LOWBAU - Urban Voodoo

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VÖ: 24.12.2016
Bandinfo: LOWBAU
Genre: Metal
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Webshop
Lineup  |  Trackliste

"johnny cash with a mohawk at a slayer concert"

...so steht es geschrieben auf der Netz-Präsenz unter den Einflüssen der Wiener von LOWBAU. Kann man so sehen. Was hinten dabei herauskommt, ist grob umschrieben eine Mischung aus tiefstem Südstaatensludge, ein wenig Hardcore und einer Menge Wüstenrock. Und Blues, Deltablues. Es mag auch Stoner-Metaller geben, die am Vortrag der Band Gefallen findet, aber ich mag den Begriff Stoner-Musik/Metal/Rock gar nicht, weil er einfach zu volatil und elusive ist. Ein Begriff um des Begriffs willen, eine Worthülse, nicht mehr, sprach der Hobbysprachgelehrte... [Anm. d. Lekt.: Die nette Lektüre für den Feierabend: www.duden.de]

Seit über zehn Jahren schon rockt sich der Fünfer aus der Hauptstadt durch das Musikgeschäft, "surpassing trends and scenes, borders and miles, labels and bookers". Man ist sich selbst der liebste Handwerker und kann auf einige Gigs mit honorigen Bands wie CROWBAR oder EYEHATEGOD zurückblicken. Keine Bar, keine Hochzeit, keine noch so kleine Bühne ist ihrer unwürdig, keine Zuschauermeute zu klein oder zu groß.

Auch hier darf ich wieder eine österreichische Band hören, die es locker mit den Granden internationaler Herkunft aufnehmen kann. Die Jungs erinnern mich ein klein wenig an die deutschen HIGH FIGHTER, nur mit etwas mehr Unberechenbarkeit. Die Mississippidelta-Mundharmonika im wüstenrockenden, zweiten Song "My Guitar" oder bei "Mother Sun" ist einerseits zum Schreien lustig und andererseits nach mehrmaligem Hören schon beinahe logisches Songwriting für die Band. So sind LOWBAU. Was bei anderen zu Stückwerk verkommt, funktioniert hier ganz lässig.

"Lässig" ist hier sowieso ein sehr wichtiges Wort. Ethymologisch im Sinne der 80er zu verstehen, als ostösterreichische Variation des angelsächsischen "cool". LOWBAU schaffen es, Musik, die eindeutig in die United Rogue States of Murica gehört, nach Wien zu transportieren und dort zum Funktionieren zu bringen. Das ist der Nachfolger der "GRs Rock-Show", die es einst in den 80ern (sie lassen uns nie los, nie, sage ich!) auf Ö3 zu hören gab. Gotthard Rieger hat dort immer nicht enden wollende Songs von irgendwelchen, mir damals unbekannten und selbst heute noch nicht bekannten Rockbands laufen lassen, die so ähnlich klangen wie es LOWBAU heute tun. Dichte, dreckige Rock/Metal-Musik, die immer ein wenig improvisiert klingt, mäandernd, Musik, die sich hin zu einer Eruption aufbaut, getragen vom großartigen Gesang. LOWBAU sind viel härter und deftiger als das es Hr. Rieger jemals über den Staatsfunk freigegeben hätte, aber das freispielende Element ist schon deutlich da. Ob im Songwriting geplant oder nicht, ist hier völlig vernachlässigbar.

Das ganze Konstrukt "Urban Voodoo" erinnert so massiv an die Südstaaten der 90er, schafft es aber immer wieder, durch zwingende Riffs, Harmonien und Melodien mitzureißen, man findet sich in einem Mahlstrom an Heavieness (ist das ein Wort?) [Anm. d. Lekt.: Jetzt schon.], Dreck, Staub und einer immer wieder auftauchenden psychedelischen Zerbrechlichkeit (der Beginn von "Lion") zu dem der Titel "Urban Voodoo" wunderbar passt. Der brütend heiße Süden, der Staub und das Delta, das alles nach Wien verfrachtet. Allein der Anfang von ("Mother Sun") zaubert mir ehemaligem Südstaatler ein verstaubtes Lächeln in's Gesicht.

"Urban Voodoo" ist LOWBAUs zweites Album, nach "A Darker Shade Of Blues" und reüssiert so ziemlich auf ganzer Albumlänge. Das etwas Hardcore-lastige "World" ist ein kleiner Ausreisser, der Rest der Songs ist auf konstant hohem Niveau. Das erinnert vage an die Zeiten der Holzfällerhemden und an Bands, die in der Wüste mit ihren Amps standen, um für MTVs Headbangers Ball Videos zu drehen. Und immer wieder erinnert mich das Album ein wenig an "Wiseblood" von den ewig unterbewerteten CORROSION OF CONFORMITY. Ein wenig nur, gemischt mit KYUSS und Konsorten und den schon erwähnten Deltablues- und Sludgeeinschüben.

Ich hätte viel aus Wien erwartet, aber LOWBAU mit "Urban Voodoo" sind etwas ganz Besonderes. Das Album gibt es seit Weihnachten in digitaler Form und soll im Laufe des Frühjahrs auf Vinyl erscheinen. CD-Version wird es von "Urban Voodoo" keine geben.

Wer ewas hören will, das so zur jetzigen Zeit keine Band macht und das wirklich gut ist der, soll sich LOWBAUs "Urban Voodoo" anhören. Ihr werdet es keinesfalls bereuen. 

Wie kann man nur so singen, unglaublich, diese Stimme...

 

 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (08.02.2017)

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