FERDY DOERNBERG + ANKE SOBEK - Käpt'n Helge zieht auf's Land - Ein Kinder-Rock-Musical

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VÖ: 17.03.2017
Bandinfo: FERDY DOERNBERG + ANKE SOBEK
Genre: Rock
Label: Sunny Bastards
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Ein rockiges Hörspiel für Kinder ist im Umlauf, noch dazu auf Deutsch - also nichts wie hin und schnapp!
Warum? Weil es mal was völlig anderes ist, weil ich die traditionellen Kinderlieder schon nicht mehr hören kann, und weil ich in unmittelbarer Nähe die Zielgruppe greifbar habe, von der ich mir zusätzlichen Input holen kann. Denn, seien wir ehrlich, wir altgedienten Rocker sind nicht unbedingt diejenigen, die Songs wie "Mit dem pinken Käfer auf der Autobahn" oder "Das Schaf geht heute zum Friseur" beurteilen sollten. Okay, ich kann mir einige vorstellen, die Nummern wie "Zähne putzen" mit voller Lautstärke und grölend um vier Uhr früh anhören, nachdem sie ausreichend getankt haben und alle Udo Jürgens, Karel Gott und Peter Alexander Songs durch sind. Aber wie gesagt, eine Beurteilung für Metaller ist heute nicht Ziel der Sache, sondern das Bewerten einer Kinder-Rock-CD für Kinder.

"Käpt'n Helge zieht aufs Land" ist eine gut durchdachte und humorvolle Idee von Tausendsassa Ferdy Doernberg und Anke Sobek. Er im Musical als "Bauer Ferdinand" unterwegs, Sie als "Anke Panki", während im Real Life Anke hauptsächlich mit Bass oder Kontrabaß auf der Bühne steht und Ferdy Songwriter und Multi-Instrumentalist ist, der zum Beispiel mit AXEL RUDI PELL oder SAINTED SINNERS spielt.

Die Aktivitäten in der Rock/Metal-Szene sowie die Bekanntschaft mit zahlreichen Musikern hat schließlich dazu geführt, dass auf "Käpt'n Helge" über 60 Mitwirkende sind, angefangen von Musikern, die mitspielen, bis zu Sprechern oder Sängern, die die einzelnen Szenen zum Leben erwecken und eben auch die Leute, die ganz kleine Rollen haben. So haben wir eine köstliche Sabina Claasen (HOLY MOSES), die das "Heavy-Metal-Schwein" zum Leben erweckt oder einen überzeugenden Daniel Schulz (UNZUCHT), der als Carlos der Stier recht züchtig auftritt. Also ziemlich viele Leute mit Rang und Namen, die sich auf diesem Album die Klinke in die Hand drücken.

Wie kommt man nun auf die Idee, als Rocker bzw. Metaller, eine Kinder-CD mit Rockmusik zu machen, werden sich jetzt sicher einige fragen. Einerseits, weil der eigene Hund nur ein Auge hat und so die Idee vom einäugigen Piratenhund Käpt'n Helge entstehen ließ, andererseits, weil Rocker auch mal was anderes aus dem Kinderzimmer hören wollen, als sonst üblicherweise gespielt wird.

Nun zum Inhalt des Hörspiels:
Es ist eine liebevoll und lustig erzählte und gesungene Story über einen einäugigen Mops, der mit seinem Frauchen aufs Land fahren muss, um das Haus der Tante zu hüten. Somit kommen Frauchen und Hundchen (besonderes Merkmal: zwei eingefleischte Großstadtbewohner) zum ersten Mal so richtig in Kontakt mit dem Landleben und sehen Pferde und Kühe, machen Bekanntschaft mit Bauer Ferdinand oder Heinz dem Schäfer und bekommen typische Landprobleme zu spüren, wie die, dass der böse Marder Franzl diverse Schläuche im Auto durchknabbert und sie daher nicht mehr weiter fahren können. Sehr witzig hier der Wiener Dialekt des Marders, den man auf dieser CD eigentlich nicht vermuten würde.

Bei meinen zwei Probanden kamen vor allem die Songs "Zähne putzen" (weil man hier Leberwurst verwendet), "Das dicke Pferd von nebenan" und das "Heavy Metal Schwein" gut an. Fasziniert war ich, dass sie sich nach nur einem Mal anhören gleich die ersten Strophen von "Willkommen auf dem Land" gemerkt hatten. Diese gingen ihnen echt nicht mehr aus dem Ohr.
Bauer Ferdinand, Anke und der Mops haben bei uns also gleich voll eingeschlagen, ja, eigentlich die ganze CD, denn es wurde schon öfter verlangt, diese wieder in den Player zu legen.

Aufgrund der kindergerechten Texte und Inhalte, ist "Käpt'n Helge" in meinen Augen vor allem für Männlein und Weiblein zwischen sieben bis ca. zwölf Jahren geeignet. Diese sind es, die den Inhalt am besten verstehen und die auch von den lustigen Texten angesprochen werden. Die Jüngeren werden es nicht so gut verstehen, aber vielleicht Gefallen an der Musik generell finden. Die älteren Kinder finden es in pubertierender Phase leider nicht mehr "cool". Die sind über Kinderlieder, egal in welcher Form, eben schon erhaben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Wechselspiel aus Songs und kurzen, erzählten Geschichten pefekt ist. Das Hörspiel bietet eine kindgerechte Handlung und vor allem mal "andere" Musik, bei der weder Mama und Papa, noch dem Nachwuchs fad wird. Musikalisch bleibt man natürlich wegen der Kids auf der rockigen Seite und bietet nur ganz dezent Härte an, was ich aber mit Blick auf das Alter der Zielgruppe richtig gewählt finde. Zu viel Gitarrensoli oder lauter Metal schreckt eher ab - dieses Album ist aber eine ausgezeichnete Einstiegshilfe in das Genre. Der gut aufbereitete Handlungsstrang gefällt dem jugendliche Hörer und ist in seiner Einfachheit vom Zielpublikum leicht und verständlich zu folgen. Echt gut gemacht! Ein großes Lob an Anke und Ferdy für diese tolle Idee.



Ohne Bewertung
Autor: Lady Cat (17.03.2017)

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