THE BEAUTY OF GEMINA - Minor Sun

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VÖ: 02.09.2016
Bandinfo: THE BEAUTY OF GEMINA
Genre: Dark Rock
Label: TBOG Music
Lineup  |  Trackliste

Das Album „Minor Sun“ beginnt mit dem Ende. Wörtlich. Der erste Track heißt „End“ und THE BEAUTY OF GEMINA singen über den Tod und das Sterben. Ohne dabei ins Pathetische abzurutschen und ohne ins Depressive zu gleiten spielen sie die Fragen durch, die sich wohl jeder schon selbst einmal gestellt hat.

Wie wird es, das Sterben? Was fühlt man dabei? Soll man aufgeben und sich einfach fallen lassen oder nicht? Sie sind nicht die Ersten die sich mit dem Thema befassen, es gibt über den Tod wohl eben so viele Lieder wie über die Liebe - und wir wissen alle, dass es eine Menge Love-Songs gibt - aber THE BEAUTY OF GEMINA schaffen es keine Tristesse damit auszulösen.

Manchmal liest und hört man über den Tod, und man hat danach einen Kloß im Hals und ein schweres Gefühl im Bauch, das ist hier nicht der Fall, es ist locker und dennoch ernsthaft. Hiermit wäre erwiesen: Man kann als Musiker große Fragen stellen, ohne den Hörer mit der Bedeutsamkeit bewusstlos zu schlagen. THE BEAUTY OF GEMINA kann man ja durchaus im (sehr viel umfassenden) Bereich des Gothic Rock einordnen, manche sagen gern Dark Wave, andere Synth Rock - ich sage: von Allem ein Bisschen. Jetzt werden dann wieder die vorurteilsbehafteten Stimmchen laut, von wegen: „Ja, alles klar, Gothic halt, die singen über den Tod und so, allesamt depressiv.“

Es ist wahr, auch THE BEAUTY OF GEMINA geben sich nicht mit leichten Themen ab die sie in ihren Werken behandeln, aber - ein großes ABER - sie sind frei von der, dem Genre oft zu Unrecht unterstellten, Schwermut. Nicht frei von Melancholie, aber bei Weitem nicht trist-düster.

Waiting In The Forest“ ist sehr synthig, erinnert an ein paar Stücke von PLACEBO. In guter, mittlerweile zehn Jahre alter THE BEAUTY OF GEMINA-Tradition ist dieses Lied gehalten, wer „Diary Of A Lost“ durchgehört hat (2006) wird darin den unverwechselbaren Klang erkennen, den man als Wave-Liebhaber nur hoch schätzen kann. Trotz unüberhörbarer Weiterentwicklung und kontinuierlicher Feinarbeit am eigenen Sound kann man THE BEAUTY OF GEMINA seit der Gründung 2006 bis zu heutigen Tag anhand ein paar immer wieder kehrender Elemente identifizieren.

Bittersweet Good-Bye“ reiht sich nahtlos daran, bricht nicht mit dem Stil der Schweizer - das Schönste ist es doch, wenn Musiker es schaffen, Gedanken zu formulieren, die einem schon öfter durch den Kopf gingen. Man findet selbst die Worte nicht, schafft es nicht, das Gefühl zu fassen zu kriegen, verliert sich in Erklärungen und Beschreibungen - und dann hört man ein Lied und es trifft den berühmten Nagel auf den Kopf. Wenn man zuvor dachte man wäre damit allein, dass es niemanden gibt, der exakt das Gleiche denkt und fühlt, dann ist so ein Moment unbezahlbar.

Endless Time To See“ hat einen ganz eigenen Sound, es sticht heraus - von der Musik her und wenn man dann erst auf den Text hört gibt es Ganzkörper-Gänsehaut.

Bei „Crossroads“ bestätigt sich die Aussage, dass Michael Sele eine sehr tolle Stimme hat die der von Nick Cave extrem ähnelt. Allgemein ein wunderbarer Song, sehr weit oben auf der Favoritenliste. Bei jedem Stück von THE BEAUTY OF GEMINA hört es sich an als würde man ein Stück Michael Sele präsentiert kriegen - unverkennbar, dass ein (oder mehr) Tropfen Herzblut in jedes Lied geflossen ist.

In den synthigen Teilen kommt THE BEAUTY OF GEMINA an die verworren-verwobenen Konstrukte von CLAN OF XYMOX heran, gleichzeitig integrieren sie aber viele weitere Elemente die sie nicht zu einem Abklatsch verkommen lassen.

Another Death“ ist für mich der düsterste Song auf dem Album, der mich sofort total in seinen Bann zieht und zu mehrmaligem Repeat-Drücken verleitet.

Bei „Wednesday Radio“ wird mit der Düsternis wieder gebrochen, THE BEAUTY OF GEMINA sind schillernd und facettenreich, das kommt auf „Minor Sun“ wieder gut raus.

Mit „Winter Song“ und „Silent Land“ endet das Werk - „Silent Land“ nochmal eine Verkörperung des Dark Wave, zum krönenden Abschluss.

Ein gelungenes Album, zum nebenbei oder ganz bewusst anhören, sicher mehr als nur ein einziges Mal.

Pluspunkte gibt es auch für Artwork und Präsentation. Für Fans von CLAN OF XYMOX, MERCIFUL NUNS, NICK CAVE AND THE BAD SEEDS, …



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lee (24.12.2016)

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