AS LIONS - The Selfish Age

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VÖ: 20.01.2017
Bandinfo: AS LIONS
Genre: Metal
Label: Better Noise Records
Lineup  |  Trackliste

Erst letzten Oktober veröffentlichten AS LIONS Ihre EP "Aftermath" (Review) und nun folgt das digital sowie auf CD und Vinyl erhältliche Debütalbum "The Selfish Age". Dessen steriles Photoshop-Cover (das einen Totenkopf mit Blumenmuster wie von Omamas Bettzeug zeigt) zum Sound des Albums passt: leblos, unoriginell und abgedroschen.

"Produced by award-winning producer David Bendeth (OF MICE & MEN, PARAMORE, BRING ME THE HORIZON) and Kane Churko (FIVE FINGER DEATH PUNCH, DISTURBED, IN THIS MOMENT), Selfish Age is an illustration of the band’s mission to create “the biggest, baddest hard rock we could, and on an almost cinematic scale." Zum letzten Teil dieses Statements später, zuerst zu den Produzenten. Benedeth und Churko könnte man als das aktuelle Äquivalent zu Robert John "Mutt" Lange ab Mitte der 80er bezeichnen. Dieser wandte sich damals einem modernen Sound zu, geprägt vom Einsatz von Synths und aalglatter Produktion, die den Songs einen Popanstrich verspassten. Wie König Midas schien er alles in Gold zu verwandeln, bei vielen Rock- und Metalfans stieß der Sound jedoch auf Ablehnung. Ähnlich verhält es sich bei Benedeth und Churko, die ebenfalls zu extremer Überproduktion und massiven Einsatz von neuesten digitalen Spielereien neigen, damit große kommerzielle Erfolge vorweisen können, jedoch auch extrem polarisieren.

"The Selfish Age" beinhaltet alle vier Songs der drei Monate zuvor erschienen EP: "Aftermath", "Deathless", "White Flags" und "World On Fire". Dem bereits im Review der EP über diese Songs Gesagten ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, höchstens dass "Aftermath" nach dem x-ten Hören noch weniger spannend klingt als nach den ersten paar Malen. Unter "epic and evocative" erwartet man sich etwas anderes.

Mit "Aftermath" beginnt das Album, worauf es mit "The Suffering" noch etwas schwächer wird, das wie die meisten Songs auf "The Selfish Age" wie Malen nach Zahlen klingt – formelhaft und irgendwie schon tausendmal gehört. "Bury My Dead" wäre an und für sich ein relativ guter Song, wenn man das Schema nicht schon kennen würde – Geklimper zu ruhigem Gesang mit sehr viel Echo, dann legt der Refrain mit Vollgas (naja, so gut es bei angezogener Handbremse halt geht) und Geschrei los, und so weiter und so fort. Es folgt 'the crushing' "Deathless" – wenn damit gemeint ist, dass der Song vollgemüllt klingt, trifft die Beschreibung 'crushing' zu. Da gehen auch die Lyrics unter, die sich mit "the internet culture’s obsession with image" beschäftigen. Wer bei "One By One" eingeschlafen ist, wird durch das harte "The Fall" wieder geweckt. Hart aber auch hier nur in abgestumpfter Form. Der "electro-tinged" Titelsong und "The Great Escape" sind weitere nicht sonderlich beeindruckende Durchschnittsnummern. Mit "Pieces" befindet sich zumindest ein weiterer einigermaßen passabler Track auf "The Selfish Age" – wenn da nicht die Produktion wäre!

Das Album wird als "a study in contrasts" angepriesen. So abwechslungsreich sind die Songs darauf aber nicht, sondern irgendwann läuft alles nur noch als abgeschmackter Einheitsbrei im Hintergrund. Wenn das "The biggest, baddest hard rock" ist, den sie kreieren konnten, ist eindeutig noch viel Luft nach oben."On an almost cinematic scale" – ja, das trifft zu, aber nicht im Sinne eines Fritz Lang-Meisterwerks, sondern wie Michael Bays-Popcornkino – aufgeblasen, effektüberladen und inhaltsschwach.

Sehr schade, man kann eigentlich anhand des Albums kaum etwas über die musikalischen Qualitäten von AS LIONS sagen. Das Endprodukt klingt jedenfalls flach und durch und durch mittelmäßig. Wer vor zehn Jahren bei THE USED, MY CHEMICAL ROMACE und FALL OUT BOY die Nase rümpfte, wird sich mit "The Selfish Age" schwer anfreunden können. Wer jedoch OF MICE & MEN, BRING ME THE HORIZON und Konsorten etwas abgewinnen kann, der findet daran vielleicht Gefallen.

Für Fans, die sich die EP "Aftermath" gekauft haben, ist es schade, dass "The Selfish Age" alle vier Songs beinhaltet, was die EP rückblickend wie hinausgeworfenes Geld erscheinen lässt.

"AS LIONS are the evolution of British rock." In dem Fall kann man nur hoffen, dass die Evolution der britischen Rockmusik bald zwei Schritte zurück und dann einen in eine andere Richtung macht.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Brigitte Simon (07.02.2017)

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