THUNDER - Rip It Up

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VÖ: 10.02.2017
Bandinfo: THUNDER
Genre: Hard Rock
Label: earMusic
Lineup  |  Trackliste

THUNDER sind zurück mit ihrem zweiten Album seit ihrer zweiten Reunion. Das letzte Album, "Wonder Days", ließ bereits mit überraschend guten Songs aufhorchen und "Rip It Up" muss sich dahinter keinesfalls verstecken.

"Nach den vielen positiven Reaktionen zu "Wonder Days" waren wir sehr euphorisch, was uns in unserer Herangehensweise an das Songwriting und die Aufnahmen sehr bestätigte. Wir beschlossen uns diesmal noch weiter ans Limit zu treiben, um zu sehen was passiert und ich denke man hört genau das im Songwriting und den individuellen Performances. Vor 10 oder sogar noch vor 5 Jahren wären wir nicht gut genug gewesen, um dieses Album zu machen", so Frontmann Danny Bowes.

Wer THUNDERs Karriere lange genug verfolgt hat, weiß, dass die Band zwar immer soliden Hardrock abgeliefert hat, aber nun scheinen sie sich auf einem so bisher noch nie dagewesenen Höhenflug zu befinden.

"No One Gets Out Alive" eröffnet das Album mit einem für THUNDER eher ungewöhnlich langem Intro mit einem sehr eingängigen LED ZEPPELIN Groove (erinnert an "Carouselambra" ohne Keyboards). Auf den sehr eingängigen Uptempo-Song folgt der Titelsong, "Rip It Up", ein klassicher Glam Rock Stampfer (Glam Rock, nicht Glam Metal!) mit Anleihen bei DAVID BOWIEs "Jean Genie". Auch "She Likes The Cocaine", ein Song über eine reale Frau, die die Band schon lange kennt, hat etwas Vertrautes an sich, ohne dass man hier mit den Finger auf einen speziellen Song zeigen könnte, aber er klingt wie etwas, das man sich auch auf einem Album von IGGY POP vorstellen könnte. Auch wenn man sich hier immer wieder von anderen Künstlern inspirieren ließ (wie meinte schon Oscar Wilde "imitaion is the sincerest form of flattery"), klingen die Songs nie wie blasse Imitationen oder plumpe Abkupferungsversuche, sondern sind markante, eigenständige Songs, welche die Handschrift von THUNDER tragen.
Es folgen etwas ruhigere Klänge mit "Right From The Start", einer klassischen Ballade mit sehr viel Gefühl und ausdrucksstarkem Gesang von Danny Bowes. Darauf folgt als Kontrast der Song im modernsten Klangkleid, "Shakedown". Der Uptempo-Song mit seinem etwas aggressiveren Gesang, donnernden Refrains und einem ausgezeichneten, heavy, aber melodischen Solo von Luke Morley, klingt insgesamt ziemlich 'edgy'. Auch thematisch ist der Song bemerkenswert, da er vom ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair handelt, dessen Amtszeit so vielversprechen begann, der dann aber in Ungnade beim britischen Volk fiel, vor allem nachdem er dieses über vermeintliche Massenvernichtungswaffen im Irak angelogen und so in einen sehr unpopulären Krieg geführt hatte.

Danach kehrt man zwar inhaltlich zu klassischem Herzschmerz zurück, musikalisch wird es aber bei "Heartbreak Hurricane" mitreißend stürmisch, melancholisch und sehr atmosphärisch. Wie Luke Morley erzählte, inspirierte ihn bei diesem Song das schlechte Wetter (tja, typisch Brite) im Winter in Brighton dazu, das Wetter als Metapher zu benutzen. Mit "In Another Life" folgt darauf gleich das nächste Highlight auf diesem durchgängig starken Album. Jetzt wird es richtig 'smooth' und bluesig. Das hier STEELY DAN als Einfluss wirkte, ist nicht so offensichtlich wie die Anleihen bei manchen der anderen Songs. In "The Chosen One" widmet man sich einem Thema, das in Großbritannien vor ein paar Jahren für große Aufregung sorgte, dem sog. "Phone-Hacking Scandal" indem ans Tageslicht kam, dass Telefone von Prominenten und anderen Personen, die in den Schlagzeilen waren, vom Medienkonzern News International des umstrittenen Medienmoguls Rupert Murdoch abgehört wurden.
Während "In Another Life" von verpassten bzw. nicht ergriffenen Gelegenheiten handelt, geht es in "The Enemy Inside" um den inneren Dämon (der sich besonders gerne zeigt wenn man zu viel getrunken hat), der einen dazu veranlasst Dinge zu tun, die man im Nachhinein bereut. Einen Tick weniger heavy, dafür etwas fetziger und poppiger wird es bei "Tumbling Down", bevor man im letzten Song, "There's Always A Loser", wieder zu LED ZEPPELIN Anleihen (diesmal "When The Levee Breaks") zurückkehrt, indem man den großen, schweren Sound der Drums mit eher leisen Klängen kontrastiert.

"Ihr elftes Studioalbum beinhaltet ebenfalls elf neue Songs, die den Beweis dafür erbringen, dass diese Band sich immer wieder zu Höchstleistungen antreibt." Sätze wie diesen bekommt man immer wieder in Promoinfos zu lesen. In diesem Fall jedoch ist das Lob berechtigt. "Rip It Up" enthält keine Füller, sondern einen Knaller nach dem anderen. Die Reihenfolge der ohnehin schon sehr abwechslungsreichen Songs macht das Album, das mit jedem Hören immer besser gefällt, noch lebendiger und kurzweiliger. THUNDER zeigen sich hier nun nicht mehr nur als sehr gute Musiker, sondern auch was das Songwriting betrifft in Höchstform.

Das enttäuschendste am Album ist das Artwork. Der Totenkopf mit floralem Muster [Anm. d Lekt: Ist wohl gerade in Mode sowas!] wirkt deplaziert und der weiß-graue Hintergrund lässt das eigentlich sonst sehr stimmige Motiv im Spiegel (das durch den Totenkopf verstellt wird) noch weniger zur Geltung kommen.

Erhältlich ist das Album als einfache CD im Jewel-Case, Deluxe Edition CD im Digipak (3 CDs mit einer Liveshow auf zwei Discs), Vinyl Doppelalbum mit Downloadcode, sowie auf der Website auch auf Musikkassette, goldene Doppel-Vinyl-LP mit Autogramm, oder ebenfalls auf Doppel-Vinyl mit personalisiertem white label Cover.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Brigitte Simon (02.03.2017)

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