DARK TRANQUILLITY - Atoma

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VÖ: 04.11.2016
Bandinfo: DARK TRANQUILLITY
Genre: Melodic Death Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

DARK TRANQUILLITY haben es wieder getan: Die schwedischen Melodic-Deathmetal Schwergewichte tun es ihren Genrebrüdern IN FLAMES gleich und veröffentlichen in diesem Jahr ein neues Album, genannt „Atoma“. Damit liegen sie mit Studioalbum Nummer elf immer noch ein Album hinter den eben genannten, das macht aber nichts, denn im Gegensatz zu IN FLAMES zeigen DARK TRANQUILLITY, wie tiefschwarz die Göteborger Schule des Deathmetal sein kann. Und an dieser Stelle muss ich mich als absoluten Neueinsteiger outen, der noch nie in direkten Kontakt mit DARK TRANQUILLITY kam und sich deswegen erst einmal durch die Musikgeschichte der Schweden querhören musste. Vielleicht wirkt der folgende Blick auf „Atoma" dem ein oder anderen Hardcorefan dadurch etwas zu naiv, aber was soll’s.

„Atoma“ umfasst insgesamt zwölf Songs, mit Bonustracks sind es 14. Besonders positiv ist mir sofort das Cover-Artwork ins Auge gesprungen, das durch die kühle Farbgebung und das Design zwischen H.P. Lovecraft und antiker Kunst absolut hängen bleibt. Als der erste Song „Encircled“ dann losbretterte war mir klar, dass es kein angemesseneres Cover hätte geben können. Tragende melancholische Riffs, untermalt mit apokalyptischen Synths und Keyboardmelodien und verfeinert mit Screams die genauso modernem Blackmetal entnommen sein könnten, werfen mich in diesen wunderschönen Abgrund namens „Atoma“. Mag dieser Vergleich zwar einigen als unangemessen erscheinen, aber „Encircled“ hat mehr gemein mit dem Opener des jüngsten CARNIFEX Releases „Slow Death“ („Dark Heart Ceremony“) als mit jedem Song der letzten zehn Jahre aus der Göteborger Schule (IN FLAMES, SOILWORK, DARK TRANQUILLITY, DEGRADEAD). Der Titeltrack „Atoma“ schlägt eine andere Richtung ein, ohne allerdings den roten Faden zu verlieren. Frontmann Mikael Stanne eröffnet hier den breiten Horizont von schneidenden Screams zu eingängigen und ruhigen Cleanvocals, die fast schon an TYPE O NEGATIVE erinnern, an den sich der ungewohnte Hörer (also ich) erst einmal gewöhnen muss. Tatsächlich legt „Atoma“ mit seinen vergleichsweise doch eher unbeschwerten Melodien eine Leichtigkeit an den Tag, die auf dem Rest des Albums nicht weiter vertreten ist. So finden sich beispielsweise Songs wie „Force Of Hand“ in der Sparte eines ‚blackened‘ AMON AMARTH wieder, während die Strophen von „Faithless By Default“ musikalisch aus der Feder der deutschen Darkmetaler EISREGEN stammen könnten. Besonders eindrucksvoll ist meiner Meinung nach zudem noch „Clearing Skies“, in dem sich, wenn man es denn so interpretieren will, die ein oder andere musikalische Referenz zur Genreverwandtschaft finden lässt. Allgemein scheinen DARK TRANQUILLITY mit „Atoma“ weniger ein spezifisches Genre zu bedienen als vielmehr ein bestimmtes Gefühl – und dabei bedienen sie sich der ganzen Bandbreite des ihnen zur Verfügung stehenden Repertoires aus Dunkelheit, ob nun aus Black- Death- oder sonstigem Metal. Dieses Konzept treiben sie in „Merciless Fate“ und „The Absolute“ auf die Spitze, und erschaffen damit auch meine persönlichen Highlights. Besonders letztgenanntes geht wirklich stark unter die Haut, wenn sich das langsame Tempo, die tiefe und atmosphärische Stimme Mikael Stannes, und die dunklen und verzerrten Keyboard-Backgrounds zu der Quintessenz von „Atoma“ synthetisieren, ohne dabei einen einzigen Scream zu verwenden.

DARK TRANQUILLTY haben mit „Atoma“ ein absolutes atmosphärisches Meisterwerk erschaffen, das weder auf revolutionäres Songwriting, noch auf Massentauglichkeit setzt. Die Band bedient sich einfachsten Melodien und vermittelt durch eine grandiose Inszenierung ein Gefühl, bei dem einem beim kühlen Herbstregen nach Sonnenuntergang der ein oder andere wohlige Schauer über den Rücken laufen kann.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (04.11.2016)

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