PILLORIAN - Obsidian Arc

Artikel-Bild
VÖ: 10.03.2017
Bandinfo: PILLORIAN
Genre: Black Metal
Label: Eisenwald Tonschmiede
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Ein mittlerer Schock war das, als AGALLOCH letztes Jahr ihren Split-Up bzw. die Auszeit für unbestimmte Zeit verkündet haben. Sicherlich war "The Serpent & The Sphere" meilenweit davon entfernt, ein dem Niveau der Amerikaner entsprechend starkes Album zu sein, aber sowas kann ja meist schon von einem Werk zum nächsten variieren, sodass einem ein solcher Ausrutscher bei einer ansonsten fantastischen Diskografie auch einfach mal unterlaufen kann, ohne dass man direkt die düstersten Untergangsszenarien bemühen müsste. Dass in diesem Fall aber zwei gänzlich neue Bands entstanden sind, spricht wohl oder übel eine klarere Sprache und erinnert mich persönlich ein wenig an die Causa NEGURA BUNGET. Wenngleich diese sich natürlich nicht aufgelöst haben, sondern nur in eine andere stilistische Abzweigung wuchern, besteht bei ihnen und dem aus dem Bruch hervorgegangenen Projekt DORDEDUH zumindest meinem Geschmack nach das Problem, dass das alles ganz prima klingt, man aber, vor dem Hintergrund solcher Alben wie "Om" und "n Crugu Bradului", gemeinsam nochmal ein deutliches Stückchen stärker aufgestellt wäre. Aber so ist das eben, wenn Menschen auf unterschiedlichen Ebenen keinen gemeinsamen Nenner mehr finden können - ein natürlicher Prozess, bei dem eine Trennung weitaus sinnvoller ist als auf Teufel komm raus neue Musik hinzuschludern. Um meinen kleinen, ursprünglich eigentlich nur inneren Monolog abzuschließen: Kann man im Falle von PILLORIAN und dem Debüt "Obsidian" ein ähnliches Muster erkennen, oder hat John Haughm hier seinen Heiland gefunden?

Ich muss zugeben, dass ich nach dem Verzehr der ersten Single "A Stygian Pyre" reichlich unterwältigt war, um den Sachverhalt mal so nüchtern wie möglich darzustellen. Dieser Eindruck hat sich aber bereits nach dem ersten Durchlauf von "Obsidian Arc" in eine zunächst angenehm überraschte, schließlich dann, nach weiteren Anläufen, sogar in eine schwer beeindruckte Form gewandelt. Zunächst einmal gilt zu sagen, dass man nicht denselben Fehler wie ich begehen sollte, aufgrund des unverkennbaren Gesangs von Herrn Haughm einen kristallklaren AGALLOCH-Nachfolger zu erwarten, der durchweg alle vertrauten Charakteristika bedient. Diese sind zwar unschwer herauszuhören, werden aber mit erhöhten Black- und Dark-Metal-Anteilen vermengt, was "Obsidian Arc" gleichermaßen vertraut und neu erscheinen lässt. 

Wie man in diesen Zeilen bereits herauslesen kann, ist "Obsidian Arc", auch wenn das finale "Dark Is The River Of Man" mit dem begeisternden Klargesang und seiner melodischen Death-Doom-Stilistik im Stile von DAYLIGHT DIES enormes Song-of-the-year-Potenzial bündelt und damit heraussticht, meiner Ansicht nach kein Werk voller Einzelkönner, sondern ein schlüssiges, ganzheitliches Kunstwerk, das am Stück aufgenommen werden will und diese Forderung mit seinem enormen Spannungsbogen von den ersten Akustikgitarren-Tönen in "By The Light Of A Black Sun" an auch unterstützt. Der folgende Übergang zur Cascadian-Black-Metal-Atmosphärik wurde formvollendet gebaut und stellt gleichzeitig eine Vorschau der zu erwartenden Marschrichtung dar, die wie in "Archaen Divinity" beispielsweise aber auch mal eine deutlich klassischere Gestalt annehmen kann.

Besonders viel Wert legen PILLORIAN dabei auf ihre klaren Songstrukturen und auf den stets weitläufigen Aufbau eben jener, was durch die ausgedehnt-intensiven, harmonischen Instrumental-Passagen nicht nur die düstere Grundstimmung konserviert, sondern sich dadurch auch immer wieder hin zu großen Pointen ("The Vestige Of Thorns") zuspitzt. Auf ähnliche Weise beginnt auch "Forged Iron Crucible" zunächst mit Dark-Ambient-Versatzstücken und Akustikgitarren, ehe es im weiteren Verlauf zu einem Hybrid aus Raserei und akzentuierter Melodiösität heranwächst, während immer wieder an AGALLOCH erinnernde Klargesänge durchscheinen und die Melange abrunden. Dass man dann auch noch dem bereits erwähnten Übersong "Dark Is The River Of Man" mit "The Sentient Arcanum" ein Interlude aus grollendem Drone und tiefen Chören voranstellt, mag für den ein oder anderen unnötige Zierde sein, erweist sich in meiner Wahrnehmung aber als perfektes Zuspiel für den großen Schlussakt eines wahrlich großartigen Albums.

Eines großartigen Albums, bei dem ich vorab einige Bedenken ob der zu modernen Produktion oder des als Single nicht wirklich tauglichen "A Stygian Pyre" hatte. Im Nachhinein amüsiere ich mich darüber, weil "Obsidian Arc" nicht nur ein enorm stimmungsvolles, sondern auch ein mit hohem Wiedererkennungswert und Langzweitwirkung ausstaffiertes Werk ist, das der hohen Erwartungshaltung gerecht werden kann und den Bruch von AGALLOCH verschmerzen lässt. Bleibt nun noch abzuwarten, was die restlichen Ex-Mitglieder mit KHÔRADA erreichen können. PILLORIAN jedenfalls sind nicht nur der augenscheinlich gefundene Heiland für John Haughm, sondern eine echte Bereicherung für das Genre, was natürlich auf weitere Großtaten hoffen lässt.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (09.03.2017)

WERBUNG: Hard
WERBUNG: The Adicts - And It Was So!