ROCK WOLVES - Rock Wolves

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VÖ: 28.10.2016
Bandinfo: ROCK WOLVES
Genre: Hard Rock
Label: SPV / Steamhammer
Lineup  |  Trackliste

Obwohl ein Debütalbum, handelt es sich bei den ROCK WOLVES bei weitem um keine Newcomerband, sondern um eine deutsche Supergroup, bestehend aus Herman Rarebell, Michael Voss und Stephan „Gudze“ Hinz. Sie als "drei der renommiertesten deutschen Rockmusiker der zurückliegenden 40 Jahre" zu bezeichnen, ist etwas übertrieben. Rarebell kennen Liebhaber des deutschen Hardrocks als Drummer der SCORPIONS, bei denen er sich von 1977 bis 1996 in ihrer kommerziell erfolgreichsten Phase einen Namen machte und auch als Songwriter bei einigen Songs mitwirkte ("He's a Woman – She's a Man", "Another Piece of Meat", "You Give Me All I Need", sind nur ein paar der Songs, bei denen er als Co-Autor oder Autor fungierte).

Gudze erlangte als Bassist von H-BLOCKX Bekanntheit, an denen man in den 1990ern und frühen 2000ern nicht vorbeikam. Während der Name bei manchen nostalgische Erinnerungen weckt, liegt anderen die Erinnerung an ihre Songs (besonders ihr größter Hit – eine Verwurstung des Johnny Cash Klassikers "Ring of Fire") noch schwer im Magen.

Mainstreamerfolg blieb Michael Voss bislang verwehrt, aber auch er ist kein unbeschriebenes Blatt. Seine Karriere startete 1982 als Sänger bei MAD MAX (die er 1987 verließ und mit denen er sich 1999 wieder vereinte), führte ihn aber auch zu einigen anderen zu wenig beachteten Bands, darunter CASANOVA und DEMON DRIVE. Zuletzt war Voss (der auch als Produzent des Albums fungierte) auch gemeinsam mit Rarebell bei Michael Schenkers TEMPLE OF ROCK tätig.

Das Album "Rock Wolves" ist als Download, CD Digipak sowie farbige Vinyl-LP (in ungewöhnlichem dirty white – sieht auf Bildern transparent, marmoriert Schmutzbrown aus) inkl. CD erhältlich.

Das Cover ist sehr simpel gestaltet, mit dem Text auf grauen Hintergrund, das W in blutrot, das sich aus den Spuren dreier Krallen zusammensetzt. Das ist zwar effektiv, aber nicht besonders originell und erinnert doch leider stark an einen gewissen Energy Drink.

Die offizielle Bio verspricht "klassische Rockmusik, melodisch, kraftvoll, modern, abwechslungsreich, mit wohltemperiertem Härtegrad und sicherem Gespür für griffige Hooks".

Nach dem ersten Hören des Albums scheinen zumindest einige dieser Versprechen erfüllt. Man hat es hier mit einem durchaus soliden, sehr melodischen, klassischen Rockalbum zu tun. Es ist ziemlich Midtempo- und Balladenlastig und es hinterlässt zunächst keinen bleibenden Eindruck. Lediglich wenige Songs stechen auf Anhieb heraus. Darunter der Opening-Track "Rock for the Nations", die bereits im September erschienene Singleauskopplung, die fetzigste Nummer auf dem Album. Die Ballade "What About Love?" kennt man in der Version von HEART, aber auch die etwas softere Adaption des Tracks von ROCK WOLVES hat ihre Reize und braucht den Vergleich nicht zu scheuen. Eine angenehme Überraschung ist auch der Bonustrack "Inside Out", da hier keine Resteverwertung stattfindet, sondern der Song durchaus mit den restlichen auf dem Album mithalten kann.

Bei wiederholtem Hören gewinnen auch die zunächst unauffälligeren Songs allmählich an Kontur. "Surrounded By Fools", geht zuerst als etwas ruhigere Nummer zwischen "Rock for the Nations" und "Out of Time" unter, ist aber einer der wenigen Songs auf dem Album, dessen Lyrics es wert sind, genauer hinzuhören. "Surrounded by Fools" ist als Warnung vor skrupellosen Politikern zu verstehen, und greift somit ein prinzipiell zeitloses Thema an, das aber im Licht der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA besondere Aktualität hat.

Songs wie die Ballade "Nothing's Gonna Bring Me Down" sind zwar nicht mehr als nett, aber nett ist immerhin schon mal nicht schlecht.

An H-BLOCKX erinnert das Album nicht, an die klassische Phase der SCORPIONS kann es natürlich auch nicht herankommen und TEMPLE OF ROCK ist es auch nicht, dazu fehlt Michael Schenkers Handschrift als Gitarrist. Es ist aber ein durchaus gelungenes, gefälliges Album von routinierten Musikern, leider mit ein paar kleinen Schwächen.

Ein bis zwei etwas härtere Songs im Stil von MAD MAX Nummern wie "Yours Sincerely/Shout and Cry", "Burning the Stage" oder "Dive Through The Sky" hätten dem Album gut getan, um den etwas monotonen Beigeschmack zu verhindern. Der Sound der Produktion ist etwas glatt (aber vielleicht ist es das, was man mit "modern" meinte), da hatte beispielsweise Herman Rarebells frühes Soloalbum "Nip in the Bud" deutlich mehr Ecken und Kanten und dadurch einen rauen Charme, den man heutzutage leider oft vermisst.

"Anstatt die Welt pausenlos mit Panzern und Waffen zu beliefern, sollten wir Deutschen lieber gute Rockmusik exportieren", so Rarebell zur Botschaft von "Rock for the Nations". Mit diesem Album ist man jedenfalls auf dem richtigen Weg, auch wenn es noch etwas Luft nach oben gibt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Brigitte Simon (11.11.2016)

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