MOTHER'S CAKE - No Rhyme No Reason

Artikel-Bild
VÖ: 27.01.2017
Bandinfo: MOTHER'S CAKE
Genre: Alternative Metal
Label: Panta R&E
Lineup  |  Trackliste

MOTHER’S CAKE schaffen und gedeihen unter dem Einfluss von den wirklich großen, experimentierfreudigen Gestirnen am Prog-Himmel wie PORCUPINE TREE oder THE MARS VOLTA seit nun schon einigen Jahren. Gegründet irgendwann 2008, wurden sie einem breiteren Publikum bekannt mit ihrem wohlverdienten Sieg beim Local Heroes Band Contest 2010. Manchmal ist es mit diesen Wettbewerben ja so eine Sache, kometenhafter Aufstieg bis zum Höhepunkt, Finale, großes Tamtam und wenige Wochen später ruft ein Fragen nach der Band nur mehr ratlose Blicke und große Fragezeichen hervor. „Hä, wer bitte soll das sein?“ Dieses Schicksal wurde MOTHER’S CAKE erspart oder sagen wir: Sie haben es sich erspart. Sie sind immer noch da, immer noch hungrig. Immer noch Underground?

Mittlerweile blicken sie zurück auf Touren mit ANATHEMA oder Auftritte mit LIMP BIZKIT, hatten eine Tour quer durch Australien, den Austrian Newcomer Award haben sie auch schon abgestaubt - die Liste wäre noch weiter zu führen. Nach dem Debütalbum „Creation’s Finest“ (2012) folgte „Love The Filth“ (2015) und nun, endlich, heiß ersehnt: „No Rhyme No Reason“.
„Creation’s Finest“ war schon eine scharfe Mischung aus Psychedelic Rock und Prog, verfeinert mit einem Schuss groovigem Funk, damals war bereits klar, dass die Herren nicht nur gerne experimentieren sondern auch wissen was sie dabei tun, allerdings noch mit dem erfrischend-kratzigen Hauch, der sie als Anfänger umgab. Seien es die Gitarren-Soli, die einem auf der Zunge zergehen und keine Sekunde Langeweile aufkommen lassen, sei es Yves’ Stimme, die sich von kratzig-rau zu schmeichelnd-weich wandelt innerhalb zweier Takte. „Love The Filth“ war wie eine logische Weiterentwicklung einer völlig abstrakten Idee, nicht nur die Musik sondern auch die Videos (siehe etwa das Musikvideo zu „Void“) wurden noch eine Spur verrückter, noch eine Spur mehr MOTHER’S CAKE.

„No Rhyme No Reason“ beginnt mit „No Rhyme Or Reason“ sehr proggig, Yves’ legt eine abwechslungsreiche und wilde Stimm-Spur über die dreckigen Riffs, ein würdiger Auftakt zu diesem Album. Die Nummer erinnert in Ansätzen an ARCTIC MONKEYS, auch wenn ich diesen Vergleich eher ungern ziehe.

In „H8“ erinnert der Gesang mich an MUSE (heute ist ein guter Tag für weit gefasste Vergleiche), stimmlich eine Leistung - fast flehend und doch extrem kraftvoll erzeugt Yves, untermauert von Gitarre und Drums, ein wuchtiges Gesamtkonstrukt in diesem Song, der Einen beim ersten Hören einfängt und nicht mehr loslässt.

„Black Roses“ avanciert schon mit den ersten, schnurrenden Gitarrenklängen zum potentiellen Lieblingssong auf dem Album. Der Track ist eher ungewöhnlich, schafft eine dichte Atmosphäre und gibt einen Fingerzeig in die Richtung, in die MOTHER’S CAKE sich (möglicherweise weiter) entwickeln.

„No Sun“ hat einen wunderbaren Drive, treibende Drums und funkige Gitarrenriffs machen die Nummer zu einem Ohrwurmgarant.
„Streetja Man“ jagt „Black Roses“ auf der Favoritenliste den ersten Platz ab. MOTHER’S CAKE sind ja nicht nur musikalisch brauchbar, sondern man darf auch durchaus auf den Text achten, den Yves bei dem Song perfekt rüberbringt - hier wird auch deutlich, warum viele ihn stimmlich mit ROBERT PLANT vergleichen.
„The Killer“ ist anfänglich ein unsanftes Erwachen nach „Streetja Man“, aber auch das Lied entwickelt einen ganz eigenen Charme. Von einem Konzept auf dem Album kann ich nach wie vor nicht viel finden, aber das ist auch gut so - dass jedes Stück für sich ein eigenes Universum ist passt für mich viel besser zu MOTHER’S CAKE und ihrem Stil als ein durchgeplantes Kontinuum.
„Enemy“ ist wieder sehr das „neue“ MOTHER’S CAKE, die Nummer taugt sogar dazu, sie in jedem beliebigen Beisl aufzulegen, Samstag Nacht wenn Alle zu Alternative Rock tanzen. Bei „Enemy“ übrigens besonderes Augenmerk (oder eher Ohrenmerk) auf die Drums, was Jan da veranstaltet ist schon ziemlich grandios.
 

„Hide & Seek“ versöhnt den Underground-Verfechter wieder mit MOTHER’S CAKE, nach den poppigen Höhenflügen bei „Enemy“ ist die Nummer eine Wohltat: komplex, technisch on point, originell. Allgemein lässt sich sagen, dass das neue Album massentauglicher geworden ist, professioneller, abgeklärter. Handwerklich waren MOTHER’S CAKE schon gut zu Beginn, verschlechtern tun sie sich nicht gerade, auf der neuen Platte zeigt sich die Weiterentwicklung und Verfeinerung auch deutlich.
Wo „Creation’s Finest“ oder auch „Love The Filth“ noch dreckiger klangen, klingen selbst die verzerrten Parts auf „No Rhyme No Reason“ gekonnt und bestenfalls auf dreckig getrimmt. MOTHER’S CAKE sind aber auch eine absolute Live-Band, also was man auf dem Album vorgesetzt kriegt, ist immer nur das halbe Gesicht, live kommen da ganz andere Seiten durch.
In diesem Sinne: das nächste MOTHER’S CAKE Konzert ist nie weit entfernt und einen Besuch definitiv wert.

Und hier geht's dann zum Interview mit Yves & Benedikt!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lee (28.01.2017)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: AS I LAY DYING - Shaped By Fire
ANZEIGE