WE BLAME THE EMPIRE - These Waves Won't Take Me

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VÖ: 21.01.2017
Bandinfo: WE BLAME THE EMPIRE
Genre: Metalcore
Label: Eigenproduktion
Lineup  |  Trackliste

„Gehasst, verdammt, vergöttert“, so grölte eine hier nicht näher zu beschreibende Band schon in den 90ern aus den MiniDisc-Playern der vermaledeiten Jugend. Die Einen liebten sie, die Anderen hassten sie und das hat sich bis heute nicht geändert. Gleiches wiederfuhr der großen Nu-Metal-Welle Mitte der 90er Jahre und wiederholt sich seit einigen Jahren im Zuge der „Core“ Bewegung. Bands wie AS I LAY DYING (in prison, not in prison any more) und TRIVIUM, die Vorreiter dieser Jugendbewegung waren, gaben bald das Zepter an neuere Bands àla PARKWAY DRIVE oder THE ARCHITECTS ab. Kurze Hosen, ärmellose Leibchen und gerade Kappen auf dem Kopf, wo kommen wir denn da hin, hört man die Menschenmassen schimpfen. Eine Schande für die gesamte Metalfraktion, die Metalfamilie, den Metalgott. „Quorthon dreht sich im Grab um“, „Lemmy sei gar nicht an Krebs gestorben, es war der Metalcore“, „Rob Halford sei gar nicht schwul, der Metalcore hat ihn dazu getrieben“ flüstert man sich während des rituellen Kirchenverbrennens zu. Auf der anderen Seite bildet sich eine Masse der Befürworter: Die Konzerte der Großen sind ausverkauft und viele Kleine sind im Anmarsch um ihnen den Platz streitig zu machen. Die Spreu trennt sich vom Weizen und der Kampf, aus der Masse heraus zu stechen ist kein leichter. Diese Trennung hat auch WE BLAME THE EMPIRE hinter sich: Am Feel The Noise Festival versuchten sie noch ihre Unsicherheiten hinter einer unterdurchschnittlichen David Guetta Nummer zu verstecken. Ein knappes halbes Jahr später legen sie einen Rundling auf den Tisch, der sich gewaschen hat.

„These Waves Won’t Take Me“, so der Name des vorliegenden Stückes, handelt unter anderem vom Umgang der Menschheit mit der Umwelt, was sich konzeptionell wie ein roter Faden durch den ganzen Longplayer zieht. Wird dem Hörer zu Beginn mal ein Brett auf den Kopf gedroschen, erhält er beim zweiten Song „The Last Tide“ das erste Mal die Möglichkeit, sich bei ausgedehnten Gitarrenriffs, Klarstimme und Keyboardhinterlegung etwas zu erholen und wird darauf alsbald wieder gefordert. Breakdowns kommen, wie im Metalcore üblich, dementsprechend oft vor und werden oftmals als Wechsler der Phasen verwendet. Insgesamt wirkt das Werk als Ganzes wahnsinnig ausgetüftelt und technisch ambitioniert. Vor allem Schlagwerk und Gitarre werden gekonnt an den richtigen Stellen bis zum Bersten ausgereizt. 

Mit Brian Pearl (MARROK), Chris Breetzi sowie Stefan Eberl wurden gleich drei Gastmusiker aufs Album gepackt, wobei sich erster und letzterer einen Song teilen. Wird Brian Pearl bei „When The Leaves Turn Red“ als Refrain-Stimme eingesetzt, gibt man Stefan Eberl die akustische Version (Bonustrack) zur Untermalung. Persönlich hätte ich diese nicht gebraucht, kommt sie leider etwas sehr weichgespült rüber und transportiert nicht die Energie (ja auch Akustikversionen können das), die das restliche Album eindrucksvoll wiedergibt.

Drei Gastmusiker, ein Akustikbonustrack und, weil es noch nicht genug ist mit Extawürsten, wurde das Video zum Lied „Broken Home“ gemeinsam mit Sea Shepherd produziert und auch mit deren Filmmaterial untermalt. Dafür haben wir uns auch mit den Jungs von Sea Shepherd und WE BLAME THE EMPIRE unterhalten.

In Summe ein bomben Erstling, den die Oberösterreicher hier vorlegen. Technisch eine Wucht, eine geniale Produktion und wieder einmal ein Beweis, dass Metalcore anscheinend noch lange nicht Geschichte ist und schon gar nicht zu Tode gedroschen wurde. Dies ist natürlich ausgezeichneten Musikern zu verdanken, die sich mit ihrem Können vom Core-Sumpf emanzipieren. Man darf gespannt auf weiteres sein.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Kalti (21.02.2017)

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