AVERSIONS CROWN - Xenocide

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VÖ: 20.01.2017
Bandinfo: AVERSIONS CROWN
Genre: Deathcore
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Als eingefleischter Deathcore-Fan kann ich momentan nur schmerzlich beobachten, wie sich etablierte Bands der Szene zu etwas entwickeln, was niemals hätte existieren dürfen (*hust* SUICIDE SILENCE, CHELSEA GRIN *hust*). Aber glücklicherweise erheben sich neue Hoffnungen des Genres aus dem Sumpf der Mittelmäßigkeit – oder kommen in diesem Fall direkt von einem anderen Stern. Die Australier von AVERSIONS CROWN liefern mit „Xenocide“ nämlich exzellenten Alien-Deathcore mit Tentakeln, UFOs und allem was dazu gehört, ab. Szenekenner dürften schon seit dem 2014 erschienenen „Tyrant“ ein Auge auf die Jungs aus Melbourne geworfen haben – und so erwartete auch ich heiß die Nachfolgerplatte. Und eins vorweg: „Xenocide“ ist eine pure Machtdemonstration!

Nachdem man das durchaus atmosphärische, aber wesentlich zu lang geratene Intro „Void“ getrost überspringen kann, schmettern AVERSIONS CROWN dem Hörer sofort 200% ihrer Power mit Anlauf entgegen: „Prysmatic Abyss“ kommt ohne Vorspiel und ohne Gleitgel [Anm. d Lekt.: Autsch! Aber wer's mag...] - aber spätestens wenn der aktuelle Screamer Mark Poida uns ein übertriebenes „I exist!“ entgegenbrüllt, sollte jeder in Stimmung gekommen sein. Allgemein demonstriert die Band innerhalb der knapp 3,5 Minuten des Eröffnungstracks ihre größten Stärken: Brutale Vocals, messerscharfe Riffs und atmosphärisches Songwriting; was nicht zuletzt der Besetzung mit drei Gitarristen geschuldet sein dürfte. Dem tut auch das folgende „The Soulless Acolyte“ keinen Abbruch: Hier zeigt sich besonders die enorme Stimmreichweite Mark Poidas, der im Sekundentakt von stark getroffenen High-Screams zu grunzenden Growls und Shouts, die den Vergleich mit Screamingwunder Dickie Allen (INFANT ANNIHILATOR) nicht scheuen müssen, wechselt. Allgemein scheint sich das Album kontinuierlich zu steigern – „Hybridization“ legt in Sachen Atmosphäre und Brutalität noch eine ganze Schippe drauf. „Erebus“ traue ich persönlich sogar zu, ein Klassiker des Genres zu werden; nicht zuletzt wegen der im Deathcore unüblichen Eingängigkeit des Refrains, die ich auch schon live am eigenen Leib erfahren durfte. Mein persönlicher Favorit des Albums war mir gleichzeitig sogar eine Offenbarung: „Ophiophagy“ trifft einfach den Nagel auf den Kopf und hat sich seit dem ersten Durchlauf von „Xenocide“ in meine persönliche Top 5 der besten Deathcore-Songs geschreddert. Besonders der Mut der Band, den Screamer ohne wirkliche instrumentale Begleitung einfach zeitweise für sich wirken zu lassen, hat mich in dieser Umsetzung tief beeindruckt. Leider bleibt nach dem Überschreiten der Klimax ein fader Beigeschmack zurück. Zwar nimmt die Platte keineswegs qualitativ ab („The Oracles of Existence“ ist ein absoluter Brecher, und schon allein das Eröffnungsriff von „Cynical Entity“ wäre einer bewundernden Schweigeminute würdig), aber „Xenocide“ kann die Steigerung der ersten Albumhälfte und die damit verbundene Spannung nicht weiterhin aufrecht erhalten. Nur den Rausschmeißer „Odium“ kann ich nicht guten Gewissens unerwähnt lassen, denn er bringt das Beste des Albums in verhältnismäßig langen 5,5 Minuten zusammen und lässt „Xenocide“ noch einmal Revue passieren. 

Leider ist der leicht missglückte Spannungsbogen nicht der einzige Kritikpunkt der Scheibe: Zwar sind Songwriting und besonders das Riffing extrem präzise und versiert gelungen, aber durch das eigentlich durchweg wahnwitzige Grundtempo der Australier geht so einiges an Details im stumpfen Gedresche (das scheinbar notwendig ist, um sich technical Deathcore schimpfen zu dürfen) unter. Aber das ist wirklich Kritik auf allerhöchstem Niveau. Jeder, der genug von Impericon-Einheitsbrei nach Rezept SUICIDE SILENCE & Co. hat, der sollte AVERSIONS CROWN spätestens jetzt eine Chance geben, ihr werdet es nicht bereuen. Alien Ehrenwort!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (20.01.2017)

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