FROWNING - Extinct

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VÖ: 17.02.2017
Bandinfo: FROWNING
Genre: Doom Metal
Label: Black Lion Productions
Lineup  |  Trackliste

Seitens der Stormbringer-Belegschaft wird mir ja gerne mal die Rolle des baumschmusenden Nackttänzers (in vorzugsweise skandinavischen Forsten) angedichtet, aber manchmal, also ganz selten, reichem dem Mr. Obscura auch von grellem Fackelschein geflutete Katakomben - dort ist die Geräuschkulisse nämlich auch nicht zu verachten. Um nun aber den nötigen Ernst und gebührenden Respekt für ein stattliches Funeral-Doom-Album einkehren zu lassen, spannen wir an dieser Stelle einfach den Bogen zum sächsischen Ein-Mann-Projekt FROWNING, das dieser Tage seine zweite finstere Ausgeburt namens "Extinct" in die kalten, lebensverachtenden Hallen aus Stein hinabgelassen hat. Besonders beachtlich ist dabei, dass der dafür verantwortliche Mann, Val Atra Niteris, gerade einmal 22 Jahre jung ist und bereits mit dem vor drei Jahren erschienenen Debüt "Funeral Impressions" in der oberen Rängen des Genres Platz genommen hat.

Spätestens nach den ersten tonnenschweren Riffwänden und den daneben immer wieder aufflackernden, einschneidenden Melodien in "Nocturnal Void" weiß man auch direkt, warum das erstens nicht ganz unberechtigt sein kann und zweitens - noch viel wichtiger -, was einen in der kommenden Stunde erwartet - nämlich: erdrückende Schwermut und ausweglos erscheinende Untiefen in vier Akten; dazu ein mehr als nur interessanter Tribut an Frédéric Chopins prägenden Trauermarsch.

Auf jeden Fall hat "Extinct" das nötige Handwerkszeug, um bei Funeral-Doom-Fans einschlagen zu können: andächtige, melancholische Passagen, die den einengenden Griff der schleppenden Gitarren kurzzeitig lösen. Schürfende, klaftertiefe Growls. An dunklen Ambient erinnernde Tonfolgen, die der Rast dienen. Und natürlich die begrabenden Saiter, die, sofern man in Stimmung ist, ihre hypnotische Wirkung freisetzen. Besonderes Highlight ist dabei das 20-minütige "Buried Deep", das zunächst mit Orgelklängen und weiblichen Chören einleitet, später dann aber das komplette Repertoire so souverän abspult, dass man sich an Genreprimi wie AHAB, SHAPE OF DESPAIR oder auch MOURNFUL CONGREGATION erinnert fühlt.

Das heißt gleichzeitig natürlich auch, dass FROWNING mit "Extinct" qualitativ gar nicht so weit von den zitierten Bands weg sein kann, was für einen 22-jährigen, der das alles ganz alleine stemmt, natürlich ein riesiges Lob ist. Das Songwriting ist sehr reif, die Produktion seht völlig im Dienste des Funeral-Doom-Trademarksounds und gerade bei den ruhigeren Akzenten merkt man, dass von diesem Projekt noch weit größere Alben als ohnehin schon zu erwarten sind. Wirklich respektabel, diese Leistung, chapeau!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (05.03.2017)

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