UNTIL WE DIE - Before The Decay Of Time

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VÖ: 29.11.2016
Bandinfo: UNTIL WE DIE
Genre: Deathcore
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Wer hätte gedacht, dass am Ende dieses ereignisreichen Musikjahres noch ein richtiger Geheimtipp erscheint? Und dann auch noch ein so außergewöhnlicher: UNTIL WE DIE nennt sich das Deathcore-Soloprojekt eines mittlerweile 19-jährigen Österreichers, der mit seinem Debütalbum „Before The Decay Of Time“ einfach mal ganz locker 90% der Szene in ihre Schranken gewiesen hat. Während DIY á la BREAKDOWN OF SANITY und neuerdings auch WHILE SHE SLEEPS immer mehr geschätzt und gelobt wird, treibt UNTIL WE DIE das Konzept auf die Spitze und macht nicht nur alles selbst, sondern auch ganz allein. Meine größten Bedenken vor dem ersten Hördurchlauf galten tatsächlich weniger der Musikalität des Einzelgängers, sondern der Qualität der Produktion. Schnell wurde ich aber positiv überrascht, denn „Before The Decay Of Time“ steckt nicht nur musikalisch, sondern auch in Sachen Produktion die meisten Debütalben des Genres schlichtweg in die Tasche. Auch technisch, bezogen auf die einzelnen Instrumente, bewegt sich UNTIL WE DIE auf einem angenehm hohen Niveau. Aber eine gute Produktion und das Beherrschen der Instrumente allein, ergeben noch lange kein gutes Deathcore Album. Es stellt sich die Frage: Hat „Before The Decay Of Time“ eine Seele?

Sofort vorweg: Ja, defintiv! Das Album kommt mit 13 vollwertigen Titeln daher und weiß auch über die volle Laufzeit gut zu unterhalten. Das liegt nicht zuletzt an den gut platzierten atmosphärischen Synths und Klavierklängen, wie man sie ansonsten nur bei den Australiern von MAKE THEM SUFFER zu hören bekommt. Besonders eindrucksvoll kommen diese in „A Tragedy Unfolds“, „Bereft Of Life“ (meinem persönlichen Favoriten) und in der Überleitung „The Final Symphony“ zu Geltung. Sowohl das Tempo als auch das Riffing der gesamten Platte erninnern sehr stark an THE BLACK DHALIA MURDER, wie Gründer und alleiniges Mitglied Niko Apostolakis auch im Chat mit mir gern zugegeben hat. Dies gilt ganz besonders für den gleichnamigen Titeltrack des Albums, für den eine mehr oder weniger ausschließlich aus THE BLACK DHALIA MURDER bestehende Playlist als Inspiration diente. Er sieht jetzt schon die Schwierigkeit, seinen Titelsong in Zukunft zufriedenstellend übertreffen zu können. Insgesamt muss man UNTIL WE DIE einfach ein überaus intelligentes Songwriting und ein Gespür für das richtige Maß lassen. Im Gegensatz zu anderen Genrereleases diesen Jahres, so beispielsweise „Fatigue“ von LIFE’S DECEMBER, die ihre Songs mit allem, was Deathcore und umliegende Genres zu bieten haben, geradezu vollstopfen und überladen, wandelt „Before The Decay Of Time“ ganz bewusst auf dem schmalen Grad zwischen Innovation, oder Experimentierfreudigkeit, und musikalischer Stringenz. So finden sich beispielsweise in „Distorting Of Perception“ extrem ungewöhnliche Screameinlagen, die mir bislang nicht in dieser Form untergekommen sind. Das hält den Hörer gespannt bei der Stange, verliert sich aber nicht in metamusikalischen Experimenten. Und genau das macht das gesamte Album: Es bietet frischen Deathcore mit starken melodischen Einlagen und klassichen Genreelementen, was sich zu einer wunderbaren, wenn auch etwas kurzweiligen Hörerfahrung vermischt. Von melodischen Ausflügen wie in „King Of The Dead“ bis zu absolut brutalen Bangern wie „Silence In Solitude“ ist hier alles abgedeckt.

UNTIL WE DIE spielt sozusagen Extreme Melodic Deathcore, und das sogar ziemlich gut. Wer mit dem Genre im Allgemeinen etwas anzufangen weiß, der sollte „Before The Decay Of Time“ defintiv eine Chance geben und damit vielleicht eine der aufsteigenden Genregrößen unterstützen. An dieser Stelle sei im Namen von Stormbringer gesagt: Hut ab für diese Leistung, wir wollen mehr davon!



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (04.12.2016)

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