KARIBOW - Man of Rust - Special Reissue

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VÖ: 28.10.2016
Bandinfo: KARIBOW
Genre: Progressive Rock
Label: Rockwerk Records
Lineup  |  Trackliste

Scheiben mit dem Label „remastered and re-issued“ sind nicht selten ausgegrabene Schätze, manchmal aus längst vergangenen Zeiten, teils aber auch aus jüngerer Vergangenheit, die es verdient haben, erneut ans Tageslicht und an die Aufmerksamkeit der Hörer gezerrt zu werden. KARIBOWs „Man of Rust“, das 2011 im Original erschienen ist, bildet da keine Ausnahme. Grund genug, sich so ein Juwel genauer anzuhören. 

Erst im April erschien das letzte Album „Holophinium“ (hier das Review dazu) und hinterließ ziemlich große Fußspuren, die man für weitere Werke erst einmal auszufüllen imstande sein muss. Doch zuerst gibt es das vollständig überarbeitete und aufpolierte „Man of Rust“ von 2011, auf dem sich nun aktuell auch vier extra Titel finden lassen. Die harmonische Gangart, der man auch bei KARIBOWs letzten Releases begegnet ist, war auch schon bei „Man of Rust“ die entscheidende Gangart. 

Das Markenzeichen von KARIBOW, die Mischung aus harmonisch-beruhigten Melodien, sanft aufgebauter Spannung und einer großen Ladung Gefühl, ist auch Basis dieses Albums. So liefern die insgesamt 12 Tracks entspannten und dennoch aufregenden Sound, wobei die perfekt passenden Vocals von Oliver Rüsing, trotz einer unaufgeregten Melodieführung, vor allem eine emotionale Kraft aufbauen, die sich steigert und wieder abflaut, ohne dabei etwas an den Harmonien zu zerstören. Nicht zuletzt funktionieren auch die oft ausladenden und fließenden Instrumental-Parts in perfekter Einheit, ohne sich gegenseitig aufzuwiegeln oder zu untergraben. Auf große Spitzen und Verzerrungen wird gänzlich verzichtet, während ein sanfter Aufbau, Steigerung und Zurücknehmen von Kraft und Tempo groß geschrieben werden. KARIBOW funktioniert, wie immer schon, auf emotionaler Ebene ebenso perfekt, wie auf musikalischer. Und da wären dann noch die durchwegs positiven und aufbauenden Texte, die der angenehmen Grundstimmung noch die Krone aufsetzen. 

Den Auftakt hierbei macht „Ceraneo“, ein fröhlich-schwungvoller Midtempo-Rock-Song mit angenehmer Steigerung im Refrain und beschwingten Melodien. „Man of Rust“ groovt sich dann in ähnlichem Bereich ein, dabei werden immer wieder Spannungsbögen aufgebaut, die sich zwischendurch in beruhigten Teilen wieder lösen. Auch wird hier der keineswegs überbordenden Progressivität etwas mehr Platz eingeräumt, aber in einer Songlänge von neuneinhalb Minuten ist auch dafür durchaus Raum und Zeit. Die ersten, beabsichtigt schrägen Töne erfährt man bei „Reason of fly“, obwohl sich diese nicht lange halten und ein vollkommen entspannter und harmonischer Song entsteht, der durch die Melodien der E-Gitarre und der fließenden Stimme getragen wird. Kraftvoller wird es dann bei „Drowned in delay“, ehe mit „The big Y“ endgültig Schwung in die Kompositionen kommt. Nun reiht sich der erste zusätzliche Track munter ein, der noch nicht auf dem 2011er-Release zu hören war. „All Form is Illusion“ bringt alles mit, was KARIBOW ausmacht, wirkt dabei aber dennoch spannender, fast ein wenig aufmüpfiger als so manch anderer, beruhigter und glattgebügelter Song der Band. (Das heißt nun aber auch nicht, dass der Song aus der Reihe tanzt – es handelt sich lediglich um feine Nuancen und Klangfarben). „Ceremony“, das nächste Extra-Stück auf der Special Edition, ist ein wahrer Song für die Seele (und nebenbei einer meiner persönlichen Favourites auf der Scheibe). „Till we are gone“ wird wieder ruhiger und ist trotzdem einer der Tracks, der durch seine Harmonisierung in einigen Passagen ein wenig ausbricht, ohne dabei aber andere klangliche Züge zu entwickeln als der Rest des Albums. „Sound of the Shade“ gestaltet sich dann als kleines, rein am Piano eingespieltes Intermezzo, ehe „Just the Light“ wieder ordentlich lostrabt und Kraft tankt. Der letzte der vier Bonus-Tracks versteckt sich nun an dieser Stelle mit „The North Wall“, und erneut werden hier interessante Melodielinien verwendet und ineinander verschachtelt, ohne sich dabei gegenseitig zu überbieten. Abschließend gibt es dann noch das eingängig starke „A little bit of Rust“, das nicht nur den gebührenden Abschluss bildet, sondern auch noch einmal aufzeigt, was KARIBOW mit „Man of Rust“ auf die Beine gestellt haben.
 
KARIBOWs „Man of Rust“ ist ebenso harmoniebedürftig wie auch begierig darauf, den Hörer zu packen und zu fesseln, ohne ihn niederzudrücken. Die leichte und fließende Gangart ist erfrischend und stimmt positiv und die angenehmen Melodien mit den vielen Hooklines verleiten dazu, einmal innezuhalten, genauer hinzuhören und durchzuatmen. Ein Album, das so entspannend und eingängig wie auch angenehm vielschichtig ist. Balsam für die Seele!

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (27.01.2017)

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