IN MOURNING - Afterglow

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VÖ: 20.05.2016
Bandinfo: IN MOURNING
Genre: Progressive Death Metal
Label: Agonia Records
Lineup  |  Trackliste

Was macht eine Band, wenn sie sich selbst einem Genre entwachsen fühlt? Manch eine Band probiert ganz munter ein anderes (Sub-)Genre aus und erntet dafür Kritik. Andere Musiker schielen in Richtung Progressivität und erfreuen sich an komplexeren Songstrukturen, die aber oft nur ihnen selbst und einigen Mitmusikern Spaß machen. In jedem Fall ist diese Veränderung damit verbunden, dass man sich als Fan vor den Kopf gestoßen fühlt.

Was dies mit den Schweden von IN MOURNING zu tun hat? Ganz einfach, die Band hat sich verändert. Der Death Metal von IN MOURNING war nie pures Geprügel. Atmosphäre und Melodie waren immer schon Faktoren, die die Band gerne einfließen ließ. Doch “Afterglow“ ist viel progressiver geworden als dem typischen Death Metal-Fan lieb sein wird. Auch mich als Rezensenten stellt diese Veröffentlichung vor eine schwierige Aufgabe. Was soll man hier bewerten? Die musikalischen Fähigkeiten der Band? Das Songwriting? Oder die Tauglichkeit für das vermeintliche Zielpublikum? Wenn man sich nicht entscheiden kann, dann sollte man sich allen Punkten widmen.

Was kann die Band? Die Antwort: So einiges. Die Musiker sind diesen Weg vermutlich auch deshalb gegangen, weil sie selbst neue Herausforderungen suchen. Was man zum Beispiel bei “Ashen Crown“ oder “The Call To Orion“ leistet, sollte respektiert werden. IN MOURNING zählen bezüglich ihrer musikalischen Fähigkeiten sicherlich nicht zu den Schlechtesten ihrer Zunft.

Wie stark sind die Songs? Licht und Schatten. Das Songwriting ist immer bemüht und in den besten Momenten auch sehr stark. Doch wie immer bei komplexeren Arrangements ist das eine Gratwanderung, die immer wieder in eines der Extreme kippt. So klingt zum Beispiel “The Grinning Mist“ wie ein Bastard aus KATATONIA, OPETH und Death Metal. Soll heißen: Vielseitig, episch, melancholisch, düster und zugleich aber auch etwas schwer fassbar. Das Songwriting pendelt demnach zwischen "sehr gelungen" und „knapp, aber doch daneben“.

Welche Wirkung wird dies bei der Zielgruppe entfalten? Eine gute Frage, denn IN MOURNING erspielen sich hiermit endgültig eine neue Zielgruppe. Entwickelt man sich konstant weiter, könnte man die Band werden, die OPETH-Fans der alten Schule (also all jene, die mit dem Hippie-Prog der einstigen Prog Death-Heroen nicht zurechtkommen) begeistert. Fans von melodischem Schwedentod a la DARK TRANQUILLITY werden mit “Afterglow“ aber wohl nur bedingt warm werden. Demnach wird die frühere Zielgruppe mit der Komplexität und den ausladenden Songstrukturen kaum zu erfreuen sein.

Die Zeit ist reif, ein Fazit zu ziehen. Und jenes kann nur lauten, dass “Afterglow“ ein ambitioniertes, durchaus kreatives und qualitativ nicht zu verachtendes Übergangsalbum geworden ist. IN MOURNING haben das Potenzial, in ganz große Fußstapfen zu treten. Einzig und allein die Tatsache, dass manches auf “Afterglow“ noch nicht so funktioniert wie bei den Genregrößen, mindert die Freude etwas. Ab und an nimmt man sich zu viel vor und will Monumentales erschaffen. Die fünf Schweden haben das Zeug dazu, doch “Afterglow“ schließt noch nicht zu “Deliverance“ und anderen Klassikern aus dem Hause OPETH auf. Fühlt man sich weder von Komplexität noch von Death Metal-Elementen abgeschreckt, kann man trotzdem ein Ohr riskieren.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: El Greco (22.10.2016)

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