BATTLE BEAST - Bringer Of Pain

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VÖ: 17.02.2017
Bandinfo: BATTLE BEAST
Genre: Heavy Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Es war eine regelrechte Bombe, als BATTLE BEAST im Vorjahr ihr Gründungsmitglied Anton Kabanen, gleichzeitig Gitarrist und Hauptsongwriter, vor die Tür setzten. Musikalische Differenzen, so hieß es – was angesichts des etwas durchwachsenen „Unholy Savior“ irgendwie nachvollziehbar war. Doch die Frage war vor allem: Wie sollte es mit BATTLE BEAST nun weitergehen? Weiter in die breitentaugliche, poppige Ecke, oder doch zurück zum die Testikel packenden Stahl der ersten beiden Alben? „Bringer Of Pain“ heißt das neue Baby der Finnen – bringt es wohl lustvollen, oder doch garstigen Schmerz?

Eines gleich vorweg – wohl ein bißchen von Beidem. Süß der Schmerz, wenn der menschliche Brüllwürfel Noora Louhimo (der Gestalt gewordenen Actionfigur nimmt man die Kampfamazone wenigstens ab – hier gibt’s Kurven, keine Knochen!) mit kreischenden Ausritten das Trommelfell zersägt, fürchterlich das Leid des gestandenen Metallers, wenn kitschig-klebrige Popsongs ertönen. Dabei beginnt das Album mit dem soliden Opener „Straight To The Heart“ recht flott-rockig, wenngleich auch gleich der, schon vom letzten Album bekannte, Hang zu opulentem Keyboard auffällt. Etwas direkter und wieder mehr Metal-lastiger präsentiert sich der Titeltrack „Bringer Of Pain“, der ansprechend flott dahin galoppiert.

Mehr in Richtung poppiger orientiertem Stadionrock kippt „King For A Day“, das zwar solide vor sich hin rockt, aber keine großen Akzente setzen kann. Ganz anders „Beyond The Burning Skies“, das zwar ebenfalls wieder relativ keyboardlastig, doch äußerst hymnisch einher kommt und dank Ohrwurmrefrain ohne Umwege zünden kann. Der sanft, relativ „normal“ intonierte Gesang von Noora beweist hier, dass sie nicht nur kreischen kann und auch die gemäßigtere Gangart ansprechend zu bedienen weiß. Ab diesem Zeitpunkt nimmt das Album Fahrt auf und kommt in „Familiar Hell“ mit knackig-groovigen Gitarren um die Ecke, die sich in Verbindung mit prägnanten, aber nicht über-präsenten Keyboardlinien richtig schön hervortun können. Der Brüllwürfel darf in einem Killerrefrain wieder ansprechend die Trommelfelle in Schwingung versetzen und in der Bridge die wirklich angepisste Braut raushängen lassen – unterm Strich erinnert die Kombination der Stilelemente tatsächlich etwas an frühere... LORDI?!

Stampfend und symphonisch, mit einem leichten NIGHTWISH-Touch, geht es mit „Lost In Wars“ weiter – musikalisch macht der Song wirklich Spaß, doch die, trotz vermehrtem Einsatz der Herren der Schöpfung, unspektakulären Gesangslinien lassen vor allem den Refrain irgendwie untergehen. Schade, da wäre noch mehr gegangen. Dafür gibt es danach die volle Kitsch-Breitseite mit „Bastard Son Of Odin“. Das Keyboard ist hier schon wirklich extra-klebrig, aber der Titel zieht trotzdem dermaßen ins Ohr, dass man sich nur schlecht dagegen wehren kann. Noora brüllwürfelt wieder drauflos dass es eine Freude ist und dass einem der hymnenhafte Song ein ordentliches Grinsen ins Gesicht tackert – damit war wirklich nicht zu rechnen, dass sich ausgerechnet so eine Kitschbombe zum besten und haltbarsten Ohrwurm des Albums mausert...

Daran versucht „We Will Fight“ anzuschließen, schafft es aber leider nicht und plätschert relativ unspektakulär vor sich hin. Und wer bis jetzt noch dachte, dass „Touch In The Night“ vom Vorgänger ein einmaliger Ausritt war, der wird nun eines Besseren belehrt. Man versucht mit „Dancing With The Beast“ einen weiteren Anlauf in diese poppige Richtung – der zum gnadenlosen Bauchfleck wird. Mit der am Ende angetackerten Quotenballade „Far From Heaven“ landen BATTLE BEAST endgültig im gänzlich austauschbaren Pop-Bereich, in dem weder Atmosphäre noch der Funken von Seele zu finden sind – immerhin hat es noch ein E-Gitarren-Solo. Das war es aber auch schon mit positiven Befunden über die letzten beiden Tracks des Albums, die man sich, ganz ehrlich, getrost hätte sparen können.

War, nach einem soliden, aber eher verhaltenen Auftakt, der Mittelteil des Albums noch durchwegs gut hörbar und mit einigen Ohrwürmern gespickt, wird der Karren mit den beiden Abschlusstiteln mit Vollgas an die Wand gefahren. Schaltet man „Bringer Of Pain“ nach sieben oder acht Songs ab, kann man sich über ein solides, abwechslungsreiches Album freuen, hört man es bis zum bitteren Ende durch, ruinieren die beiden erschreckend uninspirierten Songs den Spirit eines bis dato guten, wenn auch nicht überragenden Albums und es bleibt ein schaler Nachgeschmack, den man ums Verrecken nicht mehr wegtherapiert bekommt. Das ist schade, da man ansonsten weder an der Produktion, noch an der musikalischen Leistung wirklich meckern kann. Einige der Nummern werden zweifellos eine Bereicherung des Liveprogramms der Finnen sein, weshalb man dem Album unterm Strich kein allzu schlechtes Zeugnis ausstellen kann und es auf dieselbe Stufe wie den Vorgänger „Unholy Savior“ stellen kann.

Wem die aktuelle Richtung von BATTLE BEAST nicht mehr behagt, dem seien die Landsleute von BURNING POINT ans Herz gelegt, bei denen Ex-Biest Nitte Valo als Neu-Brüllwürfel seinen Dienst versieht.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (13.02.2017)

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