Darkthrone - Arctic Thunder

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VÖ: 14.10.2016
Bandinfo: Darkthrone
Genre: Black Metal
Label: Peaceville Records
Lineup  |  Trackliste

Die Bekanntgabe des Erscheinens eines neuen DARKTHRONE-Albums noch in diesem Jahr ließ die Fanhorden ungeduldig mit dem Ärschchen hin und her wetzen. Schließlich hängt man dem fast hündisch als Underground-Metalpapst verehrten Fenriz an den Lippen und was er mit seinem kongenialen Partner Nocturno einrumpelt, scheint ohnehin Gesetz zu sein. Meist auch zu Recht, schließlich standen die Norweger spätestens mit dem klirrenden 1992er Haßbatzen „A Blaze In The Northern Sky“ und deren Nachfolgern ganz an der Spitze der seinerzeit grassierenden nordischen Black Metal-Welle und genossen auch entsprechende Credibility. Doch prägten sie diese schwarze Bewegung nicht nur maßgeblich mit, sondern manövrierten sich unter der Rückbesinnung auf (angepunkte) Acts wie MOTÖRHEAD und Co. gleichzeitig elegant aus der selbst mitkreierten Black Metal-Einbahnstraße (wofür sie allerdings nicht nur Zuspruch ernteten). Über die Jahre wurde dieser „BlackPunk“ weiter kultiviert und inspirierte wiederum Massen von lärmenden Epigonen zumindest mit. Von der geglückten Integration klassischer Heavy Metal-Trademarks (man höre beispielhaft die Vocals auf „Valkyrie“ und „The Ones You Left Behind“) auf dem sehr gelungenen „The Underground Resistance“ (und dem „Leave No Cross Unturned“-„Hit“) noch ganz zu schweigen.

Mittlerweile waren in den letzten drei Jahren schon viele schwarze Monde aufgegangen, als das kuschelige Fotomotiv von „Arctic Thunder“ Unheilvolles ankündigte. Das geil-sägende „Tundra Leech“ markierte im Vorfeld einen perfekten Vorgeschmack auf den immerhin auch schon 17. DARKTHRONE-Dreher. Und der ist vergleichsweise konventionell geraten. Gylve „Fenriz“ Nagell und Ted „Nocturno Culto“ Skjellum halten sich an ihr funktionierendes Trademark-Konzept aus räudig-schnörkellosem Black n´RollPunkMetal und schrammeln acht Songs lang mit dem Charme der Marke „frisch aus dem modrigen Probekeller“. „Burial Bliss“ prescht geradeaus nach vorne und zeigt die beiden Protagonisten von ihrer punkigsten Seite. Einen Kontrapunkt setzt das doomig-schleppende „Boreal Fiends“ mit seinen rausgekotzten Vocals, „Throw Me Through The Marshes“ schlägt in eine ähnliche Kerbe. Das fett rockende „Inbred Vermin“ ist ebenfalls sehr gelungen, der Titeltrack hingegen schlägt zum Teil wieder die Brücke zum fast schon traditionellen Metal. Trotz den allgegenwärtigen, wieder giftigeren Vocals als zuletzt frisst sich „Deep Lake Tresspass“ dank der melodiösen Gitarrenarbeit und den gekonnt platzierten, schmissigen Tempovariationen sofort im Ohr fest.

“Arctic Thunder“ (der Albumtitel ist inspiriert von einer gleichnamigen wie obskuren norwegischen Achtziger-Metalband) rasiert und schrammt über alle fragile Blackgaze-Sensibelchen, antiquiert-elitäre Trvekvlter, pseudospirituelle Hipster-Schafherden und esoterisch-rituelle Waldgeister hinweg und präsentiert den staunenden Mündern einmal mehr die grimmig-garstige Fratze der wahren, zwischen der schnöden Realität (man erinnere sich an die - spätestens mit dem Bekanntwerden der regulären Profession von Fenriz als Postbote, Interview im Fenriz´schen Heim samt Wäscheständer im Hintergrund etc. – schon lange entzauberten Klischees von vermeintlicher Evilness), musikalischer Wichtigkeit und eskapistischer Naturverbundenheit pendelnden „Hiking Metal Punks“. Die schrulligen Norweger präsentieren einmal mehr ein morbides, grimmiges Manifest und setzen das Ganze soundmäßig roh, aber selbstbewusst nicht zu rumpelig oder übersteuert-abgeranzt in Szene und missionieren die Musikwelt mit „Arctic Thunder“ im Grunde mit über 30 Jahre altem Rumpel- und Schrammel-Proto-Black Metal-Kultwerk, das allerdings meisterlich in Szene gesetzt wird. DARKTHRONE sind den Originatoren CELTIC FROST/HELLHAMMER vom Grunde her näher denn je, man genieße etwa das garstige „The Wyoming Distance“.

DARKTHRONE gebührt mein tiefer Respekt für die Kunst, die Ohren der Fans auch nach einem Vierteljahrhundert noch mit hochqualitativem Output zu fluten, weiters für ihre Authentizität (u.a. aufgrund der Negation jeglicher Liveaktivitäten, um nicht -  des schnöden Mammons wegen - wie die hochverehrten EMPEROR im Tageslicht in Wacken ein „In The Nightside Eclipse“-Special-Set zu zocken) wie auch für ihre musikhistorische Relevanz als (gemeinsam mit MAYHEM, BURZUM oder IMMORTAL) genreprägende Mitinitiatoren der skandinavischen Black Metal-Welle der Neunziger und noch mehr für die Fähigkeit, sich aus selbst mitgezimmerten Sound-Sackgassen befreien zu können, sich zu häuten und sich (trotz eigentlich selbst gewählten, engen Rahmens) kreativ freizuspielen, ohne dabei auch nur einen Funken an Credibility oder Fanzuspruch einzubüßen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (15.10.2016)

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