Nightmare - Dead Sun

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VÖ: 25.11.2016
Bandinfo: Nightmare
Genre: Heavy Metal
Label: AFM Records
Lineup  |  Trackliste

Große Veränderungen im Hause NIGHTMARE: Mit Jo und David Amore verließen gleich zwei langjährige Weggefährten von Gründungsmitglied Yves Campion die Mannschaft. David Amore (Drums) wurde für das neue Album "Dead Sun" durch Olivier Casula ersetzt, während Jo Amore durch Sängerin Magali Luyten (am ehesten bekannt durch das kurzzeitige Uli Kusch Vehikel BEAUTIFUL SIN) ersetzt wurde. So müssen Fans der Grenobler Truppe nicht nur den Ausstieg ihres seit 2001 durchgängigen Langzeitfrontmannes verschmerzen, zusätzlich muss ein Vorzeichenwechsel am Sängerposten verkraftet werden. Solche Wechsel sind natürlich immer sehr spannend und im Ausgang ungewiss. Nimmt man sich die Schweden ARCH ENEMY als Beispiel, so fungierte dieser Wechsel als Karrierekatalysator, während es Timo Tolkki und seinem versuchtem Pressestunt nach der Jahrtausendwende die Karriere kostete, ohne dass eine einzige Note gespielt wurde. Zumindest bezogen auf die Qualität von "Dead Sun" kann Entwarnung gegeben werden: Die neuen NIGHTMARE klingen frisch und energetisch wie lange nicht.

In den ersten Takten von "Infected" wird direkt klar: NIGHTMARE wollen mit dem Wechsel nichts weniger als ein großes Ausrufezeichen setzen. Luytens erste Aktion ist ein fieser Schrei, den man eher von Kolleginnen wie Sabina Classen (HOLY MOSES) oder Britta Görz (CRIPPER) erwartet hätte. Dazu knallt ein donnernder Blastbeat aus den Boxen, begleitet von brutalen Thrash Riffs. Oh yeah, das geht ab! Luytens rauher Gesang erinnert jetzt an BENEDITCUM und Veronica Freeman, die moderne Ausrichtung des Songwritings lässt auch eine gewisse Nähe zu EXILIA zu. Auch der Nachfolger "Of Sleepless Mind" sowie die späteren "Red Marble & Gold" und "Ikarus" sind überraschend moderne, knallharte Power-/Thrash Songs, wie man sie in dieser Konsequenz nicht hätte erwarten können. Klar ist: Der Wechsel am Gesang soll gleichzeitig ein Neustart sein, und wenn die Reise hierhin geht, so darf man hoffen, dass sich NIGHTMARE bald ans obere Ende der Billings spielen wird. Diese neu gewonnene Härte macht absolut süchtig! Wenn man unbedingt Vergleiche ziehen muss, dann fallen MYSTIC PROPHECY oder die verblichenen SONS OF SEASONS ein. Mit female-fronted Kollegen wie BATTLE BEAST, CRYSTAL VIPER, HUNTRESS und Co. hat man hingegen auch nach dem Sängertausch herzlich wenig zu tun.

Wer jetzt Angst hat, der bandtypische Power Metal Sound wäre verschwunden, keine Sorge, ganz so krass ist es nicht. Den Songtitel "Tangled In The Roots" darf man gerne wortwörtlich nehmen, ohne die klassischen Trademarks wird NIGHTMARE wohl nie existieren, dementsprechend eingängig melodisch treibt der Song nach vorne. Ebenso das spätere "Inner Sanctum": Eine Hymne, wie man sie sich wünscht! Der Mittelteil des Albums ist etwas gemäßigter gestaltet – eine kleine Pause nach diesem fulminanten Start hat man sich auch verdient. "Indifference" fällt im hochwertigen Gesamtbild etwas zurück, das Titelstück gestaltet sich nicht nur dank des gut eingesetzten Kinderchors als absolut episch. Auch die Produktion ist für NIGHTMARE-Verhältnisse gewohnt druckvoll und dynamisch, vielleicht etwas zu artifiziell geraten, was gerade den vielen Thrash-Elementen ein wenig Authentizität nimmt. Die durchgängig hohe Qualität der einzelnen Songs erweist sich zudem als Fluch und Segen zugleich. Jeder einzelne Song für sich funktioniert spitze, doch in der Summe fehlen dahingehend richtige Ausreißer nach oben, echte Hits. Kompositorisch ähneln sich die Stücke ein wenig zu sehr, so dass "Dead Sun" besser als lose Songsammlung anstatt als durchkonzipiertes Album funktioniert. Aber das ist meckern auf hohem Niveau!

Fazit: Die Frischzellenkur ist NIGHTMARE mehr als gelungen. Nicht nur der Wechel von Sänger auf Sängerin funktioniert auf songwriterischer Ebene prächtig, auch scheint er der Band eine neu gewonnene Spielfreude entlockt zu haben. Gleichtzeitig ist "Dead Sun" das mit Abstand härteste Album der Bandgeschichte, zu dem Magali Luyten passt wie der Topf auf den Deckel. NIGHTMARE, jetzt lasst euch in unseren Breitengraden etwas häufiger sehen, damit ihr endlich die Beachtung findet, die euch schon lange zusteht!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (19.02.2017)

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