DIRKSCHNEIDER - LIVE – Back to the roots

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VÖ: 28.10.2016
Bandinfo: DIRKSCHNEIDER
Genre: Hard Rock
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

Geht man dieser Tage auf ein Konzert einer besonders angesagten, modernen Metalband, kämpft man sich wacker durch die nicht immer überragenden Sets von bis zu vier Vorbands, wird man mit einer 50-Minütigen Performance des Headliners belohnt, der sich, nach einem mehrminütigen programmierten Jubel, noch einen oder gar zwei Zugabe-Songs aus den Rippen schneidet. Pflichtschuldig wurde das Plansoll einer Stunde erfüllt, die Musiker, durchwegs noch im jugendlichen Alter mit einem Zweier vorne dran, schleichen verschwitzt von der Bühne, gelobend dass sie viel zu fertig sind, um noch weiterzuspielen – und das Publikum aus mehreren Tausend geht glücklich nach Hause, wissend die Show des Jahres gesehen zu haben. Wirklich?

Schnitt – wir blenden in eine Halle, die den vierstelligen Bereich nicht einmal erreicht. Inklusive des Headliners gibt es die magere Anzahl von nur drei Bands, in der Halle steht der Dunst, es tropft von der Decke, und auf der Bühne steht ein alter Knacker jenseits der 60, der dieses im Vergleich zu den Großevents geradezu lächerlich kleine Publikum zur wahren Ekstase treibt. Wo die Jungen und Frischen nach einem Stündchen von der klimatisierten Großbühne schleichen, reißt ein alter Knacker in schweißtreibender Atmosphäre eine mehr als zwei Stunden dauernde Show herunter und paniert die jungen Hüpfer nach allen Regeln der Kunst. Eine utopische Vorstellung? Ganz und gar nicht!

Der geneigte Metalhead wird es schon erahnen, dass die wortreiche, dramaturgisch aufgeblasene Einleitung nur auf einen Namen abzielen kann: Udo Dirkschneider. Dem runden 60er auch schon wieder einige Jährchen entwachsen tourt der unermüdliche und unkaputtbare „German Tank“ mit seiner charakteristischen Stimme noch immer kreuz und quer durch die Lande und liefert mit Spielzeiten von zwei bis zweieinhalb Stunden (je nach Redelaune und Publikumsinteraktion) Value for Money. Groß geworden mit ACCEPT, mit U.D.O. (mit denen er längst mehr Studioalben eingespielt hat als mit ACCEPT) längst selbst zur Institution des Teutonenstahls aufgestiegen, wollte er es unter dem schlichten Namen DIRKSCHNEIDER nun noch einmal wissen, ging „Back To The Roots“ und spielte mit seiner U.D.O.-Mannschaft die ACCEPT-Songs. Hatte sich in den vergangenen Jahren die Anzahl der ACCEPT-Klassiker in den Live-Sets von U.D.O. zusehends reduziert und offenbart, dass Udos eigene Band bereits selbst zuhauf Klassiker kreiert hat, verstummten doch die Rufe nach den ACCEPT-Hadern nicht vollends. So entschloss sich der German Tank dazu, noch einmal zu seinen Wurzeln zurückzukehren, ein komplettes Set voll von Klassikern zusammenzustellen und dieses dem Publikum als endgültigen Abschied von seiner ACCEPT-Vergangenheit noch einmal um die Ohren zu blasen.

Und was soll man sagen – es schlug ein wie eine Bombe. Die Shows erwiesen sich als so erfolgreich, dass ein Großteil der Konzerte restlos ausverkauft war und die Tour aufgrund des großen Erfolgs noch bis zum Ende des Jahres 2016 mit weiteren Terminen in den USA, Russland und Europa sowie etlichen Festivalauftritten verlängert wurde. Der Rezensent konnte sich in München, nur zwei Tage vor Aufzeichnung des nun vorliegenden Live-Dokuments „LIVE – Back To The Roots“, selbst ein Bild von DIRKSCHNEIDERs Topform machen. All das, die Energie, den Schweiß, den KULT bannt das mehr als zweistündige Livealbum perfekt auf CD und Langrille. „Midnight Mover“, „Head Over Heels“, „Princess Of The Dawn“, „Up To The Limit“, „Screaming For A Love-Bite“ – die Liste der Mitgrölsongs, die man nun in zeitgemäßem, fett produzierten Live-Sound auf die Lauscher bekommt, ist lang. Und dabei sind diese noch gar nicht die Über-Songs des Klassiker-Sets, denn im Zugabenblock lauern sie dann, die magischen ACCEPT-Momente, die Udo geprägt hat, die auf immer und ewig – trotz der durchwegs erfolgreichen ACCEPT-Reunion mit Mark Tornillo am Mikro und starken neuen Alben – untrennbar mit dem kleinen Mann und seiner Heliumstimme verbunden bleiben werden. Es geht nur noch Schlag auf Schlag, „Metal Heart“, „I'm A Rebel“, „Fast As A Shark“, keine Verschnaufpause, wenn die „Balls To The Wall“ geschmettert werden und zum Schluss mit „Burning“ das Kaminwerk (sic!) endgültig bis auf die Grundfesten niedergebrannt wird.

Jeder ACCEPT-Fan, jeder U.D.O.-Fan wird, ja MUSS dieses sehr wahrscheinlich einzigartige Dokument seiner Sammlung einverleiben. Udo Dirkschneider als Stimme der Kult-Gruppe ACCEPT hat den Heavy Metal geprägt wie nur wenige andere und mit seinem unnachahmlichen Gesangsstil Klassiker erschaffen, die noch lange Bestand haben werden. Wer Udo vorher nicht mochte, wird ihn auch nun nicht überraschend zu lieben lernen, doch darum geht es nicht einmal. Dass Udo nach den Erfolgen mit U.D.O. mit dem ewigen großen Schatten von ACCEPT abschließen möchte, ist verständlich – ebenso verständlich ist auch, dass er zum Abschied dem Publikum auch noch einmal gibt was es will. Einen Nachlass quasi, eine Sammlung der größten ACCEPT-Songs, in Stein gemeißelt für die Ewigkeit. DIRKSCHNEIDER „Live – Back To The Roots“ – einfach so bewerten kann man es nicht, man muss es erleben.

P.S.: Und wenn wir alle ganz fest die Daumen halten und Stoßgebete in den Metal-Olymp schicken, vielleicht gibt es irgendwann auch noch ein Bild zum Ton...?



Ohne Bewertung
Autor: Anthalerero (26.10.2016)

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