I PREVAIL - Lifelines

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VÖ: 21.10.2016
Bandinfo: I PREVAIL
Genre: Post Hardcore
Label: Fearless Records
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Lineup  |  Trackliste

Frischer Wind im Post-Hardcore: I PREVAIL lassen ihr Debütalbum „Lifelines“ auf die Szene los und dürften auf offene Ohren stoßen. Denn der Sound, irgendwo in der Nähe von A DAY TO REMEMBER, geht gut nach vorne und klingt ganz und gar nicht wie der riesige Tsunami aus ASKING ALEXANDRIA-Nachzüglern und Trittbrettfahrern gegen Ende der 2000er, der dem Genre nicht unbedingt gut getan hat.

Der Vergleich zu A DAY TO REMEMBER (ADTR) fiel hier nicht grundlos, denn auch genau wie bei den großen Genrebrüdern reicht der Sound I PREVAILs auf „Lifelines“ vom Hardcorebrett mit Moshgarantie bis zur Pop-Punk Hymne. Aber im Gegensatz zu ADTR, die uns mit ihrem neusten Release „Bad Vibrations“ gerade noch eine mittelmäßige Wertung abringen konnten, machen die vier Jungs aus Michigan alles richtig: „Scars“ nimmt sich keine Zeit für ein großes Intro – schnell fügen sich moshbare Riffs, leichte elektronische Effekte, sehr angenehme Cleans und wirklich starke Screams zu einem hochwertigen Gesamtpaket zusammen. Dazu noch der Refrain mit Ohrwurmgarantie und es ist klar, in welche Richtung „Lifelines“ geht.
Allgemein zeigen sich I PREVAIL sehr geschickt im Bereich der Ohrwurmzucht, denn auch nach Tagen bekomme ich Songs wie „Scars“, „Stuck In Your Head“, „Lifelines“, „Come And Get It“, „Chaos“ oder „Pull The Plug“ einfach nicht aus dem Kopf. Da hier wirklich jeder einzelne Song absolut gut ist, werde ich mich im Folgenden auf die BESONDERS guten beschränken. Und da kann man sofort mit „Stuck In Your Head“ und auch „One More Time“ starten: Ich als überzeugter Pop-Punk Kritiker, der immer äußerst vorsichtig mit allem ist, was diesen schnulzig-weichgespülten Stempel trägt, kann diesem Genre-Manifest einfach nichts anlasten. Von der ersten Sekunde kommt hier gute Laune aus den Boxen und bringt das alte ADTR-Feeling zurück. Die Riffs sind simpel gehalten, aber passen absolut zu Cleansänger Brian Burkheiser, der hier einen großartigen Job macht. Auch der Titeltrack „Lifelines“ gibt das Gefühl, dass man es bei I PREVAIL nicht mit einer Band zu tun hat, die erst seit 2013 existiert und gerade ihr Debüt veröffentlicht, sondern mit routinierten Profis.
Die perfekte Waage aus Cleans und Screams macht hier einfach Spaß. „Come And Get It“, als zweithärtester Song, muss definitiv auch Erwähnung finden: Selten habe ich im Post-Hardcore Bands gehört, die durch reinen Groove und ohne zweckmäßige Doublebass-Eskapaden ein Gefühl von Härte vermitteln können – I PREVAIL schaffen es. Um bei härteren Songs zu bleiben muss ich zu „Already Dead“ kommen. Schon in den ersten Sekunden juckt es mich in den Beinen, mich in den nächstbesten Pit zu stürzen und alles auseinanderzunehmen; genauso im oldschooligen Finale, das aber vielleicht nicht jedem gefällt. Neben dieser Machtdemonstration finden aber mit „Alone“ und „My Heart I Surrender“ auch zwei Balladen Platz auf „Lifelines“, die überraschenderweise nicht überflüssig, sondern bewusst und bereichernd wirken.

I PREVAIL machen wirklich alles richtig. Gut produziert? Check! Ohrwurmrefrains bis zur Vergasung? Check! Unterhaltsames Songwriting? Check! An dieser Stelle tut es mir in der Seele für jeden Song weh, den ich nicht explizit genannt habe, denn es findet sich sage und schreibe kein einziger schlechter oder sogar durchschnittlicher Track auf „Lifelines“. Wenn Post-Hardcore jetzt so klingt, dann bin ich dabei. Mit Herz und Seele!



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (20.10.2016)

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