LIFE'S DECEMBER - Fatigue

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VÖ: 14.10.2016
Bandinfo: LIFE'S DECEMBER
Genre: Deathcore
Label: Eigenproduktion
Lineup  |  Trackliste

 Man nehme:

  • 200ml Deathcore
  • 100g Slam
  • Eine Prise Black Metal
  • Ein Tütchen Dubstep
  • Eine Messerspitze zerbröselten Djent


All dies gebe man nun in den speziellen Schlecht-produziert-Mixer, schreddere es bis zur Unkenntlichkeit und werfe es der eingefleischten Deathcore Community zum Fraß vor. Genau das ist „Fatigue“ von LIFE’S DECEMBER. Das zweite Album der Schweizer wird (das prophezeie ich an dieser Stelle ganz dreist) auf vernichtende Kritiken stoßen. Aber zu Recht?

„Fatigue“ kommt mit insgesamt zwölf Tracks und einer stattlichen Laufzeit von über 60 Minuten, von denen der Rausschmeißer „O Dulce Nomen Obitus“ aber schon knapp 22 Minuten ausmacht. Ohne mich mit einzelnen Songbesprechungen aufzuhalten (die sowieso recht monoton ausfallen würden), komme ich sofort zur eigentlichen Frage, warum „Fatigue“ zum Scheitern verurteilt ist. Abgesehen vom Offensichtlichen, nämlich der ABGRUNDSCHLECHTEN Soundqualität der Vocals, ganz besonders im Intro (wirklich, das ist ein neues Level von schlecht), findet sich zunächst nicht viel am Gesamtkonzept auszusetzen. Gut, bei dem bisschen Dubstep dürften sich die Geister scheiden. Und bei den gewöhnungsbedürftigen Djent-Einlagen. Oh, und natürlich auch beim komplexen Songwriting. Ach, bei den CHELSEA GRIN-artigen Effekten auch. Und fast hätte ich die Breakdowns aus dem Jahr 2007 vergessen. LIFE’S DECEMBERs Problem ist nicht, dass sie Nischenmusik produzieren, so wie beispielsweise die gerade erwähnten CHELSEA GRIN oder auch BLACK TONGUE, AVERSIONS CROWN, RINGS OF SATURN und CARNIFEX ihre eigene Sparte in der großen weiten Welt des Deathcore bedienen. Das Problem ist, dass LIFE’S DECEMBER ALLE Nischen bedienen. Die Schweizer Core-Kids haben wortwörtlich jedes einzelne Deathcore-Phänomen der letzten zehn Jahre genommen und in ihren Brei namens „Fatigue“ gematscht. Es ist nicht so zu verstehen, dass LIFE’S DECEMBER prinzipiell schlechte Musiker wären oder nur bei anderen Bands klauen würden, es ist nur so, dass jeder Deathcore-Purist sie am liebsten vergasen würde.

Zum Glück bin ich aber keiner von denen. Ich denke, dass LIFE’S DECEMBER mit einer besseren Produktion ein wirklich gutes Album hätten kreieren können. Selbst über das streckenweise ABGRUNDSCHLECHTE (habe ich das schon erwähnt?) Soundbild hätte man zumindest ein wenig hinwegsehen können, wenn „Fatigue“ denn innovativ wäre. Bestes Beispiel: „The Palpable Leprosy of Pollution“ von INFANT ANNIHILATOR. Klingt scheiße, läuft bei mir aber immer noch in Dauerschleife. Die Konkurrenz in einem Allerwelts-Genre wie Deathcore ist bekanntlich hart, und bisher sind LIFE’S DECEMBER nicht wirklich konkurrenzfähig. Trotzdem glaube ich, dass mit der Erfahrung schlussendlich auch die Weisheit kommt – deswegen freue ich mich schon auf kommende Releases. Hätten LIFE’S DECEMBER mehr auf den Stil ihrer ersten LP „Colder“ gesetzt (die auch etwas besser produziert war), hätte „Fatigue“ statt des diffusen Breis aus allem, was das Genre zu bieten hat, ein richtig nettes Brutal Deathcore-Album mit saftigem Downtempo-Einschlag werden können. Also: Back to basics und lernen sich zu beschränken und zu fokussieren, dann wird das vielleicht noch etwas.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (15.10.2016)

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