DRESCHER - Steinfeld

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VÖ: 18.11.2016
Bandinfo: DRESCHER
Genre: Thrash Metal
Label: Napalm Records
Lineup  |  Trackliste

Das „Steinfeld“ im südlichen Wiener Becken ist eine karge Gegend – geprägt vom pannonischen Klima mit heißen Sommern und bitterkalten Wintern, geologisch ausgezeichnet durch wasserdurchlässige Böden, welche die landwirtschaftliche Bewirtschaftung seit jeher erschwerten. So erlebte die Gegend erst im Zuge der industriellen Revolution eine Blütezeit, als sich die stahlverarbeitende Industrie und Spinnereien ansiedelten – der Grund dafür? Die bis heute geringen Grundstückspreise. Die bekannteste Attraktion ist wohl die Mitterndorfer-Senke, welche sich durch das größte Grundwasservorkommen Europas auszeichnet und heute der Bauindustrie zum Schotterabbau dient – wir sehen: Das „Steinfeld“ ist eine Traumdestination für jeden dem die Abgeschiedenheit norwegische Fjorde zu schwer in der Geldbörse liegt und die Einwohner zeigen sich auch als äußerst gastliche Gesellen. Diese treffen sich täglich in der Dorfkneipe, um mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und ihrem Lieblingsinstrument – der Quetschn - zu musizieren. Wenn die DRESCHER-Live-Musi aufspielt, dann trifft sich die gesamte Dorfprominenz, vom Maisbauern, Dorfpfarrer, Bürgermeister, Volksschuldirektor, Bankprokurator bis zum Rapsmillionär, um in Stammtischmanier über Gott, die Welt und eigentlich eh alles zu sinnieren. Und nach dem fünften Bier und dem dritten Schnaps wird man sentimental, denn den Bauern Sepp hat die Oide (für unsere deutschen Leser: Oide; umgangsprachlicher liebevoller Österreichischer Ausdruck für Frau/Lebensabschnittsgefährtin) verlassen und er weiß jetzt nicht so recht, wer ihm denn jetzt den Hobel bedient und noch viel wichtiger: Wie er denn sein Essen auf den Tisch bekommen soll? Der Kochtopf ist doch traditionell die Aufgabe des schwachen Geschlechts! Traurig blickt er in die Runde und bricht in Tränen aus, er will doch nur „Bissl A Glick“ und das beste wäre doch in seiner Sicht, er würd sich im Schlaf verabschieden von dieser irdischen Welt, die er ja schon lange nicht mehr versteht… Analogien zu „Tristan und Isolde“ sind unverkennbar  - WAGNERsche Dramatik in der Eintönigkeit Niederösterreichischer Weiten!

Mitfühlend sind seine Trinkkumpane – der braucht nur etwas „Adrenalin“ und dann kommt er schon weg über seine Verflossene, hätt er doch nur nicht die am letzten Dorffest seine alte Jugendliebe in den Heustadl entführt – naja gebts ihm mal drei Marillen und a Hülsen (für die Teutonen: drei Marillenschnäpse und eine Flasche Bier), dann kommt er schon wieder auf andere Gedanken und andere Mütter haben doch auch schöne Töchter… Da sauft man sich die Laune schon noch an, doch der Sepp ist ganz „Unten“ angekommen – alle treten auf ihn drauf, ja gemein sind doch seine alten Saufgefährten, die ihn nicht von seiner Schnapsidee abgehalten haben. Aber wenn du ganz unten angekommen bist, dann geht es doch nur mehr bergauf, so meint doch der Dorfpfarrer und selbst die „Guade Oide Zeit“, ja damals als das Geld noch was wert war und man selbst noch stark und frei war, nicht gezwungen in gesellschaftlichen Zwängen und die Oide mit dem Teppichklopfer im Nacken, war doch auch nur ein Stadium der Entwicklung – auf die Pappen muast fallen, damit wieder aufstehst, nur des macht die hart! Steht ja auch so irgendwo in der Bibel, zumindest das mit der zweiten Backe – der Predigt des geheiligten zu entgehen bestellt man sich die nächste Runde und der Sepp versinkt noch tiefer in seiner Melancholie – es sollt doch einfach nur der „Regen“ kommen, ein Steinfelder-Tornado (Anm.: Ja, das gibts dort von Zeit zu Zeit wirklich!) und alles wegputzen. Der Maisbauer Franz versucht dem Sepp doch Mut zu machen: „Is ja wurscht, gemma heit no oan aufgiaßen und dann ins Puff!“. Da brennt dem schon ferngesteuerten doch die Sicherung durch und der Franz kassiert eine Grade ins Gesicht – je „Es Reignt Bluat“! Richtig erkannt, auch SLAYER sind in der niederösterreichischen Provinz ein Begriff – aber „Olles Ok“, so Watschen hebt man unter echten Freunden schon aus. Da spürt man doch, dass man noch am Leben ist – „Endlich Leben“, ja in vollen Zügen, nichts mehr auslassen, des will der Sepp jetzt. Aber den Wappler, der seiner Ex-Oide alles gesteckt hat, den paniert er noch so richtig die Fresse – da rutscht es dem Franz in seiner Fetten raus: „Weast mi decht nit ostechen, wegen sowas Seppl?“ „I Will Di Ausbliaten Sehen!“ – die Hülsen fliegt durchs Lokal, der Tisch, der ist zerschmetter, der Sepp und der Franz gehen sich an die Gurgel. Des Bluat, des fliaßt und da is koaner mehr a Held… Ja, „Der Held“ eigentlich fürchtet er sich vor da Welt!

„DRESCHER“ packen zusammen und verlassen das Lokal, denn finsterer ist es geworden, dunkler als noch zur „Erntezeit“ (zur Feldarbeit und dem Stammtisch-Gespräch mit Bauer Seidlinger ) – härter und rauer sind die Tage und das spiegelt sich direkt in „Steinfeld“ wieder. Die Quetschn verleiht dem Thrash ihre eindgültige Note, zwischen Provinz und großer Welt, welche die Zwänge der proviniziellen Gesellschaft in ein musikalischen Konzepzt gießt, dass sich entfalten wie die Marillen – nach der Intoxikation brennt es dir von unten herauf und vernebelt dir das Hirn. DRESCHER haben ihren eigenen Stil gefunden und weiterentwickelt – sie führen den typisch österreichischen Schmäh, die sarkastisch schwarzhumorig Betrachtung zusammen mit heimatlicher Folklore und vergessen dabei nie auf das Gesamtbild und ein Augenzwinkern in der lyrischen Aufbereitung ihrer Themen. So muss modernes Liedgut klingen, dass ein Gesamtheitliches Bild des österreichischen Mikrokosmos mit all seinen Eigenheiten abbildet und in die weite Metalwelt hinaustragen soll. Kurz um linguistisch präzisiert: Aussa mit die Tepf, heite gibts Nudeln! DRESCHER pudan enk, zum aphrodisierenden Thrash-Quetschnbeat, mitn Dreschflegel durch! Ungewöhnlich kernig, urig schmackhaft und doch modern Provokativ. Düster herb im Abgang, zwischen jungbäuerlicher Heustadlorgie und Metal-Stadionmesse  - „Steinfeld“ macht die Dirndl nass und Lederhosen hart!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Laichster (14.11.2016)

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