ANCESTRAL - Master Of Fate

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VÖ: 20.01.2016
Bandinfo: ANCESTRAL
Genre: Power Metal
Label: Iron Shield Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Italien. Uralte Kulturlandschaften, leicht bekömmliche Küche, reizende Frauen und Männer, die mit verbundenen Händen nicht mehr sprechen können. Und Einhorn-Metal. Dies alles und noch viel mehr bildet die Kausalkette aller Klischees der, Obacht!, Apenninenhalbinsel. Mehr an Allgemeinplätzen bring ich hier nicht ans Tageslicht, denn ANCESTRAL stammen aus Sizilien, also stimmt die geographische Verortung nicht ganz und zweitens sind sie zwar Metal, aber garantiert einhornfrei. ANCESTRAL machen das, was bisher nur äußerst selten aus dem Süden gekommen ist: richtig harten Power Metal.

Die Gitarren auf dem nunmehr zweiten Album "Master Of Fate" wildern zeitweise sogar in Thrash-Regionen. Aber, ich schiebe hier noch ein "Obacht!" ein, das heißt nicht, dass sich die Bay Area nach Castelvetrano-Selinunte verlegt hat. Der Grundstock liegt nach wie vor im melodiösen Power Metal. AVANTASIA und natürlich HELLOWEEN kommen öfters in den Genuss einer Hommage. Da diese aber gut gemacht sind, spricht nichts dagegen. Klar, wenn man schon den Hamburgern mit "Savage" covertechnisch Tribut zollt, wäre es vielleicht spannender gewesen, den Song (DER B-Seiten Klassiker von HELLOWEEN) nicht originalgetreu nachzuspielen. Hier wäre etwas Mut vielleicht reizvoller gewesen.

Aber damit hat es sich schon mit der Kritik. Der neue Sänger Jo Lombardo singt widmungsgemäß wie ein Powermetalgott eben singen soll und hat auch dieses äußerst charmante italienische Englisch drauf. Musikalisch ist der ganze Tross wirklich gut drauf, zeitweise zeigt man sogar ein wenig Richtung Prog auf ("Wind Of Egadi"), vergisst aber nie auf schlüssige Songs mit großen Refrains.

Ich bin wirklich mehr als überrascht, dass so etwas aus Italien kommt, einem Musikland, welches in unserer Schublade eben immer wieder eher durch sich um alte Fernseher stehende Einhörner (wegen der statischen Aufladung durch die braunsche Röhre – ihr versteht) mehr oder wenig ausgezeichnet hat. Die gegenständlichen Sizilianer zeigen aber mächtige Cojones und geben einen Kehricht auf diese Tradition und dürften, trotz blendendem Herzensbrecheraussehen, auch bei Freunden härteren Stahls punkten. Gut, die Quoten-Power-Ballade hat man mit "No More Regrets" im Talon und sie ist verdammt nahe an Tobis Werken, aber auch die ist gut gemacht und wird deshalb im Konvolut mit durchgewunken.

Melodien, Härte, sogar das Instrumental "Refuge Of Souls" mag durch die sensationell melodiösen und sauberst gespielten Soli und den ersten italienischen Power Metal-Blastbeat begeistern, und ganz einfach gute Songs mit viel Abwechslung. ANCESTRAL zeigen, wie man aus dem angestaubten Melodic-Power-Metal-Pizzaschiffchen eine relevante Größe machen kann.

Nennen Sie mich überrascht!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (19.01.2017)

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