NOCTEM - Haeresis

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VÖ: 30.09.2016
Bandinfo: NOCTEM
Genre: Death Metal
Label: Prosthetic Records
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Lineup  |  Trackliste

Dass die nordischen Todesknüppler auch im sonnigen Süden, genauer gesagt auf der Iberischen Halbinsel, Außenstellen betreiben, wird wohl dem einen oder anderen noch nicht so geläufig sein. Auch der kleine Stormbringer-Schreiberling war bass erstaunt, als er vor nicht allzu langer Zeit bei einem Konzert von den feschen Herren von NOCTEM gepflegt die Fresse poliert bekam. Mit dem damals aktuellen Album „Exilium“ im Gepäck, konnten die Spanier mit ihrer brachialen Mischung aus technisch geprägtem Black und Death Metal mit Symphonischen Einsprengseln ohne Umschweife zünden. Nun steht die Truppe mit neuem Futter in den Startlöchern, das als „Haeresis“ betitelt die Apokalypse entfesseln möchte.

Lauscht man dem Opener „Through The Black Temples Of Disaster“, einem in die Wirklichkeit geschwappten, fieberndem Wahntraum, so wird gleich klar, dass NOCTEM nicht nur versprechen, die Apokalypse zu entfesseln – sie tun es einfach. Sparsam eingewobene orchestrale Parts und Chor-Einlagen halten das Interesse hoch und erinnern ein wenig an SEPTICFLESH (Christos Antoniou zeigte sich auch unterstützend für ebenjene Arrangements verantwortlich), während in den rasenden, technisch geprägten Abschnitten des Albums ein bisschen in Richtung FLESHGOD APOCALYPSE geschielt wird, ohne in deren Bombast zu kippen. Auch einen kleinen Teil DIMMU BORGIR kann man heraushören, beispielsweise in „The Paths Of The Lustful Abandon“, das weniger auf Schnelligkeit setzt, aber insgesamt am symphonischsten einher kommt.

Am stärksten sind NOCTEM aber, wenn sie sich in absoluter Blastbeat-Raserei ergehen, was großartige Highspeed-Brecher wie „The Submission Discipline“ oder „Conjuring Degradation And Morbidity“ beweisen. Auch die Verbindung von weniger harschen Klängen (geradezu sphärische Parts im Rausschmeißer „Pactum With The Indomitable Darkness“!) mit gnadenlosem Geböller beherrschen die Spanier grandios – abwechslungsreiche Titel wie „The Dark One“ mit seinem getragenen Mitteilteil machen Laune! Im gemäßigteren Tempobereich („Blind Devotion“) machen NOCTEM ebenfalls durch technische Ausgefeiltheit von sich reden, doch insgesamt bleiben gerade die mehr in weniger irrsinnigen Geschwindigkeitsregionen angesiedelten Teile eher blass, und es fehlt trotz außerordentlicher Instrumentierung der Punch, der einem die Beißerchen aus der Kauleiste haut.

Trotz ein paar Schwächen durch gefühlt zu zahme Abschnitte, liefern NOCTEM mit „Haeresis“ ein ganz gewaltiges Statement ab. Ein ausgefeilter, technisch herausragender Bastard aus Schwarzmetall und Todesblei, mit sparsam und unaufdringlich eingesetzten Orchester- und Chor-Parts, der dem Hörer so dermaßen in den Arsch tritt, dass es fast unmöglich ist, diese Scheibe nicht zu mögen. Wer den Irrsinn einer FLESHGOD APOCALYPSE ohne den ganzen Klimbim mit dem Bolzenschussgerät in den Frontallappen gehämmert bekommen möchte, der ist bei NOCTEM an der richtigen Stelle! Mit diesem Album im Rücken MÜSSEN die Spanier ganz einfach den Durchbruch schaffen!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (25.02.2017)

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