SEPULTURA - Machine Messiah

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VÖ: 13.01.2017
Bandinfo: SEPULTURA
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast Records
Lineup  |  Trackliste

„Der „Machine Messiah“ kommt! Auf die Knie ihr ungläubigen Zweifler!“

Seit 1984 thrashen die Brasilianer schon durch die Musikgeschichte und spielten sich sehr schnell zu den wichtigsten Bestreitern des aufkeimenden Thrash-Metals. Gerade die Alben der Cavalera-Ära wie „Beneath The Remains“, „Chaos A.D.“ und „Roots“ machten Südamerika zum festen Bestandteil der Metal-Landkarte und bescherten SEPULTURA eine der treuesten Fan-Bases auf dem Planeten. Derrick Greens erstes Album „Against“ liegt nun auch schon fast 20 Jahre zurück. Es folgten „Roorback“ und „Kairos“, doch laut Infosheet von Nuclear Blast ist „Machine Messiah“ das vollkommenste und fesselndste Album, das die Band innerhalb der Green-Ära produziert hat. Auch Andreas Kisser sieht es ähnlich und sagt über die neue Langrille: „Ich glaube, dass es eines unserer besten Alben ist, weil die Band unglaubliche Bemühungen und Aufwendungen geleistet hat“. „Dante XXI“ und „The Mediator Between Head And Hand Must Be The Heart“ standen bisher abwechselnd als bestes Album der Green-Ära, doch auch „Kairos“ wird in diesenm Zuge immer wieder genannt.

Da ist es also der „Machine Messiah“! Bei der ersten Rotation der neuen SEPULTURA fällt einen sofort auf, dass im Gegensatz zu den Vorgängeralben vermehrt Heavy-Metal-Einflüsse ins Material geflossen sind. „Machine Messiah“ kommt nicht so Tribal-lastig daher wie ein „Dante XXI“ oder so kompromisslos wie der Vorgänger „The Mediator Between Head And Hand Must Be The Heart“. Es ist auch kein Konzeptalbum und es wird nicht allzu eigensinning an einem möglichen Kunstwerk geschraubt wie auf „A-Lex“. Mit dem Titeltrack „Machine Messiah“ bewegt man sich sehr zurückhaltend ins Werk. Es machen sich Heavy-Metal-Linien bemerkbar, wo man sonst eher auf die Rübe geballert hat. Man will anscheinend zeigen, dass SEPULTURA auch Anno 2017 noch entwicklungsfähig ist und die ein oder andere Überraschung aus den Saiten schreddern kann. Das ist den brasilianischen Jungs mit dem Opener jedenfalls gelungen. Die Aufmerksamkeit ist geweckt und die Lauschlappen bis zum Anschlag aufnahmebereit wie eine 50-Cent-Hure.

Doch der Opener ist nur die bekannte Ruhe vor dem Sturm. „I Am The Enemy“ knallt einen mit voller Brachialität einen vor den Latz und reißt damit im wahrsten Sinne die Rübe vom Sockel. Auf Überholspur getrimmt, knallt und groovt das kompromisslose „I Am The Enemy“ über einen hinweg. Das gelungene Riffgewitter zwischen Kompromisslosigkeit und purer Aggression macht die Nummer zu einer großartigen Thrash-Abrissbirne!

Mit SEPULTURA-Alben verbindet man, was die glorreichen 90er belegen, nicht nur kompromissloses Geballer, sondern auch immer mal wieder sehr ausgefallene Klanglandschaften. Für zweiteres ist mit „Phantom Self“ gesorgt. Der Einstieg klingt ganz so, wie man sich Arabian-Thrash vorstellen könnte. Sehr exotischer Einstieg bevor die Nummer dann tonnenschwer stampft und gekonnt an den Geschwindigkeitsschrauben dreht. Schwer, bei einer solchen Portion Groove die Treter still zu halten. Man könnte die Nummer gar dem Neo-Thrash zuordnen, aber all die musikalischen Zwischen-Stile mal beiseite genommen mausert sich „Phantom Self“ zu einem weiteren Anspieltipp. Der Einstieg in „Machine Messiah“ ist SEPULTURA gelungen.

Auch „Iceberg Dances“ hat ne Chili im Arsch und pfeffert nur so durch die Boxen. Jedoch entpuppt sich die Nummer leider als Instrumental. Klar zeigt man seine Gitarrenfähigkeiten mit solch einer Nummer, doch das Instrumental fällt eindeutig zu lang, zu selbstverliebt aus und nimmt eher die Energie aus der Langrille. „Silent Violence“ ist eine weitere Abrissbirne von Thrash-Nummer die jedoch kleinere Startschwierigkeiten mit sich bringt und nicht auf Anhieb zünden kann. Die experimentellen Soundlinien sind nicht sehr gekonnt aufeinander Abgestimmt und wollen daher nicht so recht mitreißen.

Für weitere Lauschlappen-Überraschung sorgt das böse, düstere „Resistant Parasites“, das sich mit seinen Orchesterklängen zu einen kleinen Epos entwickelt. Hat was von ner Priese Oper-Fuckin-Thrash, ohne dabei abzudriften und dieses eher ungewöhnliche Soundgewand zu viel Raum zu schenken. Eine Instrumentalisierung die den brasilianischen Thrashern sogar ausgesprochen Gut zu Gesicht steht. Die Nummer fällt zwar an sich etwas zu lang aus, doch da kann man beflügelt drüber hinwegsehen. „Sworn Oath“ schlägt in die ähnliche Kerbe wobei „Resistant Parasites“ wesentlich besser zündet. „Vandals Nest“ wäre im Gegensatz zu dem eindeutig zu eindimensionalen, zu Lückenfüller-lastigen „Cyber God“ der ideale Rausschmeißer geworden.

Ob „Machine Messiah“ jetzt das beste SEPULTURA-Album der Green-Ära geworden ist, wie es Herr Kisser so freizügig von sich gibt, muss an anderer Stelle geklärt werden, doch eins ist klar: SEPULTURA sind auf den richtigen Weg und scheinen die eher dunklen Jahre hinter sich gelassen zu haben.

Lauschlappen-Orgasmusfaktor: „I Am The Enemy“



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: inhonorus (13.01.2017)

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