SPIRITUS MORTIS - The Year Is One

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VÖ: 11.11.2016
Bandinfo: Spiritus Mortis
Genre: Doom Metal
Label: Svart Records
Lineup  |  Trackliste

Stilsicher präsentieren sich die Finnen SPIRITUS MORTIS bei der Coverwahl ihres vierten Ablegers "The Year Is One", für das sie das berüchtigte Eismeer Caspar David Friedrichs ablichten haben lassen. Garniert mit traditionellem Doom Metal und der natürlich nicht fehlen dürfenden Lyrik um den lieben Tod, Okkultismus und Esoterik sorgt man zudem dafür, dass der Greifswalder Maler auch nach 176 Jahren Abstinenz nicht im Grabe rotieren muss. Für einen entspannten "Holiday In The Cemetery" haben die fünf toten Seelen (nehmt mir mein schäbiges Latein bitte nicht übel) aus Alavus nämlich ausreichend gesorgt. Bevor's aber an die Grabsteinpflege geht, streifen sich die Herrschaften um ex-REVEREND BIZARRE Legende Albert Witchfinder erstmal die Robe aus Ektoplasma über und schütteln die sich über die sieben Jahre seit "The God Behind The God" angestaut habende Staubschicht ab, die darauf ehrwürdig Platz genommen hat.

Dann steht erstmal eine bis auf eine Sekunde exakt vierminütige, teils doch recht epische Doom-Metal-Lehrstunde zum Warmwerden an, bevor man in "I Am A Name On Your Funeral Wreath" das Tempo völlig verschleppt. Es braucht ja auch seine Zeit, bis man das Friedhofsgesteck erstmal ausfindig gemacht hat, bevor man seine Namen so draufschummeln kann, dass es niemandem, aber auch wirklich niemandem auffällt. Auf unserem - das wissen wir mittlerweile ALLE! - scheibenförmigen Planeten gibt's für so ein gediegenes Begräbnis im Endeffekt aber halt auch genau nachgezählte, 1928681247068632125316235 schlechtere Sänger als den finnischen Witchfinder, der hier und auch an einigen anderen Stellen gesanglich gerne mal den deranged Storyteller verkörpert ("She Died A Virgin") und im Doom Metal nur sehr schwer wegzudenken ist. Seine übliche Schreierei spart er sich zudem.

Ansonsten bedienen SPIRITUS MORTIS in vielerlei Hinsicht hauptsächlich eben die klassischste aller Rezepturen, machen dabei thematische Abstecher zur Göttin Babalon und spannen sie beim Arbeiten aus, machen, wie schon erwähnt, mit Caspar David Friedrich (und dem Sohn Satans) ein bisschen Urlaub auf dem Friedhof (das Totenleben kann ja zuweilen auch anstrengend sein, weswegen ich einfach mal hoffe, dass sie gut behandelt werden) oder begeben sich gar in eine "World Of No Light" (man achte auf die fast schon virtuosen Schlussakkorde). Dabei springen acht durch und durch sehr gut komponierte Songs raus, die auf viel Schnickschnack verzichten und sich vollkommen auf ihren Sänger, die stets wuchtigen Riffwände und den atmosphärisch düsteren Unterbau verlassen.

Ganz ohne schwarze Magie und das berüchtigte weisse Puder ist "The Year Is One" also eine lohnende Platte für Fans von schnörkellosem Doom Metal mit Horrorstory-Ästhetik, die ihren Namen auch genau so verdient hat. Lässt man dem rundlichen Grabstein aus dem Hause SPIRITUS MORTIS seine Anlaufzeit, kriegt man eine wertige, knapp 55-minütige Ladung Verderben als Aufwandsentschädigung, die zwar völlig auf Überraschungen, weitestgehend auf Epik und meistens auch auf tieftraurige Gefühlsspielchen (wäre ja noch schöner, wenn Nekrophile plötzlich zu Romantikern verkämen, pah) verzichtet, dafür aber voll in ihrer finsteren, morbiden Rolle aufgeht. Und viel mehr braucht es manchmal auch einfach nicht, fertig.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (10.11.2016)

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