SOUND STORM - Vertigo

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VÖ: 02.12.2016
Bandinfo: SOUND STORM
Genre: Symphonic Metal
Label: Rockshots Records
Lineup  |  Trackliste

SOUND STORM entführen uns auf eine musikalische Reise nach „Vertigo“, einer Insel mitten im Nirgendwo. Dort tauchen wir ein in eine Welt, die im 19. Jahrhhundert stecken geblieben ist. Die Industrielle Revolution ist in vollem Gange, der Schrei nach Schönheit, Kunst und Wissenschaft allgegenwärtig. Die Geschichte um „Vertigo“ kreist also um die Protagonisten Mariel, ein Denker und Wissenschaftler, seiner Frau und Alice, deren Tochter. Und darum, was passiert, wenn Wissen, Können und Technik zu einer Obsession werden, derer man sich nicht mehr erwehren kann. Wenn eine gesunde Grenze überschritten wird und der Wahnsinn naht. Wenn man sich plötzlich in die eigene, persönliche Hölle manövriert hat, weil man all das umgekehrt hat, was man ursprünglich erreichen wollte. Eine Bildgewalt, die bei epischen und symphonischen Bands eigentlich nicht ungewöhnlich ist. Doch SOUND STORM setzen noch einen drauf und verfilmen ihr eigenes Album, kreieren eine zehnteilige „Serie“ aus ihrem eignen Soundtrack. Wie das aussieht, kann man als Vorgeschmack schon einmal im Musikvideo sehen, die weiteren Episoden werden sich mit der Zeit enthüllen. Doch was wir schon haben, ist die Musik. Und darum soll es uns nun hauptsächlich gehen. 

Es ist kein großes Geheimnis, dass die Italiener von SOUND STORM ganz groß im symphonischen Metal mit viel epischem Beiwerk, großen Melodien und Kompositionen sind – werden diese Attribute der ein oder anderen italienischen Band wohl auch schon in die Wiege gelegt. „Vertigo“ als Konzeptalbum und Soundtrack fährt hier nun allerdings mit Allem auf, was man im Symphonic Metal nur erwarten kann. Weiterhin stark sind teils bombastische instrumentale Teile, große Melodielinien und durchaus virtuose Passagen vertreten. Dazu die kraftvolle Stimme, die mit einigem Pathos daherkommt. Um den Sound in Richtung Cineastik noch weiter zu verfeinern, wird neben den klassischen Intermezzi an Streichern und Piano auch einiges an choralem Aufgebot mit eingemengt. Und so entsteht ein Album voller symphonischer Power, manchmal verträumten, klassisch angehauchten Beiträgen und epischer Tragweite. Wer allerdings glaubt, in „Vertigo“ ein Song-nach-Song-Album zu finden, das jeden Track in sich abschließt und mit Verse-Chorus-Verse arbeitet, soll hier eines Besseren belehrt sein. SOUND STORM haben es durchaus drauf, die Kunst der Komplexität mit großer Eingängigkeit zu vereinen, verschachteln ihre Kompositionen allerdings ordentlich ineinander. Es wird mit Tempowechseln, vokalen und choralen Stilmitteln, in Dynamik und instrumentaler Zusammensetzung gespielt, während einerseits auf minimalistische Ausdruckweise, dann auf einen epischen Gesamtton und schließlich auf ein virtuoses Solo gesetzt wird. Und das alles in einem Song. Ein einheitlich durchgetragener Song, ohne Wendungen und Windungen wäre den Italienern wahrscheinlich zu banal. Dadurch entsteht eine bestimmte aufmüpfige Unruhe, die Fans des Genres zwar nicht unbekannt sein wird, doch SOUND STORM scheinen es hierbei auf die Spitze zu treiben. Und das, ohne dass dies der Soundqualität und der Eingängigkeit der Songs abträglich wäre. 

Mit „Vertigo“ haben die Italiener von SOUND STORM ein Werk geschaffen, das den Brückenschlag zwischen Komplexität und Eingängigkeit zu machen vermag. Musikalisch treiben sie es ohne Zweifel auf gleicher Augenhöhe mit anderen, bekannten Genregrößen, die sich allerdings auch weniger an derart verschacheltem Songaufbau vergreifen. So wage ich sogar zu behaupten, dass SOUND STORM über die Genre-Grenzen hinaus auch durchaus einem „progressiv geschulten Gehör“ sehr zuträglich wäre, während natürlich Fans der gehobenen Unterhaltung, denen Verse-Chorus-Verse nicht ausreicht, hier überaus willkommen sind. Nicht zu vergessen, das gedanklich weitergesponnene Konzept der Band, ihre musikalischen Visionen auch in Bild und Ton umzusetzen. „Vertigo“ ist ein großes Album, das wohl allerdings den symphonischen „Mainstream“ leider noch nicht erreichen wird. 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (04.03.2017)

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