UNHERZ - Das Volk Stellt Die Leichen

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VÖ: 17.02.2017
Bandinfo: UNHERZ
Genre: Rock
Label: Laute Helden
Lineup  |  Trackliste

Als UNHERZ mit den Aunahmen zu "Jetzt oder nie" begannen, war schon klar, dass es die BÖHSEN ONKELZ in der einen oder anderen Form wieder geben wird. Folglich, vielleicht intuitiv, entschied sich UNHERZ, weniger nach ihren direkten Vorbildern zu klingen und andere Einflüsse zu in ihren Sound hinzuzunehmen, was in einem durchaus kurzweiligem und spaßigem Album resultierte. Inzwischen sind anderthalb Jahre vergangen, die ONKELZ haben selbst ein Album und eine ausverkaufte Tour hinter sich, somit müsste die Devise lauten: Weiter weg von allen Klischees, die Vorbilder Vorbilder sein lassen, weiter in die Eigenständigkeit. Leider passiert auf "Das Volk stellt die Leichen" exakt das Gegenteil: UNHERZ klingen leider wieder nicht anders, als eine beliebige und vollkommen belanglose ONKELZ Coverband.

"Das Volk stellt die Leichen" ist wahninnig gut produziert und klingt inzwischen wie eine Big Budget Veröffentlichung im Genre. Soviel dazu. Auch ihre Instrumente beherrschen die Mörstädter nach wie vor. Stakkatoriffs und Maiden-Leads des superben Gitarrenduos Felix Orschel und Andy Arnold schimmern immernoch in einigen Momenten durch. Das kennt man von UNHERZ, das war ein herausgearbeitetes Trademark. Nur verkommt es auf dem aktuellen Output zum Beiwerk. Das eigentliche Songwriting könnte nämlich uninspirierter nicht sein. Vom Schlagzeugbeat zu den Arrangements zur Akkordfolge im Refrain: Hier ist alles Schema F. Das funktioniert in etwas groovigeren Momenten wie "Flug ohne Landung" ganz gut, geht aber bei ach so plakativen Stücken wie "Mittelfinger" komplett nach hinten los und langweilt nur.

Was dem ganzen die Krone aufsetzt sind die diesmal wieder völlig missratenen Lyrics. Konnte "Jetzt oder nie" durch sehr viel Ironie, Sarkasmus und einfach grundsymphatischen Humor begeistern, so geht es auf dem aktuellen Output nur um totgelutschte Deutschrock-Klischees. Wir sind ausgeschlossen, keiner mag uns, jeder beschimpft uns, alle sind doof und wir müssen zusammenhalten. Und wie schon damals bei "Sturm & Drang" und früheren Alben fragt man sich: Warum? Bei den ONKELZ, die nun mal mit dieser Art Songs und Texte zu schreiben angefangen haben, wurde die Stephan Weidner'sche Lyrik durch unverständliche, schrecklich reale Ereignisse auf grausame Art durch eine natürlich Tragik angereichert, weshalb man, bei aller Kritik, eine unbedingte persönliche Relevanz zugestehen muss. Bei UNHERZ kennt man keine Hintergründe, und darüber hinaus wird nur ums Thema herumgetextet, ohne mal auf den Punkt zu kommen. Das misslingt vor allem bei dem schlicht "Felix" betilteten Stück, bei dem sich der Sänger höchstpersönlich in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, man aber gar nicht so richtig weiß, warum er sich da mit so krassen Themen wie Selbstmord und Co. herumschlägt. Missverständnisse vorprogrammiert. Warum sind UNHERZ Ausgestoßene? Gibt es auch hier eine Not, Durchhalte- und Zusammenheitsparolen zu formulieren? Ohne das "Leiden" zu konkretisieren wird gegen Alles und Jeden geschossen, während man sich als Außenstehender fragt, was die Welt den vier Jungs eigentlich angetan hat. Sicherlich gibt es einen Markt für Blanko-Durchhalteparolen, einen wirklichen künstlerischen Wert kann man dem Ganzen allerdings nicht abgewinnen. Bei "Heimatwind" reißt dann auch der letzte Geduldsfaden. Damit auch wirklich alle Klischees bedient werden, muss UNHERZ nun auch ihre eigene Hymne über ihre Heimat haben. Dabei bedienen sie sich exakt im gleichen lyrischen Rahmen wie die Jungs von FREI.WILD, welche für "Südtirol" gehörig Prügel kassieren mussten, aber auch einen Haufen Publicity erhalten haben. "Heimatwind" versucht nun einfach exakt das Gleiche. Nur kann man dem Thema Heimatliebe weder einen neuen, vielleicht kritischen, oder überhaupt interessanten oder diskussionswürdigen Aspekt abgewinnen, sondern langweilt mit ausgelutschten Reimen, denen man auch noch unverschämte Trittbrettfahrerei unterstellen darf. Das traurige daran: Abseits des missratenen Songtextes wäre "Heimatwind" ein grundsolides, absolut funktionierendes Heavy Metal Stück gewesen.

Lustigerweise ist das poppigste aller Stücke (obwohl man Pop als "heile Welt suggerierend" deklariert), "Helden von Morgen", das Stück mit der breitesten Finesse. Hier treffen Melodik und Produktionswerte auf ansprechendes Songwriting und dezente Texte. Hat man so auch vorher nicht von der Bande gehört. Und das beweist wieder: Wer Experimente wagt, gewinnt, denn die Nummer sicher ist hier tatsächlich der falsche Weg.

Fazit: Wenn "Back To The Roots" nach Hinten losgeht! "Das Volk stellt die Leichen" ist ein völlig generisches, im schlechten Sinne typisches, uninspiriertes und völlig belangloses Deutschrock-Album. Und das ist in der Tat eine traurige Sache, denn UNHERZ haben längst bewiesen, dass sie es besser können. Wer Pathos, Klischee, Parolen und "More Of The Same" sucht, der wird hier fündig. Alle anderen sind mit anderen Releases des Genres, oder einfach dem Original besser bedient.



Bewertung: 1.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (15.02.2017)

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