FM - Indiscreet 30

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VÖ: 04.11.2016
Bandinfo: FM
Genre: Melodic Rock
Label: Frontiers Records
Lineup  |  Trackliste

"Warum?" Das ist die Frage, die man sich jedes Mal stellt, wenn Bands ihre Klassiker neu aufnehmen. Als Begründung wird häufig angegeben, dass man mit den modernen Aufnahmetechniken mehr aus den Songs herausholen will. Manchmal geschieht es aber auch, weil das Copyright an den originalen Songs einem großen Label statt dem Interpreten gehört. Mitunter kann man sich aber nicht des Eindrucks verwehren, dass es dabei (ähnlich wie bei Remakes im Kino) darum geht, auf Nummer sicher zu gehen. Man macht sich den bekannten und geschätzten Namen des Originals zunutze und vertraut darauf, dass Leute schon alleine deshalb ihre Brieftaschen zücken, egal wie uninspiriert das Produkt geworden ist. Beworben wird das Ganze meist mit den Schlagwörtern: "Neu, zeitgemäß, technisch besser".

Das 1986 erschienene Debütalbum der britischen Band FM, "Indiscreet", gilt gemeinhin als Klassiker des AOR. Dreißig Jahre später entschied man sich dazu, die Songs neu aufzunehmen und das Album unter dem wenig einfallsreichen Titel "Indiscreet 30" zu veröffentlichen. Das Line-up ist zu drei Fünftel noch original, statt Chris Overland und Philip Manchester (damals Didge Digital) sind jetzt Jim Kirkpatrick und Jem Davis als Gitarrist bzw. Keyboarder dabei.

Bei einer Neuaufnahme bietet sich der Vergleich mit der Originalaufnahme an (für alle, die's genau wissen wollen: es wurden die aktuellen Versionen auf mp3 und die 1986 erschienene britische Pressung der LP, Portrait PRT 26827, dafür herangezogen).
Den ersten Song, "That Girl", kennt man auch von IRON MAIDEN, die ihn – ebenfalls 1986 – als b-Side von "Stranger In A Strange Land" veröffentlichten. Die Überraschung ist schon beim ersten Song groß – und erfreulich! Abgesehen von den typischen Unterschieden der verwendeten Medien, fällt vor allem auf, dass der Sound der Neuaufnahmen etwas wuchtiger und vor allem dynamischer klingt. Das trifft auf alle neu eingespielten Songs zu. Besonders auffällig ist es bei "Heart of the Matter", das im Original deutlich "leichter" klingt.
Auffällig ist auch, dass einzelne Songs nun ein bisschen länger sind. Bei "Love Lies Dying" wurde vor dem Ende noch ein extensives Gitarrensolo eingeschoben, das aber sehr gut passt (Kirkpatrick zeigt auf "Indiscreet 30", dass er Chris Overland um nichts nachsteht). In den meisten Fällen, etwa bei "Face To Face", ist man subtiler vorgegangen, da sind verschiedene Teile des Songs um wenige Sekunden länger geworden. Insgesamt kann man sagen, dass die Änderungen kaum merklich sind. So fehlt beispielsweise bei "Other Side of Midnight" das "whoo!" zu Beginn des Titels, was kaum jemand vermissen dürfte, dafür knallt aber der erste Schlag auf die Drums deutlicher. Oder bei "I Belong To The Night", der in der Neuaufnahme ohne den kitschigen, typisch 80er-Jahre, weiblichen Backgroundgesang auskommt. Songs wie "Hotwired" (1986 noch "Hot Wired" geschrieben) sind – vor allem was das Arrangement betrifft – kaum vom Original zu unterschieden.
Alles in allem klingen die Songs noch sehr nach 1980er. Selbstverständlich gibt es ein paar altersbedingte Abweichungen. Steve Overlands Stimme ist nicht mehr ganz dieselbe wie vor 30 Jahren, aber im Gegensatz zu derer mancher Altersgenossen ist sie noch gut in Schuss und lediglich "reifer" geworden. Das verleiht ihr etwas leicht Raues, das aber durchaus angenehm klingt. Auch die Songs scheinen deshalb minimal tiefer gestimmt.

Das Album enthält eine durchwachsene Auswahl an sieben Bonustracks. Darunter eine Akustikversion von "That Girl" (die das Album abschließt) mit Echoeffekt beim Gesang, die etwas schnulzig geraten ist. Schlimm wird es bei "Bad That's Good In You", dessen schmalzige Lyrics schon nah an der Schmerzgrenze sind (die meisten Songs auf dem Album sind, wenn man auf den Text achtet, ziemlich schmalzig). "Shot In The Dark" (bekannt in der Version von Ozzy Osbourne, geschrieben von den Overland Brüdern und Phil Soussan noch vor FM Zeiten), "Let Love Be The Leader", "Rainbow's End", "Love and Hate" und der neue Song "Running On Empty" harmonieren (trotz leichter stilistischer Unterschiede) ganz gut mit den Neuaufnahmen von "Indiscreet".

Ähnlich wie die Songs wurde auch das Cover der CD nur minimal verändert. Gold löst Silber ab (auch der im Original rot geschriebene Albumtitel ist nun gold), alles ist etwas schräg nach hinten gekippt, was das ansonsten aber originalgetreue Design etwas dynamischer aussehen lässt.

"Indiscreet" ist ein Klassiker des 80er-Jahre AOR, mit zahlreichen guten (wenn auch nicht überragenden Songs). "Indiscreet 30" muss sich nicht hinter dem Original verstecken, da es durchaus genauso gut (wenn nicht sogar in manchen Aspekten etwas besser) ist. Wer "Indiscreet" noch nicht besitzt, sollte vor dem Kauf kurz hineinhören und vergleichen. "Indiscreet 30" ist ein Album, an dem auch Leute, die Neuaufnahmen sonst kritisch gegenüberstehen, schwer etwas bemängeln können.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Brigitte Simon (11.02.2017)

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