von dem getragen arrangierten, balladesken Song eines Anderen belehrt – oder ist das etwa doch...? Nachforschungen beweisen, dass hier tatsächlich der Klassiker in sanfter, sehr emotionaler Form umarrangiert wurde, sodass der Song (in positivem Sinne) kaum noch wiederzuerkennen ist und am ehesten an Glanztaten von Onkel ALICE COOPER erinnert.

Mit "Still On Fire" haben HAMMERSCHMITT ein verdammt starkes Album am Start, dessen Songs durchwegs starke Live-Kracher sind, die das Publikum ordentlich auf Touren bringen dürften. Aber auch auf Konserve fährt das Liedgut der Fünf ganz ordentlich ein, woran der knackig-fette Mix von Mario Lochert aus den Dreamsound Studios nicht ganz unbeteiligt ist. Wenn man mit den im Verlaufe dieses Reviews genannten Bands etwas anfangen kann, dann sollte man sich auch dringend einmal mit HAMMERSCHMITT auseinandersetzen – denn wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah...?



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (09.10.2016)

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