GROOVENOM - Modern Death Pop

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VÖ: 16.12.2016
Bandinfo: GROOVENOM
Genre: Deathcore
Label: Noizgate Records
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Lineup  |  Trackliste

Eine komplett versiffte Clubtoilette um halb sechs Uhr morgens. Eine Klotür ist aus den Angeln getreten. Die Wände voll von Aufklebern, dummen Sprüchen und Telefonnummern. Auf dem Boden eine Vielzahl verschiedener Flüssigkeiten und ein zerrissenes Kondom. Aus Richtung des Dancefloors erklingen die Utze-Utze-Druffi-Sounds einer popbasierten EDM-Playlist. Hinter der dünnen Wand zum Nachbarclub feiern noch ein paar Metaller volltrunken ihr deathlastiges Geballer. Überlagert wird die Szene vom wiederholten Würgen aus der Nebenkabine. Zum Herumknutschen ist die Rauch-und-Alk-Mundfäule zu überwältigend, aber zum Entladen der bereits halbkomatösen „Libido“ reicht es noch: „I wanna fuck with you!“ Und so fallen ESKIMO CALLBOY und THE BROWNING voll und lustvoll übereinander her. Neun Monate später erblicken GROOVENOM das Licht der Welt – siehe Baby auf dem Plattencover von „Modern Death Pop“!

 

„Och nö! Nicht noch eine Trancecore-Band!“, mag so mancher denken, wenn er GROOVENOMs neues Album „Modern Death Pop“ hört. Dabei versprechen die Dresdener in ihrem Song „Not Another Trancecore Band“, dass sie sind, „what you've been waiting for“. Das stimmt nicht! Jedenfalls nicht für die über Trance und Core fluchende Trve-Metal-Fraktion. Aber, hey: „Fuck Metal!“

 

Ach, die Jungs wollen doch nur provozieren. Ja, das wollen sie! Mit übersteigertem Selbstbewusstsein (z. B. in „We Are Legend“) legen sie eine geradezu hiphopeske „Wir sind die Geilsten!“-Attitüde an den Tag. Aber unweit hinter dem Posertum sind Inhalte verborgen, die zum Beispiel weit über das „Party hard!“-Gehabe von „Brutal Party Massacre“ hinausgehen, dem damit seine gut unterhaltende Berechtigung nicht abgesprochen sei. „Stay Awesome!“ und „FCK MTL“ sind mitreißende Plädoyers für mehr Vielfältigkeit: „I won't imitate your stereotypes!“ Der letztere Song vereint sich mit „Pu$$y Dance“ zu einem Statement gegen die affektierte Haltung der allzu trven Metal-Szene sowie das Brutalitätsgehabe in Metal-, Death- und Hardcore: „Stop brutality, try the pussy dance! […] Dance without violence!“ Gleichsam wie ein Coming-Out und eine Unabhängigkeitserklärung rahmen „The King Is Dead“ und „Proud 2B Loud“ die Grundthematik der ersten, konzeptionell hervorragenden Albumhälfte ein: „We are here to stay. […] Your hate has made us strong!“

 

Während die Thematik des Social-Media-Gedisses langsam etwas ausgelutscht daherkommt – Der Wortspiel-Titel von „Shut The F#ck App“ ist allerdings bezaubernd! –, muss unbedingt „Hallo Welt“ hervorgehoben werden. Der (leider) einzige deutschsprachige Titel der Platte hat einen leicht CALLEJONistischen Einschlag (mit einem halben Spritzer WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER) und leicht fragwürdige Clean-Vocals, ist aber derart überzeugend, dass man sich nur wünschen kann, dass diese neuen Tendenzen in der Zukunft von GROOVENOM hoffentlich noch mehr Einfluss finden.

 

Ja, das Genre des trance-gedeathten Metalcores (oder auch sehr treffend „Modern Death Pop“) ist nicht neu und GROOVENOM erfinden es auch nicht wirklich von Grund auf neu. Wer aber bei der Verbindung von hartem Metal und tanzbarem Elektro nicht die Augen verdrehend vor lauter Trveness die Arme verschränkt, der wird hier eine neonpinkfarbene Perle des Genres vorfinden. GROOVENOM schaffen mit „Modern Death Pop“ einen weiteren großen Schritt auf der Leiter, die sie in die obersten Ränge dieser besonderen Metalnische tragen wird. Der halbe Punkt, der diesem Album zur Bestnote fehlt, ist als pädagogische Notengebung zu verstehen. Es ist schon verdammt geil, aber GROOVENOM ist zuzutrauen, dass sie sich selbst und die Szene in Zukunft weiter übertreffen werden. „Stay different! Stay awesome!“



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Jazz (15.12.2016)

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