DOWNFALL OF GAIA - Atrophy

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VÖ: 11.11.2016
Bandinfo: DOWNFALL OF GAIA
Genre: Black Metal
Label: Metal Blade Records
Lineup  |  Trackliste

Der deutsche Black Metal war schon immer besonders. Besonders anders. Besonders vielschichtig und kreativ und, wenn man mal die üblichen Millionen an Skandinavien-Kopien, die eigentlich jedes Land sein Eigen nennen muss, außer Acht lässt, mit einer besonders hohenen Qualitätsdichte gesegnet. Vielleicht winken Puristen nun ab, aber eine Szene, die solch unterschiedliche und dennoch durch die Bank großartige Formationen wie NAGELFAR, EIS, AGRYPNIE, THE RUINS OF BEVERAST, DER WEG EINER FREIHEIT, ASCENSION oder auch SECRETS OF THE MOON vorzuweisen hat und hatte, braucht sich nicht vor dem internationalen Vergleich zu scheuen. Und es rücken immer wieder ambitionierte Projekte wie SUN WORSHIP oder auch DOWNFALL OF GAIA nach, die womöglich nicht die klassischsten Black-Metal-Bands im eigentlichen Sinne sind, das Genre aber mit ihren jeweiligen (unterschiedlichen) Deutungen des Stils um interessante, bedeutsame Nuancen erweitern.

Und während SUN WORSHIP bereits im Frühjahr mit "Pale Dawn" für sich werben konnten, publizieren DOWNFALL OF GAIA dieser Tage ihr viertes Werk namens "Atrophy", welchem die besonders schwere Aufgabe zuteil wird, auf das brillante "Aeon Unveils the Thrones of Decay" folgen zu müssen. Damit kann es offenbar aber sehr gut umgehen, denn "Brood", das nach einem kurzgehaltenen, verzerrten Intro unumwunden einen pechschwarzen Mahlstrohm heraufbeschwört, knüpft spielerisch wie auch atmosphärisch am Vorgänger an. Das heißt im Umkehrschluss natürlich auch, dass sich stilistisch relativ wenig verändert hat und man sich stattdessen darauf fokussiert hat, den endgültig für sich gefundenen Stil zu kultivieren. So lassen sich im Direktvergleich beispielsweise noch ein paar hervorragende, schlüssig eingebettete Melodiebögen mehr wahrnehmen ("Woe"), ansonsten werden aber bekannte Stärken be- und vertont.

Und die liegen vor allem in der Art des Vortrags an sich. Dieser intensive, drückende Klammergriff, den man von Sekunde eins an ansetzt und durch das treibende Schlagwerk sowie das fies produzierte Gitarrendickicht und die ordentlich hallenden Schreie geformt wird, ist einfach charakteristisch für diese moderne Art des Black Metal, die auch keine Einflüsse aus Post/Sludge Metal und Crust scheut und in dieser Form nur von den wenigsten so stark beherrscht wird. Im Kontrast zu einigen häufig gerne auch mal zu sehr in den sentimentalen Bereich abdriftenden Post-Black-Metal-Bands bleiben DOWNFALL OF GAIA nämlich, obschon sie ihrer künstlerischen und emotionalen Seite viel Raum gewähren, stets urwüchsig und aggressiv ("Atrophy", "Petrichor") oder erstreben zumindest ein perfekt austariertes Gleichgewicht ("Ephemerol I + II").

Das macht sie neben den Australiern HOPE DRONE, mit denen sie sich jüngst sogar auf gemeinsamer Tournee wiederfanden, zu einer der interessantesten, hoffnungsvollsten und gleichzeitig auch begnadetsten Bands, die das neuzeitliche Schwarzmetall-Genre wohl zu bieten hat. Puristisch ist dieser Typus sicherlich nicht, aber wer sich neben einer starken neuen DARKTHRONE auch mal ohne Gewissensbisse ein Album wie "Rheia" von OATHBREAKER in's Regal stellen kann (solche Leute soll's auch geben, ja), bzw. grundsätzlich damit umzugehen weiß, dass es neben zahlreichen (und zum Teil natürlich auch nicht minder schlechten!) Traditionsfürsprechern auch Bands gibt, die innerhalb einer Oberbegrifflichkeit wie dem Black Metal etwas Neues kreieren und weiterentwickeln wollen, ist bei "Atrophy" genau richtig. Roh und ungeschönt ist er dennoch, der Viertling von DOWNFALL OF GAIA. Mit zahlreichen nachdrücklichen Melodien, ungezügelter Wut und einer einmaligen-dichten und tiefschwarzen Atmosphäre.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (09.11.2016)

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