SAURON - The Baltic Fog

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VÖ: 03.03.2017
Bandinfo: SAURON
Genre: Pagan Metal
Label: Wheelwright Productions
Lineup  |  Trackliste

Woran denkt man als erstes, wenn man den Namen „Sauron“ hört? Sowohl für den findigen Fantasy-Fanatiker als auch für die meisten anderen, die in den letzten 16 Jahren mal einen Film gesehen haben, bedeutet dieser Name vor allem eines: Die Inkarnation des Bösen. Dies könnte auch der Grund sein, warum SAURON, ihres Zeichens Vorreiter des Pagan Black Metals in Polen, sich dafür entschieden haben, sich nach dem finsteren göttlichen Wesen aus Tolkiens Sagen zu benennen. Die Gesinnung ihres Namensgebers schlägt sich auch unweigerlich in der Musik des Trios nieder, wenn auch, zumindest auf dem kommenden Re-Release von „The Baltic Fog“ aus dem Jahre 1995, in unterschiedlicher Form. Genanntes Werk zeigt in deutlicher Weise den Wandel der Band, stammen die Aufnahmen für die EP doch aus einer Umbruchphase, die das weitere musikalische Schaffen der Musiker aus Radom prägen sollte. Die Devise hierbei war, weg von den Death Metal-Einflüssen und hin zum Black Metal zu gehen, dieser dann noch etwas verfeinert mit textlichen Anleihen des alten Slawentums, und was kam heraus? Eine Mischung, die vor allem für ihre Zeit mindestens interessant war und schnell einige Fans für sich gewinnen konnte. Dieser frühe Erfolg soll jetzt ein Revival auf Vinyl feiern, frisch aufpoliert und bereit, nochmals auf die Metal-Community losgelassen zu werden, mit all den Gräueln, die Mordor zu bieten hat. Bleibt hierbei nur noch die Frage zu klären, ob sich auch die heutige Generation nochmals für das finstere Geschenk begeistern kann, das SAURON ihr hier überreichen will, oder ob sie es in Misstrauen zurückweisen sollte. Nun, es gibt nur einen Weg, das herauszufinden: Hören wir uns also an, was die Band uns hier zu bieten hat!

Was beim erstmaligen Anhören von „The Baltic Fog“ auffällt, ist, dass die Band sich bei ihrer Musik nicht unbedingt an eine festgelegte Formel zu halten scheint, sprich, generischer Black Metal klingt anders. SAURON verschmischt hier einen stark auf „eingängiger Rhythmus“ getrimmten Spielstil mit typischer Black Metal-Stimmung, düster und farblos, genau wie es sein soll. Dabei verlässt sich die Band bei ihren Songs größtenteils auf eine Aneinanderreihung von mehreren, von einer bestimmten Chordfolge geprägten Passagen, die voneinander zwar mehr oder weniger unabhängig sind, sich untereinander aber auch zum Teil wiederholen. Dadurch ergibt sich ein einerseits recht repetitives, andererseits aber auch eingängiges Hörerlebnis, das durch die kurze Spieldauer der Songs auch nicht langweilig wird. Stücke wie „Hellish Requiem“ sorgen durch präzises Drumming in Verbindung mit den meist wenig abwechslungsreichen, aber individuellen Riffs für ein fast militaristisch anmaßendes Feeling. Sie geben dem Hörer ein bedrängendes Gefühl, fast, als würde er das Vorrücken einer Armee durch finstere Steppen verfolgen. Ab etwa der Hälfte der Spielzeit fällt außerdem auf, dass SAURON das Tempo ihrer Songs teils stark anziehen, denn herrschte bis zum Titel „The Baltic Fog“ meist noch gemächliches Mid-Tempo mit einigen Tempowechseln ab und an, so lassen sich ab „In the Shadow of Svantevit“ immer häufiger wahnwitzig schnelle Drum-Passagen ausmachen, die das restliche Instrumental regelrecht mitreißen. So gut das auch klingen mag, so ist das gleichzeitig auch ein zweischneidiges Schwert, denn, fügen sich solche Einlagen bei Songs wie „Necromansy“ noch gut in die Liedstruktur ein, so wirken sie an anderen Stellen mehr als out of place und stören den Hörfluss deutlich. Ein ähnliches Problem sind die (vor allem zum Ende hin) häufig auftretenden abrupten Songenden, die den Hörer mit einem komischen Gefühl im Bauch zurück lassen, fast so, als wären die Songs gekürzt worden.

Dem Leitthema „Rhythmus“ scheint sich SAURON auch bei ihren Vocals verschrieben zu haben, zeichnen sich diese neben den recht generischen, hohen Screams doch vor allem dadurch aus, dass sie sich in der Darbietung stark den Instrumentalparts anpassen. Alles wirkt wie nach einem Reimschema geordnet, in fast unnatürlicher Präzision bringt Vocalist P.W. seine hohen Schreie zwischen den grollenden Gitarren an und verstärkt das Feeling, einer laufenden Armee beim Vorbeiwandern zuzusehen, noch mehr. Zusätzlich werden der Darbietung noch Echo-Effekte hinzugemischt, die wohl der Immersion dienen sollen. Dieser Zweck wird aber nur teilweise erfüllt und hinterlässt eher einen stark gewollten Eindruck, das Weglassen dieser Effekte hätte der EP also wohl kaum geschadet.


„The Baltic Fog“ hebt sich durch seinen teils überraschend schnellen Spielstil durchaus von Genrekollegen ab und überrascht mit viel rhythmischen Feingefühl, das bei vielen Songs an Schlachten aus einer Dark-Fantasy Saga denken lässt. Was jedoch auch auffällt, ist, dass bei SAURON zumindest auf „The Baltic Fog“ noch eine gewisse Unsicherheit darin besteht, was die Band nun sein will, man merkt eben einerseits deutlich, dass die EP ursprünglich kurz nach einer starken Umbruchphase in der Geschichte der Band aufgenommen wurde, andererseits aber auch, dass einige Lieder auf „The Baltic Fog“ deutlich älter sind als andere. Die EP ist deswegen aber nicht gleich schlecht. Sie ist zwar auch kein perfektes Stück Musikgeschichte, aber doch: Songs wie „In the Glare of the Black Candles“ haben einfach was und dieses „etwas“ bleibt einem auch für lange Zeit im Ohr, man kann es auch nicht schlecht finden, selbst wenn man es wollte. Abschließend könnte man also sagen, dass alt-eingeschworene Fans der Band hier wohl ein kleines Stück Vergangenheit in Händen halten und damit auch sicher Freude haben werden, für jüngere Freunde des Pagan und Black Metal, denen die Band davor allerdings völlig ungeläufig war, könnte sich ein Hineinhören jedoch ebenfalls auszahlen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Daniel Csencsics (01.03.2017)

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