WALKING DEAD ON BROADWAY - Slaves

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VÖ: 11.11.2016
Bandinfo: WALKING DEAD ON BROADWAY
Genre: Deathcore
Label: Arising Empire
Lineup  |  Trackliste

Welchem Gott oder welcher Band auch immer sei dank, entwickelt sich der Deathcore seit geraumer Zeit endlich weiter und entdeckt zunehmend einen gewissen künstlerischen Anspruch für sich. Während das dieses Jahr bislang vor allem auf einige namhafte Kapellen aus den Staaten (und Kanada) zurückzuführen ist, zieht gegen Ende des Jahres nun auch Deutschland nach. Mit SCIENCE OF SLEEP (da kümmert sich Kollege Prieske drum) und WALKING DEAD ON BROADWAY. Die Sachsen wurden erst Anfang des Jahres vom Nuclear Blast Sublabel Arising Empire gesigned, liefern nun ihr zweites Album namens "Slaves" ab und legen damit ganz Leipzig in Schutt und Asche.

Sieht man nämlich von dem fürchterlichen Loudness War genannt Produktion großzügig ab, kann man dem Labeldebüt des Fünfers durchaus einiges abgewinnen. Und wenn es anfangs nur die pure Zerstörung ist, die nach einem kurzen, verstörenden Sampleintro mitsamt Überwachungsstaatästhetik dann in "Pitchblack" so allmählich ihren Lauf nimmt. Hält sich dieses noch im groovenden Midtempo-Bereich auf, prescht "Cage" im Anschluss mit gehobener Drehzahl nach vorne und lässt dem Soundmatsch vereinzelt auch ein paar apokalytpische Streichereinlagen entnehmen. An wen mich WALKING DEAD ON BROADWAY teilweise erinnern? THY ART IS MURDER. Erkennen lässt sich das an den immer wieder mal gesäten, angeschwärzten Melodien ("Haunted", "Scapegoat") und den teils überfallartigen Taktwechseln ("Slaves").

Davon abgesehen sind WALKING DEAD ON BROADWAY aber auch auf einem guten Weg, sich einen eigenen Charakter zu erarbeiten. Das liegt auch daran, weil sie auf "Slaves" nicht nur ein möglichst eindrucksvolles Abrisskommando inszenieren wollen, sondern sich auch mal ein atmosphärisches Akustikinterlude ("1110010") trauen, mit "Death Pilgrim" einen starken, melodischen Deathhybrid als Rausschmeißer platzieren oder immer wieder mal symphonische (dagegen sieht die Schrottband WINDS OF PLAGUE locker alt aus) und technische Einsprengsel als Stilmittel wählen. Hinzu kommt, dass auch Sänger Robert eine ordentliche Palette zu bieten hat, die zwischen hohem Geschrei und abgrundtiefen Growls ein beachtliches Maß an Eigenständigkeit innehat.

WALKING DEAD ON BROADWAY sind beileibe (noch) keine Magier, beherrschen auf "Slaves" aber ein für Genreverhältnisse doch recht abwechslungsreiches und technisch größtenteils ansehnliches Inventar, das sich eben nicht auf endlose Breakdown-Folgen beschränkt, sondern stets eine gute Balance findet und dabei zudem das Potenzial aufblitzen lässt, dass man zu einer größeren Nummer in diesem Sektor heranwachsen kann. Dafür braucht es dann in Zukunft aber auch einfach ein differenzierteres und nicht so schrecklich überproduziertes Klangbild. Bei einer aufstrebenden Band ist das aber noch zu verschmerzen, zumal eine gute Produktion halt auch ordentlich was kosten kann und nicht einfach so vom Baum fällt.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (18.11.2016)

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