HETROERTZEN - Uprising Of The Fallen

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VÖ: 24.02.2017
Bandinfo: HETROERTZEN
Genre: Black Metal
Label: Listenable Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

HETROERTZEN sind eine dieser Bands, die erst unlängst bei den Printkollegen zu den wichtigsten Vertretern der neuen, seit der Jahrtausendwende existierenden Welle des orthodoxen Black Metal bestimmt/gewählt/ernannt wurden.

Seit 1993 schon toben sich die Knaben im Untergrund aus, anfangs noch unter HHAHDA firmierend, und können mit "Uprising On The Fallen" ihr bereits sechstes Werk, diesmal auf Listenable Records, veröffentlichen. Der Umzug nach Schweden erfolgte wohl vor dem 2010er Album "Exaltation Of Wisdom".

Es gibt auf "Uprising Of The Fallen" einige Neuerungen bei HETROERTZEN. Der eigentliche Sänger und Gründer der, wie sagt man so schön im Schubladerl: Horde, Frater D. hat sich nach hinten an die Drums verzogen und singt nur mehr ab und an mit. Anubis handelt von nun an nicht nur die Gitarren sondern eben auch die vakant gewesenen Vocals. Auch die Erschaffung der Texte wurde unter den beiden Vorgenannten gerecht aufgeteilt. Scheinbar widmet man sich noch immer dem Henochischen Ritual, der henochischen Sprache und für Eingeweihte sollen die Texte ein massiv wichtiger Teil des Gesamtkunstwerkes sein. Mag sein, mein Henochisch hinkt auf allen vier Extremitäten und da sich Listenable Records nicht wirklich darum kümmerten, den durchaus willigen Redakteur anständig zu bestücken, kann ich Euch recht wenig über die Lyrics sagen. Genauer: nix. 

Was natürlich sofort auffällt ist die Nähe zu MAYHEM zu "Mysteriis Dom Sathanas"-Zeiten. Die Grundstimmung, der Gesang und das Wechselspiel aus flirrenden Gitarren und knallharten Riffs erinnert nicht nur ab und an an die Norweger. Wir sprechen hier nicht von einer Kopie, Obacht, oh ihr meine trven Freunde, aber als erster Anhaltspunkt für HETROERTZENs neuestes Werk find ich den Vergleich schon mal ganz gut. Wenngleich die Klasse der Norweger zu keiner Sekunde erreicht wird. Das hat nichts mit "früher war alles besser" zu tun, das ist einfach so. Subjektivität hin, Objektivität her.

Das Album an sich ist insgesamt das, was ich als "Ritual" bezeichnen würde. Wie einige wohl wissen, sind meine religiösen Ausprägungen nicht existent, ich halte nichts von Esoterik, von Kulten und vom Chaos. Der Aufbau des Albums erinnert mich aber immer wieder an etwas, das wie eine Messe funktionieren könnte. Die Liturgie, die christliche zumindest, ist, wie wir wissen, eine durchdachte. Man beginnt langsam, durchmisst verschiedenste Stimmungen, klagt an, verzeiht, sucht, findet, zerstört und erschafft Neues. Und genau das machen HETROERTZEN auch auf "Uprising Of The Fallen". Jeder Song sucht seinen Weg, klassische Songstrukturen gibt es kaum. Aber es werden, so denke ich, Geschichten erzählt, Predigten abgehalten, Beschwörungen und große Klagen gegen den Mahlstrohm des metallischen Orkans, der dem zu Grunde liegt, geworfen.

Das Album ist brutal und brutal schwierig zu hören. Der Sound ist einwandfrei, heavy und mitten ins Gesicht, aber ich denke, dass man sich mit dem Album nicht zehn, nicht 20 mal auseinandersetzen muss, um es zu verstehen. Hier werden Wochen und Monate vergehen, bis man, wenn man will, versteht, was die schwedischen Chilenen meinen und erreichen wollen. 

HETROERTZEN, so wurde mir versichert, sind ein Gesamtprodukt, ein Konvolut, der musikalische Output auf Tonträger oder digital nur ein Teil eines Ganzen. Dazu gehören die Lyrics, die Live-Auftritte und die visuellen Gestaltungen aller Flächen über die vier Musiker ihre Stimmung, ihre Ansichten transportieren.

Wer willens ist Zeit zu investieren, stößt hier womöglicherweise auf ein großes Album. Allein, mir vermögen sich HETROERTZEN auch nach einigen Spins so gut wie gar nicht zu erschließen. Hermetisch möchte ich die Herangehensweise der Band nennen. Konsequent auch. Undurchscheinbar jedenfalls.

"Uprising Of The Fallen" ist ein massiver Granitklotz, an dem man mit einem Uhrmacherhämmerchen klopfen muss, um es erfassen zu können. Ob das jemals gelingen mag, sei dahin gestellt. Mir wohl nicht.

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (19.02.2017)

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