ARSTIDIR LIFSINS - Heljarkviða

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VÖ: 27.01.2017
Bandinfo: ARSTIDIR LIFSINS
Genre: Ambient Black Metal
Label: Van Records
Lineup  |  Trackliste

Zeit für eine kleine Geschichtsstunde: Es ist ein Irrglaube, dass die alten germanischen Völker des Nordens glaubten, dass sie alle nach ihrem Tode vereint in den Hallen Odins neu erwachen werden, bis in alle Ewigkeit mit ihren Vorvätern Met trinken und sich mit Eberfleisch vollstopfen werden können, denn das wäre ja auch zu schön um wahr zu sein. Nein, dieses Schicksal war nur einigen wenigen vorenthalten. Für die normalen Sterblichen war nach ihrem Ableben ein Platz in einem anderen Reich vorherbestimmt, Helheim, einem Ort, der, je nach Quelle, ganz erträglich sein kann, oder aber auch ein Ort voller Leid und Trostlosigkeit. Anders als viele Genrekollegen nehmen sich die Skalden von ARSTIDIR LIFSINS nicht der vor Ehrgefühl und Männlichkeit strotzenden Welt der Asen und Einherjer an, sondern dem düsteren, wahren Totenreich der alten Germanen. Die Geschichte ihrer neuesten EP, „Heljarkviða“, folgt dem Weg eines Kriegers, der sich nach seinem grausamen Tode an Schlachtfeld zusammen mit seiner Sippe auf den Weg ins Reich der Toten macht und letztendlich mit den anderen Gefallenen gen Ragnarök, dem Ende der Welt, wandert. Ein finsteres Szenario, dem sich die Band da angenommen hat, oh ja, doch scheint hinter der Idee von „Heljarkviða“ wirklich Passion seitens der Band zu stecken. Passion dafür, ein uraltes Erbe in die heutige Zeit weiterzutragen, vielleicht sogar das Interesse einiger für die alten Sagen zu wecken, die die Vorstellungskraft der Menschen einer längst vergangenen Zeit hervorgebracht hat. Klingt doch gut oder? Bleibt nur die Frage offen, ob ARSTIDIR LIFSINS ihre Vision auch gebührend in die Tat umsetzen können. Tauchen wir also ein die Welt, von der uns das internationale Projekt erzählen möchte und hören wir, was sie zu bieten hat.

 

Die knapp über 40 Minuten lange Reise, die wir mit „Heljarkviða“ antreten sollen, besteht aus insgesamt 2 Etappen, sprich zwei „Liedern“ in Überlänge, die ihren Teil der düsteren Geschichte möglichst stimmungsvoll zum Ausdruck bringen sollen. Dabei lässt sich die Band reichlich Zeit, die nötige Stimmung aufzubauen, beginnt der erste Teil der Handlung doch mit einem fast schon an Ambient anmaßenden Intro. Das Rauschen des Windes, begleitet von sanften Streicherklängen, langsam aber sicher abgelöst durch pagane Männerchöre: Man fühlt sich, als wohnte man einem uraltem Ritus bei. Dann, nach einem kurzen, gesprochenen Intro, der Einsatz von Gitarren, begleitet von einem kontinuierlichen Anziehen des Tempos und dem eigentlichen Beginn der ersten Etappe unserer Reise nach Helheim. ARSTIDIR LIFSINS setzen dabei nach wie vor vor Allem auf Eines: Atmosphäre. Alles, aber wirklich alles auf „Heljarkviða“ zielt darauf ab, ein möglichst immersives Hörerlebnis zu erschaffen, das den Hörer in seinen Bann zieht und ihn mit Spannung der Geschichte, die erzählt wird, lauschen lässt. Um solch ein fesselndes Erlebnis zu schaffen bedient man sich vielerlei Stilmittel, die dem Album mehr den Flair einer mit Musik untermalten Erzählung geben, als einer tatsächlichen Musik-EP. Oft werden die zunächst lang dominierenden, stark vom Black Metal beeinflussten Passagen mit gesprochenen Texten untermalt oder gehen für einige Zeit gar komplett in ruhige, akustische Intermezzi über, die nur mehr hintergründig einen wirklich „metallischen“ Beigeschmack haben und eher an Musik der Marke WARDRUNA erinnern (der werte Herr Gaahl wäre stolz). Dieser Trend zieht sich durch die gesamte Spiellänge, umso weiter die Erzählung fortschreitet, desto seltener werden auch die tatsächlichen Metal-Passagen und umso dominanter werden die Ambient-beeinflussten Elemente. Beschriebenes Schema wird sowohl in „Heljarkviða I: Á helvegi“ als auch „Heljarkviða II: Helgrindr brotnar“ konsequent durchgesetzt, wobei der zweite Teil unserer Reise nach Helheim den Schwerpunkt noch eher auf die musikalische Untermalung setzt, sprich, der zweite Teil der EP erinnert noch eher an einen „Song“ im eigentlichen Sinne. Letztendlich hat man hier wohl einen angenehmen Mittelweg zwischen von Black Metal beeinflusster Musik und ursprünglich gehaltenem Ambient-Werk gesucht und ist dabei alles andere als gescheitert.

 

So stilecht pagan wie die musikalische Untermalung der Geschichte ist auch die lyrische Landschaft von „Heljarkviða“ gestaltet: Die Texte der Band sind durchwegs isländisch gehalten, was der Aufmachung der EP als eine Erzählung aus alter Zeit sehr zugute kommt. Die Vocals an sich bestehen zu sehr großen Teilen aus gesprochenen Text, der oft mit Männerchören aufgelockert wird. Vergleichsweise selten greift die Band tatsächlich auf gescreamte Passagen zurück, obgleich diese makellos in das sonstige Songgeflecht eingewebt sind und dadurch nie „out of place“ wirken. Viel eher sind die Passagen eine Auflockerung der Erzählung, mit der für bestimmte Zeit das Tempo angezogen wird und das Interesse des Hörers beibehalten wird.

 

Die musikalische Reise, auf die uns ARSTIDIR LIFSINS hier schicken, kann nur schwer als ein rein musikalisches Werk beschrieben werden. Die Musik an sich ist hier tatsächlich nur ein reines Mittel zum Zweck, Zentrum von „Heljarkviða“ ist und bleibt die Geschichte, die versucht wird zu erzählen. Hier versucht eine Band, ihre Leidenschaft anderen Gleichgesinnten näher zu bringen, eine Brücke zur Vergangenheit zu schlagen und schafft dabei ein sehr glaubwürdiges Szenario, das die Herzen von Interessenten an der Thematik höher schlagen lassen wird. Hier sei aber auch gesagt, dass die EP anderen Hörern, die mit mythologischen Erzählungen und dergleichen wenig anfangen können wohl weniger zusagen wird, eben aufgrund eines klar gesetzten Schwerpunktes seitens der Band. Zusammenfassend kann man also sagen: Wer sich mit der Thematik identifizieren kann, der wird hier ein wahres Zuckerstück finden, wer mit musikalischen Erzählungen und nordischer Mythologie nichts am Hut hat wird wohl weniger Freude mit der EP haben, weswegen von einer allgemeinen geltenden Bewertung besser abgesehen werden sollte.

 

Wer jetzt noch Lust auf mehr Geschichten aus dem alten Norden bekommen hat, für den könnten die vorherigen Releases der Band, Jötunheima Dolgferd und Fragments - A Mythological Excavation (letzteres in Zusammenarbeit mit HELRUNAR) von Interesse sein!

 

 



Ohne Bewertung
Autor: Daniel Csencsics (31.01.2017)

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