SERPENTINE DOMINION - Serpentine Dominion

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VÖ: 28.10.2016
Bandinfo: SERPENTINE DOMINION
Genre: Death Metal
Label: Metal Blade Records
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Yay, mal wieder eine Supergroup. Endlich! Ach, warte... da war doch was? Ganz ehrlich: Das liest sich immer so schön auf den Promozettelchen, wenn alle beteiligten Musiker mitsamt ihren Hauptbetätigungen und deren Erfolgen als ernsthafte Sales Arguments aufgezählt werden, als hätte das auch nur irgendeinen Einfluss auf das gemeinsam geformte Nebenprojekt. Meistens heißt das, dass es das auch schon mit der Herrlichkeit war und so ging's mir auch schon mit den völlig überhypten SINSAENUM, die vor kurzem ihr Debüt veröffentlicht haben. Ähnlich groß wie in diesem Fall war das Mediengeschrei auch bei SERPENTINE DOMINION, bei dem sich der Corpsegrinder, Adam von KILLSWITCH ENGAGE und ex-THE BLACK DAHLIA MURDER Schlagzeuger Shannon Lucas tummeln und in Kürze das selftitled Debütalbum auf die Metalszene loslassen. Die Frage auch hier: Braucht man das wirklich?

Die Antwort auch hier: Bedingt. Klar, 'ne fette Produktion und spielerisch wie auch gesanglich astrein vorgetragene Songs kriegt man auch auf "Serpentine Dominion" angeboten, aber wie so häufig fehlt es leider auch hier an wirklich zündenden Ideen, Langzeitwirkung und vor allem Mehrwert. Da sind mir dann auch die schon 26 Minuten, die man im Grindcore-/Powerviolence/Crust-Genre zurecht locker hinnimmt, viel zu wenig, zumal sich teilweise sehr stark der Eindruck eines musikalischen Schnellschusses ("Prelude") aufdrängt. Immerhin: SERPENTINE DOMINION agieren nicht immer als Abziehbild irgendeiner der drei Akteure Hauptbands, sondern auch mal wie ein Hybrid daraus. Besonders auffällig ist das vor allem beim Opener "The Vengeance In Me", der sich zwischen temporeichem Riffing und verspielten Soli der Kannibalenleiche sowie leichten Melodieeinflüssen der Marke KSE abspielt. Es ist also durchaus positiv zu vermerken, dass sich das Trio in einigen Stücken ungern festlegt und durch diese Genresprünge zumindest ein paar gute Songs wie das melodischere "Sovereign Hate" und den großartigen Rausschmeißer "This Endless War" fabriziert.

Hier und da merkt man aber auch, dass CANNIBAL CORPSE wohl einer der Haupteinflüsse beim Schreiben der Riffs waren, denn "On The Brink Of Devastation", "Divide, Conquer, Burn And Destroy" und "Jagged Cross Legions" könnten in ähnlicher Form (also ohne die eingestreuten Clean Vocals) wohl auch auf einem der letzten Alben der Florida-Death-Legende gestanden haben. Das ist per se zwar nicht wirklich schlecht, kann mir aber auch nicht mehr als einen Seufzer entlocken und bleibt erst recht nicht hängen. Schade ist mit diesem Hintergrund auch, dass Shannon Lucas so ein dermaßen grandioser Drummer ist, dass man ihn sich in einer Konstellation wie einst bei THE BLACK DAHLIA MURDER wünschen würde, denn auf "Serpentine Dominion" scheint seine Klasse dann nämlich doch ein wenig vergeudet. Das lässt sich aber eigentlich über alle drei Herren sagen.

Was ist also das Fazit? Ganz okay, eigentlich durchschnittlich. Man hat sich aufgrund der namhaften Besetzung und des Potenzials irgendwie mehr erhofft. Wie oben bereits gesagt: spielerisch und gesanglich gibt es im Prinzip wenig an diesem Debütalbum auszusetzen, aber kompositorisch ist "Serpentine Dominion" über weite Strecken einfach halbgar und auch nicht besonders originell, zumal erschwerend hinzu kommt, dass 2016 auch schon tonnenweise bessere Alben in diesem Sektor (z.B. ALLEGAEON) hervorgebracht hat, deren Beschau sich im Endeffekt deutlich mehr lohnt. Abschließend sei gesagt, dass es natürlich wichtig und völlig legitim ist, dass man sich als Musiker austoben bzw. das machen kann, woran man Spaß hat. Ob einem das als Fan dann auch gefällt, steht auf einem ganz anderen Papier. Mein Fall sind SERPENTINE DOMINION bislang jedenfalls noch nicht, aber wenn die Jungs Spaß daran haben, sei es ihnen selbstverständlich gegönnt, denn: von einem Verbrechen am Hörer kann man hier beim bestem Willen nun auch nicht sprechen.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (27.10.2016)

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