JON LORD - Gemini Suite

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VÖ: 09.12.2016
Bandinfo: JON LORD
Genre: Symphonic Rock
Label: earMusic
Lineup  |  Trackliste

JON LORD war eine der Legenden des Musikbusiness – der leider viel zu früh Verstorbene war der originale Keyboardgott und prägte mit seinem Hammond-Spiel unzählige Musiker. Die meisten werden ihn von seiner DEEP PURPLE-Zeit kennen, etwas weniger bekannt ist, dass LORD eine ausgeprägte klassische Ader hatte und mit dem „Concerto for Group and Orchestra“ eines der ersten Crossover-Projekte schrieb. Die Verbindung von Klassik-Orchester und dreckigem Bluesrock war damals revolutionär.

Knappe vier Jahre nach LORDs Tod wird nun mit der „Gemini Suite“ der Nachfolger des „Concerto“ wieder aufgelegt. Wenn das Internet nicht lügt, müsste diese dann die vierte Neuveröffentlichung sein. Damit soll eine weitere Runde von Wiederveröffentlichungen mehrerer LORD-Werke eröffnet werden.

Aufgebaut ist die „Gemini Suite“ in sechs Teilen, wobei bei jedem Teil ein anderes Instrument (bzw. bei „Vocals“ die Stimme) im Vordergrund steht. Rund um diese Instrumente hat LORD dann die Orchestermusik komponiert. Diese erinnert mit ihren progressiven Harmonien und der abwechslungsreichen Dynamik ein bisschen an Schostakowitsch light. Das ist recht gefällig, an die Orchesterwerke der großen Meister kommt die „Gemini Suite“ allerdings nicht heran, dafür fehlen die großen Momente (übrigens war das schon zur Zeit der originalen Veröffentlichung ein Kritikpunkt).

Sieht man aber ein bisschen vom hohen Klassik-Anspruch ab, ist die „Suite“ eine ansprechende Mischung aus symphonischen Elementen und lässiger Rock-Musik. Dafür sind JON LORD selber (auf „Piano“ und „Organ“) bzw. eine Riege bekannter Mitmusiker verantwortlich. Bei der live aufgenommenen originalen „Gemini Suite“ (meistens als „Gemini Suite Live“ bezeichnet) waren noch alle DEEP PURPLE-Mitstreiter von JON LORD dabei, bei der hier vorliegenden Neuaufnahme im Studio (mit dem London Symphonic Orchestra) waren nur noch Basser Roger Glover bzw. Drummer Ian Paice aktiv.

Interessanterweise sind gerade diese zwei Tracks die schwächsten – ob das an der Schwierigkeit liegt, Solo-Stücke für Rhythmusinstrumente zu schreiben, oder ob das handwerklich gute, aber leicht uninspirierte Spiel der beiden dafür verantwortlich ist, sei mal dahingestellt. Bei „Bass Guitar“ spielt Glover brav seine bluesigen Parts, richtige Begeisterung will bis auf eine „Flight Of The Bumblebee“-mässige Sequenz in den hohen Lagen nicht aufkommen. Und Paice spielt auf „Drums“ recht musikalisch, irgendwann wird das Snare-Geratter dann aber doch anstrengend.

Besser machen das dann vor allem der große Albert Lee auf „Guitar“ und Yvonne Elliman und Tony Ashton auf „Vocals“. Lee verleiht mit seinem unverwechselbaren Stil zwischen Ritchie Blackmore und Jimi Hendrix dem Track die perfekte räudige Blues-Note als Kontrast zum Klassik-Hintergrund, und der Wechselgesang zwischen Elliman und Ashton verleiht „Vocals“ eine düstere Herrlichkeit.

Höhepunkte auf der „Suite“ sind aber ganz klar die Tracks, wo der Meister selbst Hand anlegt. „Piano“ startet mit einer gnadenlosen Bass-Line und begeistert mit seinen Wechseln zwischen Jazz-Parts, fernöstlichen Akkorden, schnellen Sololäufen und bluesigen Zwischenteilen. Und „Organ“ ist natürlich ein Kinderspiel für den Keyboardgott, hier spielt LORD alles aus, was schon DEEP PURPLE so unverwechselbar gemacht hat.

So funktioniert die „Gemini Suite“ auf mehreren Ebenen: als Zeitdokument der Frühzeit des „Crossovers“, als Erinnerung an den großen JON LORD oder auch als interessantes Musikexperiment, das Rock, Blues und Klassik zum großen Teil gut verbindet.



Ohne Bewertung
Autor: Luka (05.12.2016)

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