BLACKENED SYMPHONY - Blackened Symphony

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VÖ: 24.02.2017
Bandinfo: BLACKENED SYMPHONY
Genre: Electro Metal
Label: Art Gates Records
Lineup  |  Trackliste

Wer hätte gedacht, dass sich hinter einer Band mit einem doch sehr anmutig klingenden Namen wie BLACKENED SYMPHONY etwas anderes als eine Metal-Band mit deutlichem orchestralem Einschlag verbirgt? Nun, für all jene, die genau das erwarteten, als sie den Namen das erste Mal gelesen haben, denen sei gesagt, dass der Schein hier trügt. Hinter der romantisch anmutenden Fassade versteckt sich eine Gruppe von Musikern, die einen deutlich anderen Weg geht. Wo vor einigen Jahren noch unterdurchschnittlicher Symphonic Black Metal erblühte, spielt sieben Jahre nach „Eyes of Eternity“ eine gänzlich veränderte Band einen gänzlich veränderten Musikstil. Ja, die aktuelle Musik der Italiener lässt sich eher mit einem Besuch eines Raves als mit einem feinen Abend in der Oper vergleichen, ist doch das wohl am eindeutigsten herrausstechende Stilmittel der Band der mehr als häufige Gebrauch von Elementen der elektronischen Musik.
Einige mögen ab dem jetzigen Zeitpunkt bereits mit hochgezogener Augenbraue und verdrehten Augen vor dem Bildschirm sitzen, doch erschien die zugegeben etwas eigenwillige Mischung aus Metal-Elementen, Trance-Einflüssen und hauptsächlich klarem Gesang zumindest auf den ersten Blick recht interessant, obgleich von Bands wie ENTER SHIKARI schon lange Zeit ebenfalls Konzepte rund um elektronische Musik verfolgt werden. Im Gegensatz zu diesen lässt sich BLACKENED SYMPHONY aber tatsächlich noch im Bereich des Metal ansiedeln, weswegen Neugier wohl angebracht war. Doch was hat die Band nun tatsächlich zu bieten? Nur eine schlichte Aneinanderreihung von kaum harmonierendem Stückwerk, oder war doch mehr von den Individualisten aus Italien zu erwarten?

Hört man sich den Opener des Albums, „Slave of Ourselves“ an, so macht sich zumindest eine nicht zu bändigende Neugier breit, erinnert der Song doch eher an die musikalische Untermalung eines Horror-Films als an die Einleitung eines vor Trance strotzenden Metal-Albums. Der Song besteht aus einem ruhigen, harmonischen Klavierintro, das nach und nach immer disharmonischer und verzerrter wird, was den Hörer mit einem stark beklemmenden Gefühl im Bauch zurücklasst. Diese Beklemmtheit verschwindet mit der Überleitung zu „Chain“ jedoch binnen Sekunden (was wirklich eine verpasste Chance war, eine dichte Stimmung länger aufrechtzuerhalten) und die Band zeigt ihr wahres Gesicht. Die Instrumentals der Band zeigen sich zu meister Zeit als sehr eingängig, wenn auch technisch nicht zu ausgeklügelt. Meist dominieren in den nie zu lang geratenen Songs einfache Songstrukturen, was für ein kurzweiliges Hörerlebnis sorgt, wobei hier der Song „Looking Through Suicide“ mit seinen etwas holprigen und unausgegorenen Tempowechseln unangenehm aus der Reihe fällt.
Den im Grunde recht simplen Songs wird, ganz klassisch, oftmals mit sehr melodischen Gitarrensoli zusätzliche Würze verliehen, was BLACKENED SYMPHONY auch durchaus gelingt und den Hörfluss angenehm auflockert. Was den wahren Reiz von „Blackened Symphony“ ausmacht ist jedoch tatsächlich, wie gut sich die elektronischen Elemente, die die Band spätestens ab „Looking Through Suicide“ exzessiv in ihrer Musik einsetzt, in das Gesamtbild einfügen. Es handelt sich dabei um mehr als nur einige minimalistische Effekte, tatsächlich spielen die über lange Strecken eingesetzten synthetischen Klänge in fast allen Songs eine tragende Rolle, was zusätzlich die recht simplen Strukturen, auf die sich die Band zu großen Teilen verlässt, verschleiert und ein interessantes und gleichzeitig leicht verdauliches Hörerlebnis ermöglicht. Besonders fällt hier der Song „One Day“ auf, bei dem die Band eine fast perfekte Aufteilung aus Gitarrengewalt und elektronischen Klängen findet.

Auch in Sachen Gesang gehen BLACKENED SYMPHONY ihren eigenen Weg, was größtenteils an der Stimme und Gesangstechnik des Vocalists liegt. Diese lassen sich im besten Falle als „einzigartig“ und im schlechtesten Falle als „ziemlich unausgereift“ bezeichnen. Einerseits wird hier durch einen gedrückten, tiefen Gesangsstil gepunktet, der zwar im ersten Moment befremdlich wirkt, sich aber relativ gut in das Gesamtbild einfügt. Allerdings muss man hier auch sagen, dass teilweise Passagen in verschiedenen Songs schlichtweg „schief“ und oftmals auch zu sehr gewollt klingen. Obgleich auf „Blackened Symphony“ zu großen Teilen auf Klargesang gebaut wird, kommen auch Screams und Growls zum Einsatz, die mit dem Instrumental ebenfalls gut funktionieren, dies jedoch ohne je wirklich positiv herauszustechen. Für das, was es ist, ist es jedoch ausreichend.

Das musikalische Highlight des Albums stellt zweifellos „40 Seasons“, der wohl härteste und auch agressivste Song des Albums, dar. Dies rührt daher, dass er die über das restliche Album vorkommenden Schwächen in weiten Stücken auszublenden versucht: Stimmungs- und Tempowechsel funktionieren relativ gut, der Klargesang ist ausreichend und wirkt nicht länger wirklich befremdlich, die exzessiv eingesetzten elektronischen Elemente fügen sich nach wie vor sehr gut in das Instrumental ein und endlich schaffen es auch die sonst eher im Hintergrund gehaltenen Gitarren aus dem Schatten der Trance-Elemente zu treten. Den Song als Meisterwerk zu bezeichnen ist wohl mehr als übertrieben, doch kann man ohne schlechtes Gewissen sagen, dass „40 Seasons“ zumindest hörenswert ist.

Was ist nun dieses doch recht eigenwillige Werk aus dem Hause BLACKENED SYMPHONY? Nun ja, zweifellos kann man sagen, dass Hörer, die eine Abneigung gegen elektronische Musik haben, hiermit keine Freude haben werden. Fast alle der zehn Songs, die das Album beinhaltet, sind vollgepumpt mit elektronischen Effekten und Geräuschkulissen, die gerne auch mal eher an eine Disco als ein Metal-Album erinnern, damit aber auch einen ganz eigenen Flair entwickeln. Wer sich mit derartigen Experimenten allerdings arrangieren kann oder sogar Gefallen daran findet, den erwartet ein Album, das sehr weit weg von perfekt ist, jedoch durchaus seinen Charme hat und einige recht solide Songs bietet.

 

Noch vor einigen Jahren verfolgte die Band noch einen gänzlich anderen musikalischen Stil, der in eine weitaus düsterere Richtung ging. Mehr dazu erfahrt ihr im Review zu "Eyes of Eternity"

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Daniel Csencsics (28.02.2017)

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