Krylithsic - Beast Of The Northern Hemisphere

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VÖ: 00.07.2016
Bandinfo: KRYLITHSIC
Genre: Deathcore
Label: Eigenproduktion
Lineup  |  Trackliste

KRYLITHSIC sind derbe harte Kerle. Das denken sie jedenfalls offensichtlich von sich selbst, wenn sie ein „straight-in-our-face“-Review fordern und behaupten, mit schonungsloser Ehrlichkeit umgehen zu können. Knallharte Coolness? Scheißegal-Einstellung? Oder doch allzu sehr von ihrer EP „Beast Of The Northern Hemisphere“ überzeugt?

 

Ich mache mich also in einem verranzten Kellerraum des Redaktionslofts bei flackernden Neonröhren und beißendem Todesgeruch daran, dieses angebliche Beast auf ein rostiges Feldbett zu schnallen, um es mit einem halbscharfen Skalpell zu sezieren. „Sick Death Metal“ und „Brutal Deathcore“ werden mir versprochen und Floskeln wie „Keine Kompromisse!“ und „In your f*cking face!“ aufgetischt. Ja, ja, alles schon viel zu oft gehört. Ich glaube nur noch, was ich selbst höre und drücke leicht schmunzelnd die Klinge durch die fahle Haut meines Patienten, sodass dunkles Blut hervorquellt – dick wie Ölfarben auf einer schreienden Leinwand.

 

„Monstrous inventions of narcissistic incest“

 

KRYLITHSIC schreien dunkel, growlen hässliche Fetzen einer grausam entstellten Seele aus ihrer monströsen Lunge. Texte, die manchen Black-Metaller im nordnorwegischen Wald-Exil weinend nach seiner Mami verlangen lassen. Gefärbt von einem konturlosen Hass, der gewöhnliche Misanthropie zur handzahmen Atempause degradiert. Die Musik dazu orientiert sich am modernen Deathcore, fügt dem Genre aber deutlich überdurchschnittliche Komplexität zu und greift nicht zuletzt durch die Verknüpfung mit dem Gesang und dessen Inhalt schwungvoll in die Death-Metal-Kiste. KRYLITHSIC drohen deathcore-typisch Gewalt an und ziehen sie death-metal-gerecht durch.

 

„Nobody can do that to themselves!“

 

Zusammengehalten wird das „Beast Of The Northern Hemisphere“ von hervorragend produzierten Skits, die den Horror der Lyrics in eine grauenvolle Geschichte von unmenschlicher Gewalt an Körper und Psyche einbinden. Doch wo andere indizierungswürdige Ab-18-Gore-Thriller die Angst des Konsumenten auf den Moment der Qual, den Schrecken der Szene legen, klagen KRYLITHSIC in ihren Texten darüber hinaus die perversen Unmenschlichkeiten unserer kaputten Welt direkt an.

 

Die EP liegt nun vor mir in einer schwarzen Lache von Blut, zuckt nur noch leicht und gibt keinen Laut mehr von sich, während ich das Werkzeug reinige. Was für ein Monster das ist, dieses „Beast Of The Northern Hemisphere“! Wer seine Core-Musik gern akkordarm und eingängig mag, kann getrost weghören, und wer seinem Death Metal keine moderne Weiterentwicklung wünscht, darf mit seiner Trveness spielen gehen. Wer allerdings genau das mag, die Sickness, die Brutalität, die einzigartige Komposition von starkem Deathcore und modernem Death Metal, die gewaltige Präzision, mit der dieses kleine Meisterwerk in die Musikwelt hineingeprügelt wurde, drückt – wie ich – auch nach dem hundertsten Durchlauf wieder auf Play und hofft darauf, dass KRYLITHSIC auf genau diesem Weg weitermachen. Please!



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Jazz Styx (06.10.2016)

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