OTTONE PESANTE - Brassphemy Set In Stone

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VÖ: 15.11.2016
Bandinfo: OTTONE PESANTE
Genre: Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Ich hasse Trompeten

Blasmusik von Menschen, die durch Berglandschaften stiefeln, ist mir grundsätzlich suspekt. Metal ohne Gitarre, Bass und Gesang, gar ohne irgendein Saiteninstrument, klingt verdächtig. Immerhin haben sie einen Schlagzeuger, diese drei seltsamen Menschen von OTTONE PESANTE aus Italien. All das habe ich mal geglaubt, noch vor einer halben Stunde. Und seitdem ist einiges passiert.

Süffisant grinsend wollte ich mir, mit einem Heißgetränk bewaffnet, das Video zu „Bone Crushing“ ansehen und habe dazu vorsichtshalber schon einmal die Lautstärke reduziert. Doch – ihr kennt das – jede Aktion resultiert in einer Reaktion und in diesem verhängnisvollen Fall bestand diese aus einer äußerst merkwürdigen Verschiebung des Raum-Zeit-Kontinuums: kreisförmig wurde alles um mich herum zu einem gigantischen Tunnel von der Farbe einer Kupferlegierung und in Form und Geschwindigkeit einem Tornado NICHT – GERADE – UNÄHNLICH! So langsam, also eher augenblicklich, bekam ich es in diesem brüllenden Sturm mit der Angst zu tun. Doch bevor ich meine Möglichkeiten überdenken konnte, wurde ich in einen nebligen Bergwald gespuckt und landete, elegant wie ein Gürteltier, in einer Abfolge waghalsiger Rotationen um meine ganz persönliche Drehachse. „Nicht schon wieder“, dachte ich noch als ich mich, von einem Steinpilz am Kopf getroffen, umdrehte und sie erblickte: die Trötenbande aus dem Video.

Ziellos umherkletternd, umfallend, seilspringend, posaunierend, trompetend und schlagzeugend – faszinierend. Denn die Musik nahm mich augenblicklich gefangen, obwohl ich sie gar nicht hatte mögen wollen.

OTTONE PESANTEs erstes Full-Length-Album

„Brassphemy Set In Stone“ wurde, ein Jahr nach dem Release ihrer ersten EP, in einer Tourpause von nur vier Tagen aufgenommen und steht somit auch für ein Statement: Wir sind albern, aber kein Witz. OTTONE PESANTE sind Profis an ihren Instrumenten und nur deshalb ist es möglich, dass diese außergewöhnliche Kombination aus extremem Metal und Blasinstrument wirklich funktioniert. Trompete, Posaune und Drums klingen zunächst wirr, aber nur für das ungeübte Ohr. Schon nach kurzer Eingewöhnungszeit erahnt man die beeindruckenden Skills, die dazu nötig sind, so schnell, rhythmisch und technisch präzise auf diesen Geräten zu spielen, dabei auch noch lässig auszusehen und einen ausgewählten Sinn für Humor zu beweisen.

„Brutal“ steht laut OTTONE PESANTE als Symbol des Heavy-Brass-Sounds, während „Nights Blood“ durch die Schweden von DISSECTION inspiriert wurde und „Copper Sulphate“ den Grind-Bereich vertritt – inklusive Geschwindigkeitsrekorden. Als MESHUGGAH-affiner Mensch gefällt ausgerechnet das von diesen beflügelte „Torture Machine Tool“ am wenigsten. Das wortwörtlich zu nehmende „Melodic Death Mass“ steht diesem Trio dafür besonders gut zu Gesicht, da ihre Werkzeuge geradezu für episch ausschweifende Melodien geschaffen sind. Einzig „Trombstone“ verspricht als Doom-Track eine kleine Verschnaufpause. Mit viel Hall auf dem Schlagzeug und immer noch relativ zügigen aber getragenen Melodien, würde er sich gut als Soundtrack solcher Schwarzweiß-Filme eignen, für die das KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE oder BOHREN & DER CLUB OF GORE zu leise sind.

Nicht "schön" – trotzdem großartig

„Brassphemy Set In Stone“ ist trotz allem kein „schönes“ Album. Es ist anstrengend und zehrt an den Nerven, sich diese aufgeregte Musik über die gesamte Albumlänge anzutun. Aber es sagt ja auch niemand, dass man sich mit OTTONE PESANTE auf diese Weise quälen muss. Die Ideen dieser Band sind neu, die Musik ist so professionell wie interessant und die Umsetzung erfrischend kreativ. Somit möchte ich jedem, der auf ungewöhnliche Musik und Menschen steht, wärmstens empfehlen, sich das folgende Video in voller Lautstärke reinzuziehen.

Viel Spaß!

Bitte bleiben Sie während der gesamten Darbietung auf Ihrem Sitzplatz:



Ohne Bewertung
Autor: Daria Hoffmann (21.11.2016)

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